Was sagen internationale Rap-Künstler über unseren HipHop? Wir wollen dies in unserer Magazin-Rubrik «Meet CH-Rap» herausfinden und haben deshalb schon einige Namen wie MoTrip, Dillon Cooper, Chali 2na (Jurassic 5), Genetikk, Namika und Kontra K  getroffen um ihnen Schweizer Rap vorzuspielen. Sprache hin oder her, oftmals entscheiden Atmosphäre, Feeling und Auftreten, ob der Song für einen «Ausländer» positiv zu bewerten ist. Doch lese selbst! Für die aktuelle haben wir den Boy, Why SL Know Plug getroffen.

Why SL Know Plug, allen bekannt als Money Boy, ist mehr als ein Musiker. Mehr als ein Künstler. Sebastian Meisinger, wie er bürgerlich heisst, aus Wien, ist ein Phänomen. Sein Auftreten, seine Geschichte und seine Musik bieten allen Grund dazu, sich mit diesem aussergewöhnlichen Menschen und dessen gesellschaftlichen Einfluss zu beschäftigen. Wegen ihm mutieren Rap-Fans stundenlang zu Hobby-Psychologen. Jeder versucht, über diesen Boy Bescheid zu wissen. Betreibt er Marketing und Image-Pflege in Perfektion? Ist er gar ein begnadeter Schauspieler und Intellektueller, den noch so abgebrühte Journalisten nicht aus der Rolle bringen können? Oder ist dieser Sebastian wirklich einfach ein durchgeknallter Hustensaft-Junkie, dessen Grosshirnrinde doch hie und da funktionelle Defizite aufweist? Wohl von allem ein bisschen. Zum ersten Mal für virale Attention im Netz sorgte Money Boy im Jahr 2010 mit seinem Clip «Dreh den Swag auf». Eigentlich eine banale Soulja Boy-Kopie. Einfach auf Deutsch gerappt und mit einigen schiefen Tönen verziert. Erstmal lachte man über den Boy, vergnügte sich über seine fehlende Rap-Fachkompetenz und wurde anschliessend mit einem schlechten Gewissen geplagt, da man sich angeblich gerade über die Zurechnungsunfähigkeit eines «geistig Behinderten» amüsierte. Niemand hätte es dazumal für möglich gehalten, dass wir heute, sieben Jahre später, noch immer über diesen Rapper berichten und Stunden damit verbringen, über seinen Werdegang zu diskutieren – und dies mit voller Ernsthaftigkeit. Nur schon dafür: Hut ab, Money Boy! In den darauffolgenden Jahren hat der Boy an Relevanz gewonnen. Er befriedigt seine Fans mit überdurchschnittlich hohem Output. Einem Mixtape folgt gleich das nächste. Er spielt pro Jahr um die 100 Konzerte, wird in die grössten TV-Shows eingeladen, aufgrund seines schwarzen Humors als Twitter-König gefeiert und hat mit Hustensaft Jüngling und Medikamenten Manfred mittlerweile seine eigene Crew im Rücken. Zugleich darf man ihn durchaus auch als Trendsetter betiteln. Ufo361, der deutsche Trap-Rapper schlechthin, ehrt den Boy als ersten deutschen Vertreter seines Genres. Um diese Ehrung zu legitimieren: Schon in der Zeit, als dem Boy auf musikalischer Ebene noch keine ernsthafte Beachtung geschenkt wurde, predigte er bereits den Lifestyle eines Pretty-Swagger-Boys über Trap-Beats. In den Texten dreht sich alles um Money, Gucci, Hoes und Drugs. Lyrische Leitmotive, die 2017 nicht mehr aus der Rap-Szene wegzudenken sind. Die Hooks schmückt er auch gerne mit jenem Autotune-Effekt – früher verachtet, heute belobigt. Fazit: Money Boy war und ist eine einzige Kopie des US-Newschool-Rap. Eine reine Imitation. War seine Musik denn damals auch wirklich gut? Natürlich nicht. Das Image und die Absicht dahinter stimmten, doch die Umsetzung war meistens fatal. Auf mageren Produktionen tat er sich immer noch schwer, Takt und Ton zu treffen. Klar; es waren also nicht seine Musikwerke, die ihn über die Jahre getragen haben und Fundament seiner Omnipräsenz sind. Das Erfolgsrezept liegt in der strategischen und effizienten Image-Pflege des Boys. Seine Figur – egal, ob diese jetzt sein wahrer Charakter oder eine kreierte Kunstfigur ist – kennt keine Grenzen. Er darf Witze über den Germanwings-Absturz machen, bei einem Jugendsender den Heroin-Konsum preisen und in einem einstündigen YouTube-Interview MDMA, Kokain, Marihuana, Nikotin und Koffein gleichzeitig konsumieren. Der Boy darf machen, lassen und sagen was er will, weil es niemanden gibt, in dessen Macht sein Auftreten liegt. Bei keinen Medien, keinen Labels und keinem öffentlichen Interesse. Eigentlich sehr real. Alles, was Money Boy also in seiner künstlerischen Freiheit zu erfüllen braucht, ist, seine Community auf polarisierende Art und Weise zu befriedigen. Damit sie auch weiterhin wie verrückt auf die Tastatur klimpert, um den coolsten und kreativsten Kommentar unter einem Meme, auf welchem der Boy einmal mehr vorbildhaft demonstriert, wie es den Kolben in eine Frau reinzubuttern gilt, im Boy-Slang zu verfassen.

