In Deutschland gibt es HipHop-Plattformen im Überfluss, mit den USA müssen wir uns überhaupt nicht zu vergleichen versuchen. Doch auch wir in der kleinen Schweiz haben eine lebendige HipHop-Szene, die mit Kraft und Willen versucht, die von der Schweizer Musikindustrie gezogenen Verbreitungsgrenzen zu sprengen, und deshalb mehr Beachtung und Bühnen auf Papier verdient. In jedem Kanton blühen neue Talente auf. Die gegenseitige Toleranz und der Respekt sind gewachsen, denn man wird nicht mehr verurteilt, wenn man eine Hook singt. Gleichzeitig wird immer noch der Oldschool-Vibe gefeiert. In der Schweiz gibt es viele Ausnahmekünstler, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Die Szene ist so facettenreich, dass jeder HipHop-Fan seine Disziplin, seine Liebe in einem Schweizer Künstler wiederfindet.
2014 war ein Paradebeispiel, Lo & Leduc stürmten die Charts und wurde in den Radios auf Heavy Rotation gespielt und erreichten sogar den Goldstatus, während ein Mimiks in den Charts sogar auf die Eins schoss, ja, wirklich auf die Eins, mit dem Sound der Jugend, richtigem schonungslosem Rap. Möchtegang ist der Zusammenschluss von Legenden und Newschool-Rapper aus vier verschiedenen Kantonen – ein richtig erfolgreiches Projekt. Rapper Manillio, Skor oder Glanton Gang zogen mit einer ganzen Band durch das Land und spielten Livekonzerte von höchster Qualität. Aber dies ist nur ein minimaler Ausschnitt aus einer Subkultur, die nicht mehr verleugnet werden darf, sondern als eine der grössten in der Schweizer Musiklandschaft zu betrachten ist.
Beim Recherchieren, konnte ich mich immer weiter in diese Materie vertiefen und ich entdeckte Schweizer Rap, von dem ich vorher noch nie etwas gehört hatte. Vieles davon gefiel mir. Ich als 90er-Kind wurde dabei immer mehr mit der Musik und der damaligen Sichtweise auf diese Szene konfrontiert. Ich wurde ein richtiger Fan von neuen, aufstrebenden Künstlern, die viele musikalische Facetten und unglaubliche lyrische Talente mit sich bringen, und dieser Musik neue Flügel verleihen. Neue Horizonte eröffneten sich mir.
Trotzdem überschattet etwas den scheinbaren Aufschwung des Schweizer HipHops. Die Musikbranche lässt nicht viel für ihn übrig, denn der Kuchen ist klein und die Stücke sind viel zu gross geschnitten und einseitig verteilt. Viele Künstler, mit denen ich gesprochen habe, sind unzufrieden. Die harte Arbeit, die Saat, bringt wenig bis gar keinen Ertrag. Man wünscht sich eine grössere Plattform, mehr Kapital und auch grössere Aufmerksamkeit, denn man ist abhängig von der Musik und somit auch von dieser Musikindustrie. Nur: Diese kann gerne auf dich verzichten. Die Beziehung zwischen Künstler und Industrie ist unfair und ungerecht. Ich behaupte, dass der Schweizer Rap Opfer ist der oberflächlichen Fliessbandmusik und jenen Medien, die nur scharf auf Schlagzeilen sind. Es ist einfacher, alles in den gleichen Topf zu schmeissen, als sich mit jeder einzelnen Facette zu beschäftigen und einzelne Sparte eingehend zu beschäftigen.
Mit dieser Arbeit wollte ich genau dies tun. Ich nahm mir dies zu Herzen und empfand es als meine Aufgabe, während ich dieses Magazin schrieb. Ich reiste einmal mehr von Openairs zu Openairs, von Event zu Event und erhielt so viele Eindrücke von dieser Subkultur. Auch die Interviews mit den Künstlern, öffneten mir für vieles die Augen. Ich denke, dieses Magazin zeichnet sich durch den journalistischen, objektiven Blickwinkel, die Authenzität meinerseits und die auf Papier geschriebene Liebe für diese Musik aus. Meine Maturaarbeit wollte ich mit meiner Leidenschaft fürs Schreiben verbinden, so entstand die Idee einer Zeitschrift nur für die Schweizer Rap-Musik. Denn unsere Musik hilft uns in vielen Lebenslagen, egal, ob wir dies bewusst wahrnehmen, oder nicht. Diese Musik ist ein Teil unseres täglichen Lebens. Also spürte ich den Drang, ihr etwas zurückzugeben, als Fan. Dies habe ich versucht, ob erfolgreich, das entscheidet ihr!

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