Was sagen grosse Rap-Künstler über unseren HipHop? Wir wollen dies in unserer Magazin-Rubrik «Meet CH-Rap» herausfinden und haben deshalb schon einige Namen wie MoTrip, Dillon Cooper, Chali 2na (Jurassic 5), Genetikk, Namika und Kontra K  getroffen um ihnen Schweizer Rap vorzuspielen. Sprache hin oder her, oftmals entscheiden Atmosphäre, Feeling und Auftreten, ob der Song für einen «Ausländer» positiv zu bewerten ist. Doch lese selbst! Für die Juni 2016Ausgabe haben wir Prinz Pi getroffen und das hat er zu Schweizer Rap gesagt:

Seine Bibel hat sechs Worte: «Ich bin tight, ihr seid whack!». Mit dieser Line schrieb Prinz Pi Deutsche Rap-Geschichte. Doch Pi hat musikalisch viel mehr geschaffen als diese sechs Wörter. Er hat auf seinen unzähligen Tonträgern seinen Fans Lebensweisheiten mit auf den Weg gegeben. Seine Lyrik steht daher im Zentrum. Er schrieb über die Orientierungslosigkeit seines Selbst in dieser Gesellschaft, die Verwelkung des Jugendtums in Partynächten, das leidenschaftliche Lieben eines Sturm und Drängers und brachte kritische Anleitungen fürs Hinterfragen unseres Profitssytsems. Im Jahr 2011 konnte er mit dem Album «Rebell ohne Grund» endgültig den breiten Musikmarkt begrüssen und beliefern. Dies zeigt sich an den Verkaufszahlen, Chartplatzierungen und ausverkauften Tourneen. Seine Fans, die seit Tag Eins auf jeder Tour die Lyrics von «Keine Liebe» emotional berührt mitrappen nehmen ihm den Werdegang nicht übel. Denn Pi hat sich in seinem Auftreten und seinem Denken trotz dem Erfolg, den kreischenden Teenies und den Musikpreisen, die er daheim herumstehen hat, keinesfalls verändert. Dieser Realness wegen sei ihm Resepekt zu zollen. Im Februar kam sein neuestes Werk «Im Westen Nix Neues» raus und chartete auf Platz 1 in Deutschland. Wir haben den Prinzen während seinem Tour-Stopp in Zürcher Volkshaus besucht. Fazit von unserer Rap-Nerd-Diskussion: Pi findet CH-Rap definitiv Porno!

Den Beat mag ich auf jeden Fall und auch der Clip ist wirklich cool! Ich habe ja selber früher intensiv gemalt. Der Flavour der Musik ist geil, auch dank diesem Beat, welcher ein so richtiger HipHop-Beat ist. Man kann und soll diesen gar nicht schubladisieren, ob Oldschool oder Newschool. Er könnte sogar wirklich von der A$ap Mobb Clique oder von den The Underachievers kommen. Die MCs rappen lässig und malen im Video noch dazu. Diese Mischung gefällt mir richtig gut. Natürlich ist es für mich richtig schwierig zu verstehen, was die Jungs da rappen. Eigentlich unmöglich. Manchmal versteht man Wörter wie «Rucksack» oder «Farbbeutel». Das ist so wie damals im Alter von dreizehn: Man hört englische Musik, fühlt den Vibe übertrieben, doch versteht kein Wort. Ich müsste es mir wohl noch einige Male geben, um auch auf lyrischer Basis meine Meinung zu droppen.

