Gestern landete von einem anonymen LYRICS-Leser einen Brief in unserem Postfach. Mit der Bitte, wir sollten den Artikel so veröffentlichen. Gerne tun wir dies. Was meint ihr? Bringt er entscheidende Argumente oder ist dieses Thema langsam ausgelutscht?

(Wieder einmal) Ein offener Brief an die Radiostationen der Schweiz

Liebe Radio Stationen, es ist wieder mal an der Zeit, mich  zu beschweren. Über das Konzepte, wie ihr die Musik für eure Playlists auswählt. Ein offener Brief an Euch erscheint mir als die beste Lösung, meine Trauer über euer Verhalten kund zu tun. Seit Jahren beschweren sich Künstler aus der Schweiz darüber, dass ihre Musik von den Radiostationen der Schweiz einfach ignoriert wird. Gute, beziehungsweise hervorragende, Chartplatzierungen reichen nicht, um sie in Eure Playlist aufzunehmen.

Am meisten ignoriert wird das Genre HipHop / Rap. Einzig Lo&Leduc haben es im letzten Jahr geschafft, bei den Radios zu Punkten. Alle anderen lasst Ihr, wieso auch immer, aussen vor. Das verletzt uns. Denn wir sind ein wichtiger Teil der heutigen Kultur. Die Themen, welche wir ansprechen, sind wichtig. Nicht nur für uns und unsere Generation. Sie erzählen auch den Älteren was uns beschäftigt und wie wir uns fühlen. Wieso also werden wir seit Beginn unseres Entstehens von den kommerziellen Radios gemieden? Habt Ihr so ein schlechtes Bild von uns? Wenn das so ist, informiert Euch doch mal über uns. Einige Vertreter unserer Szene können wirklich tolle Geschichten über Toleranz erzählen! Vielleicht solltet Ihr mal aufmerksam zuhören, denn allem Anschein nach, habt Ihr in diesem Punkt ein echtes Defizit. Wir haben Euch und der Bevölkerung durchaus etwas mitzuteilen.

Ja, es stimmt, manchmal sind wir postpupertär und verhalten uns auch hin und wieder mal so, aber Hey!, das ist unser gutes Recht. Doch dann haben wir auch wieder klare Momente und schildern der Welt unsere Sichtweise der Geschehnisse, unsere Sorgen und Ängste, die es nebenbei gesagt, echt wert sind, der breiten Masse vor gespielt zu werden! Wir legen unsere Seele, nackt und verletzlich, auf den Tisch. Wieso wollt Ihr denn nicht hinhören? Wenn Ihr Angst vor Gangsterrappern habt, dann können wir Euch beruhigen. Uns ist durchaus bewusst, dass wir hier in der Schweiz sind. Wir verhalten uns also auch dementsprechend. Unsere Songs drehen sich nicht immer nur um «Bitches», Geld und Gewalt. Niemand in unserer Szene verherrlicht Gewalt oder preist den Sexismus. Was ist also euer Problem?

Nun, vielleicht ist es Euch ja auch einfach entgangen, dass seit Anfang des Jahres etliche Vertreter unserer Szene grandiosen Chartplatzierungen erreicht haben? Wenn das so ist, dann möchte ich Euch bitten, euren Job zu machen und Euch auf den entsprechenden Seiten des World Wide Web darüber zu Informieren. Ein guter Anfang wäre www.hitparade.ch.

Liebe Radiostationen der Schweiz, ich Bitte darum, nehmt uns ernst! Denn wir sind ein Teil der vielfältigen und grossartigen Musikindustrie der Schweiz. Auch wenn uns der kommerzielle Erfolg nicht sonderlich wichtig ist, tragen wir genau so zum kulturellen Erbe der Schweiz bei, wie eine Lys Assia oder Florian Ast. Wir möchten gehört werden. Vor allem aber, und das finde ich viel wichtiger, wollen wir als das wahrgenommen werden was wir sind: Eine unglaublich vielfältige Szene, mit vielen unglaublich talentierten Künstlern.

In Liebe

 

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