Pronto liefert uns mit «Babylon» einen Track, mit dem sich auch der letzte, silbenzählende Realkeeper eingestehen muss, dass das Mumble-Movement des 419 Finesse Gang Alphas nicht mehr aus den CH-Rap-Playlisten wegzudenken ist.

Dass der Solothurner seinen neusten Track «Babylon» getauft hat, lässt ein Faible für versteckte, inhaltliche Tiefen erahnen. Und tatsächlich steht der Name einer der wichtigsten Städte des Altertums als Symbol für Sünde und Ungläubigkeit, aber auch für den Hochmut der Menschen gegenüber göttlichen Wesen. Weiter wird der Begriff für verkommene Werte und Lebensweisen des Westens gebraucht und wurde früher als Codewort gegenüber dem britischen Empire mit seiner Kolonialherrschaft und dessen Unterdrückung dunkelhäutiger Menschen verwendet.
Obwohl das Video bei erster Betrachtung nur so vor Oberflächlichkeit strotzt,  zeugt die Verarbeitung dieser symbolischen Deepness auch von den künstlerischen Fähigkeiten des Schweizer-Mumble-Königs. So flext der 419 Finesse Gang Leitwolf mit der Leichtigkeit eines Neymars vor dem Solothurner Bischofssitz (Wie er das wohl geschafft hat?). Des Weiteren führt Mister Dinero allerfeinste, stereotype Bewegungen im Duett mit einem 1970er Revival Fuchsschwanz aus, während der am Gürtel hängende Schweizer Pass, in den Händen versteckte Joints oder eine (ab und zu im rechten Ecken des Eingangs sichtbare) sehr verdächtig nach Lean aussehende Sprite Flasche ebenso Highlights des Videos sind, genau wie der originalrote Ferrari des Typs F430. Die musikalischen Aspekte dürfen natürlich auch bei solch tiefer visueller Betrachtung nicht untergehen. «Babylons» Beat flirtet mit den 808-Drums und die Melodie säuselt sich mit der Leichtigkeit eines Kindergartenmalkurses in die Gehörgänge. Inhaltlich ist es, wie so oft bei Pronto, keine grosse Hilfe, wenn man sich zur Vertiefung der akustischen Verständnisfragen vom Grosi beraten lässt. Bei genauem Hinhören erkennt man jedoch zwischen vielen Floskeln versteckte systemkritische Botschaften – eben «Babylon». So ist es auch nicht von grossem Nachteil, dass bei dem Mann, der in einem Video mehr verschiedene Uhren als Schauplätze zu verwenden weiss, nicht die Lyrik, sondern der Flow an erster Stelle steht. Und genau das ist auch der Grund, wieso der LYRICS-Award-Newcomer-Podestplatzierte, wohl als einziger CH-Rapper nach wenigen Stunden bereits Hypekommentare aus der ganzen Welt unter seinen Uploads vermerken darf. Gebt euch «Babylon» und gönnt euren Ohren damit etwas Zion!

Valentin Steinmann

 

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