2016 war für ihn ein aufregendes Jahr. Kurz vor seinem Drogenentzug, der wohl längst fällig war, änderte er seinen Namen in «Why SL Know Plug». Der Name war neu, das Gesamtpaket professioneller und rentabler aufgebaut, doch sein Image blieb das alte. Mit seinen neuen Tracks überzeugt Why SL Know Plug jetzt endlich eine breitere Hörerschaft. Auch die HipHop-Medien haben mittlerweile Freude an seiner musikalischen Darbietung. Denn seine Beats pumpen jetzt so richtig und dank dem geschickten Einsatz von Autotune, mit welchem er seiner Nuschel-English-German-Voice Harmonie verleiht, besitzen die Hooks Ohrwurmcharakter. Know Plug hat endlich eine angemessene Portion Swag in seiner Musik, die ohne schlechtes Gewissen und Heimlichtuerei mit aufgedrehten Boxen gefeiert werden kann. Hallelujah! Die Zeit ist also reif, dass wir dem guten Why SL Know Plug Schweizer Rap vorspielen. Gesagt, getan – der Boy und sein Gefolge «Medikamenten Manfred» meet CH-Rap. Scurr!

Why SL Know Plug: Das gefällt mir. Es hat so einen anderen Vibe und nice Vocals. Wirklich guter Mumble-Rap!

Medikamenten Manfred: Ich finde den Beat extrem nice. Es erinnert mich von den Vibes her an Französischen Rap. Ich kenne den Rapper nicht, ist trotzdem nice. Hört sich gut an!

YSL: Ist chillig. Kann man ahnen!

YSL: «Ich zerbreche dich wie ein KitKat» (lacht). Ja, den Text versteht man schon ein wenig und ist auch wirklich cool. Mir gefällt der Beat, der ist so ruff, so raw, so trappy. Auch die Vocals hören sich cool an. Vom Vibe her hört es sich in meinem Ohr doch ganz gut an. Ist nice, auf jeden Fall!

Achtung, jetzt explodiert die Hook.

YSL: Ja, die ist dope, motherfuckers! Nicer real Rap!

Was haltet ihr von Frauen, die rappen?

MM: Ich finde generell, dass Frauen nicht zum Rap gehören. Ich ahne das nicht so richtig. Ich finde zwar den Song von Young M.A «Ooouuu» sehr nice, diesen Track ahne ich persönlich mega. Nicki Minaj und die anderen Frauen höre ich eigentlich nie und feiere es auch nicht.

YSL: Grundsätzlich feiere ich auch keinen Frauen-Rap, doch auch mich hat Young M.A geflasht. Nicht nur «Ooouuu», sondern auch der Track, den sie vor ein paar Tagen gedroppt hat, war extrem cool. Es kommt halt immer darauf an, wie der Song klingt, deshalb ist es mir egal, ob ein Mann oder eine Frau rappt. Doch von einer weiblichen Rapperin könnte ich nie so krass Fan sein.

Weshalb?

YSL: Weil ich finde, Rap machen Dudes. Punkt. Ich kann da einfach nicht gross Fan sein.

Wie findet ihr Lil Lou?

YSL: Dies kann ich jetzt an diesem Song alleine nicht beurteilen. Es hört sich ganz okay an, doch nicht mehr. Der Beat ist mir einfach zu special.

MM: Da kann ich dem Boy nur zustimmen. Da gehört einfach generell mehr Dampf dahinter. Und sowieso: Frauen und Rap, das passt nicht 100% zusammen. Und dieser Song hat einfach zu wenig Feuer, um up zu turnen.

YSL: Es hört sich mir einfach zu «Stani» an. Es ist nicht schlecht und auch nicht super Trash, bleibt bei mir aber trotzdem nicht richtig hängen.


YSL: Fühle ich jetzt nicht so heavy. Der Beat passt nicht. Der Flow passt nicht. Das Ganze ist mir zu kommerziell, zu poppy. Das ist für mich kein typischer Trap-Beat. Ich kann das nicht vergleichen, ich weiss nur, dass sich so 21 Savage und die Migos nicht anhören. Dieser Track ist ganz was Eigenes, und nicht etwas, was ich zuhause für mich hören würde. Einfach ungewöhnlich.

MM: Ich kann dir gar nicht genau sagen, weshalb ich diesen Song nicht feiere. Ich habe vor unserem Treffen noch nie Schweizer-Trap gehört, doch ich muss sagen, dass sich alles sehr französisch anhört. Dieser Song erinnert mich sehr an Swagg Man. Für alle Leser, die jetzt das Magazin lesen und Swagg Man nicht kennen, sollen ihn kurz googeln … Okay, jetzt fahren wir fort. Dieser Sound ist extrem darauf angelegt, ob gewollt oder nicht, und diese Stimme, die ich in diesem Moment höre (Xen), catcht mich überhaupt nicht.

Welches CH-Rap-Fazit zieht ihr?

MM: Trap aus Deutschland und Österreich ist auf jeden Fall besser! Weil wir bessere Hooks machen und uns bessere Beats picken. Die Beatauswahl ist sehr entscheidend.

YSL: Auch der Flow stimmt noch nicht so ganz. Das Ganze klingt mir teilweise zu gewollt. Aber manchmal schon ganz nice …

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