Ein sehr künstlerisches Video. Den Song schätze ich sehr poppig ein. Einerseits ist das Ganze sehr klischeehaft und trägt diese Instagram-Ästhetik mit sich, andererseits finde ich es wirklich cool, weil es nicht zu sehr in diesen Kitsch abdriftet. Er findet die Balance zwischen Kitsch und Kunst. Am Anfang, wo nur das Klavier zu hören war, hatte man fast ein wenig Angst, dass der Rapper ein wenig zu schmalzig über den Beat rappen könnte. Doch als die Drums mit dem MC einsteigen, löst sich diese Angst, da er einfach dope und souverän drüber rappt. Schlussendlich generiert aus diesem Stück eine krasse Atmosphäre, mit der Folge, dass ich mir dieses Video nochmals angucken muss, weil es einfach schön ist. Wie schon gesagt, es ist kitschig, doch gleichzeitig wird dies mit der schrottigen Kameraperspektive wieder relativiert. Es verläuft gerade auf diesem perfekten Grad an Kitsch. Und das mag ich. Es ist wahrscheinlich sehr ähnlich wie die Musik, die ich selber mache, halt einfach auf Schweizerdeutsch. Aber was ich nicht verstehe, wieso sagt er auf einmal «Young Money»? (lacht)

Das ist sein Alter-Newschool-Ego. So nennt er sich, wenn er schwerelos auf Rap-Bretter spittet. Das Wortspiel ist abgeleitet von seinem Künstlernamen «Manillio». 

Aha! Ich dachte, er meinte das Amerikanische Label um Lil Wayne. Das macht natürlich Sinn. Aber ich finde den Song und das Video echt cool. Top!

Der MC ist krass! Er rappt auf jeden Fall übertrieben über diesen Beat. Alles krass – auch das Video. Es gibt natürlich sehr viele Amerikaner, die das genauso machen. Und wahrscheinlich gibt es einige Leute, die diesem Rapper vorwerfen, dass er eine Kopie von Drake oder anderen US-Künstlern sei. Er hat sogar die gleiche Augenbrauen-Form wie Drake! Aber ich finde, das kann und darf man ihm nicht vorwerfen. Wir haben in Deutschlad so einen ähnlichen Rapper, der nennt sich Shindy. Und da gab es auch Leute, die ihm Biter-Moves vorgeworfen haben. Doch dieser Shindy hat vieles mehr: Super gute Sprüche, dazu ist er noch ein unglaublich talentierter Musiker, schafft es Beats zu interpretieren und in jenen lyrisch auch zu verschmelzen. Genau dieses Prozedere spüre ich bei diesem Schweizer Rapper auch. Der geht mit dem Beat Hand in Hand und dies schaffen wirklich nicht viele. Das ist voll gut! Und was er inhaltlich sagt wie «heissi Marroni», «Tschüss zu de Hure» oder «Grüess zu der Mutter» hat auch Flavour. Auch das Video catcht mich richtig. Es ist sehr stilisiert mit diesem schwarz-weiss-Effekt. Ich stelle mir vor, wie ich zuhause mit meinen Kumpels angetrunken auf dem Sofa chille, dieses Video auf YouTube einschalte und mir diesen Song gönne. Einen Song, der für eine heitere Stimmung perfekt passt. Dope!

Alter, jetzt muss doch mal ein schlechter Rapper kommen, bis jetzt waren alle geil!

Erstens: Ihr Logo gefällt mir. Zweitens: Sie rappen richtig krass. Ohne Scheiss, in Amerika wäre dies ein Hit! Die sind auch ein bisschen wie The Underachievers. Wenn die Beiden auf Englisch rappen würden und das Video nicht in Bern, sondern irgendwo in Amerika – nicht Brooklyn, eher in einer kleineren Hood – spielen würde, wäre das sofort ein Hit! Denn sie rappen richtig dope und beziehen sich in ihren Lyrics auf ihre Community. Es generiert eine starke Energie aus dem Song. Auch dieses Video überrascht mich positiv, da es enorm ehrlich und nicht extrem farblich bearbeitet ist. Ich müsste mir auch diesen Track noch mehrmals anhören, um mich in die Texte einzuüben. Doch auch so kann ich sagen, dass ich es wirklich feiere.

Bilder: David Daub

Kommentare