Severin Gamper, mein Layouter entschied sich, seine Vertiefungsarbeit seiner Berufsschule auch mit LYRICS zu verbinden, indem er sich mit der Vermarktung eines solchen Heftes beschäftigte. Für mich war bis daher nie klar, ob ich dieses Heft schlussendlich auch verkaufen möchte, denn mich interessierte eigentlich nur das eine Exemplar, welches ich am Abgabetermin meinem Betreuer in die Hände drücken werde. Doch mir war meine unglaublich hohe investierte Arbeit in dieses Magazin bewusst, und deshalb spielte ich immer wieder mit dem Gedanken, das Heft auch zu verkaufen. Irgendwann, als sich die Frage mit der Zeit von Selbst beantwortete, waren wir uns einig, dieses Magazin zum Kauf anzubieten. Die Vermarktung wollte Severin anhand eines Facebook Experimentes analysieren und beeinflussen. Er beschäftigte sich mit der Frage, mit welchen Marketingmethoden können wir am meisten Leute für dieses Magazin erreichen und gleichzeitig dazu animieren, unsere Facebook Seite zu abonnieren. So erstellten wir zusammen eine Facebook Page, welche sämtliche Infos über LYRICS beinhaltet und auf welcher wir täglich Neuigkeiten aus der Schweizer HipHop-Galaxie posten. Wir luden zuerst unsere Freunde ein und erreichten praktisch über Nacht 130 «Gefällt mir Angaben». Dies klassierten wir schon mal als kleinen Erfolg. Danach, um noch mehr Leute zu erreichen, schalteten wir via Facebook für kleines Geld eine Werbeanzeige auf. Dann explodierte es plötzlich. Menschen aus der ganzen Schweiz bekundeten Interesse an diesem Magazin und drückten ihre Begeisterung aus. Aus 130 Fans wurde praktisch über Nacht 500! Das war dann der volle Erfolg. Wir wurden angeschrieben von diversen Rappern, Labels, Fotografen und Fans, die ihre Anliegen und Vorfreude mit uns teilen wollten. Rapper suchten eine Plattform für ihre Musik, Labels wollte Interviews für ihre Rapper gewinnen, Fotografen stellten uns Fotos zu Verfügung und Fans bombartierten uns mit Fragen. Der Spiess drehte sich, denn unbekannte Künstler kämpften förmlich für eine Seite in unserem Magazin und sagten mir, wie dankbar sie dafür wären. Das ganze schien eine Nummer zu gross zu werden, denn plötzlich abonnierten uns auch Fernsehmoderatoren, grosse Rapper und weitere Szenenberühmtheiten. Man diskutierte über diese Idee, man gab seine Erwartungen Preis. Kurz, das LYRICS Magazin war in der Schweizer HipHop-Community in aller Munde. Mir wurde es ein wenig unwohl, die Erwartungen waren hoch und meine Nervosität stieg an. So machte ich mich daran das Vorwort des Magazins zu schreiben, um meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Auf jeden Fall waren wir jetzt gezwungen, eine Marketingstrategie zu entwickeln, denn wir mussten das Magazin jetzt verkaufen, alles andere wäre Feigheit. So mussten wir Sponsoren suchen, um finanztechnisch nicht gar unterzugehen. Die Maturaarbeit entwickelte sich damit auch in andere Richtungen, denn ich übernahm auch die Aufgabe eines Marketingleiters. Ich schrieb Mails an dutzende von Firmen und Organisationen, und erhoffte mir so den finanziellen Aspekt einigermassen im Griff zu behalten. Dies war zähe Arbeit, viele lobten die Idee in den Himmel, konnten uns allerdings aus diversen Gründen, wie Budgetplanung oder aufgrund fehlendem Ausbildungssponsoring nicht finanziell unterstützen. Das Salzhaus, ein alternativer Kulturklub konnten wir allerdings für eine kleine Spende gewinnen. Doch dies war nicht genug. So boten wir Inserate und Logoplatzierung in unserem Heft für wenig Geld an. Dadurch kam dann schlussendlich der eine oder andere Franken zusammen, insgesamt sind es um die 1600.–! Events-Promoter, Studiobesitzer, Kleidermarken Stores und Rapper schrieben uns, um einen Werbeplatz im LYRICS zu erhalten. Auf jeden Fall mussten wir uns jetzt auch ernsthafte Gedanken um den Druck des Magazins machen. Diesen nahm ich anfänglich zu sehr auf die leichte Schulter, und malte mir einen gesamt Preis für eine grosse Auflage an Magazinen von aller höchstens 500.– aus. Als ich eines Tages den Copyprint in Winterthur anfragte und sie mir eine Offerte für mein Magazin stellten, klappte mein Unterkiefer hinunter wie ein Klappgestell. Für eine Auflage von 300 Hefte wollten sie ernsthaft 10`000.–! Also musste ich mich weiter auf die Suche mache, und kam schnell auf die Idee, das ganze Online und im Ausland drucken zu lassen, ja, das sollte wesentlich billiger kommen. Also checkten wir dutzende Online-Druckereien ab, stöberten uns durch ihr Angebot, Bewertungen und Erfahrungsberichte. Stelle man sich vor, man gibt sein ganzes gesammeltes Geld aus, und schlussendlich schicken sie dir einen Dreckszettel zurück. Das wäre wohl der schlimmste Alptraum, der mich, während ich das schreibe, immer noch beschäftigt. Wir haben jetzt eine Online Druckerei gefunden, die sehr billig drucken lässt, ein Widerrufsrecht enthält und sehr gute Bewertungen aufweist. Was heraus kommen wird, werden wir sehen. Ich hoffe einfach keinen Dreckszettel.

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