Die Vorfreude ist real – in knapp zwei Wochen steigt in Frauenfeld der grösste HipHop-Event Europas. Für die März-Ausgabe hat uns Simon Leyh, der für das Booking und die Kommunikation beim Openair Frauenfeld zuständig ist, Erlebnisse aus seinem Booker-Alltag geschildert und uns einen EInblick sein Schaffen gewährt.

Berlin. Dienstagnachmittag. Gemeinsam mit Rooz von Hiphop.de sitze ich in einem Taxi. Wir fahren quer durch die Stadt. Während er seine Followers auf dem Laufenden hält und ich wieder einmal feststelle, wie gross diese Stadt doch ist, kommt das Taxi an einer Ampel zum Stehen. Plötzlich schreit es von der Rückbank: «Boooooooogy!» Und gleich danach erneut: «Boooooooogy!» Irgendwo zwischen Alexanderplatz und Kreuzberg hat Rooz doch tatsächlich zwischen Snap fünfunddreissig und sechsunddreissig MC Bogy entdeckt, wie er gerade über die Strasse geht.
Nach 50 Minuten kommen wir endlich an. Wir sind in einem wohlhabenden Viertel Berlins. Stell dir für einen Moment einen klischeehaften Ort für ein Treffen mit einem Rapper in Berlin vor. Es ist in etwa genau das Gegenteil. Wir stehen vor einem Wirtshaus, das ebenso gut in München stehen könnte. Wir gehen hinein. In einer kleinen Nische an einem Tisch mit Platz für etwa 4-5 Personen sitzt Fler. Das Treffen verläuft gut. Es geht darum, sich kennenzulernen und letzte Details zu seinem Auftritt am Openair Frauenfeld 2017 zu besprechen. Er hat vieles geplant. Es soll eine Mega-Show werden. Mehr darf noch nicht verraten werden. Solch ein persönliches Treffen mit einem Artist ist ungewöhnlich im Vorfeld eines Festivals. In der Regel findet gar kein direkter Kontakt zwischen Veranstalter und Artist statt.
Der Weg zu einem Booking ist oft lang und zäh. Es geht um viel mehr als nur um die Gage. Es geht um Routings, Billings, Auftrittszeiten und so weiter. Dass das Routing eine wesentliche Rolle spielt, ist logisch. Künstler, vor allem jene aus Übersee, möchten möglichst viele zusammenhängende Shows spielen. Wenn wir also beim Agenten eines Artists anfragen, ob er bei uns spielen möchte, wartet dieser erst einmal ab und schaut, ob er denselben Artist zur selben Zeit an weiteren Festivals unterbringen kann. Hierbei ist es auch ganz einfach so: Umso grösser der Artist und umso länger die Anreise, desto unrealistischer (und teurer) wird eine one-off Show. Also ein Auftritt, für den der Artist extra an- und abreist – ohne weiteren Stopp an einem anderen Festival.
Neben dem Routing spielt auch das Billing seit einigen Jahren eine immer grössere Rolle im Festivalbusiness. Dabei geht es darum, dass Artists Festivals nicht nur dazu nutzen, um Shows zu spielen und Geld zu verdienen, sondern auch, um ihren eigenen Namen zu stärken. Ich erinnere mich an einen Fall, bei dem wir uns mit einem Artist bereits über die Gage geeinigt hatten, er jedoch unbedingt als Co-Headliner auftreten wollte. Der Auftritt kam schlussendlich nicht zustande.
Wir sind jetzt gerade in den letzten Zügen, um das Line-Up 2017 fertigzustellen. Gestern kam die Bestätigung des letzten Headliners rein. Das ist dann dieser Moment, wo ich mal für eine Sekunde innehalte und tief durchatme. Ich denke für einen Augenblick an Juli. Wenn der Headliner die Bühne verlässt und die Lichter ausgehen. Ich erinnere mich wieder daran, wofür ich das ganze Jahr lang arbeite und weshalb es für mich keinen spannenderen Job als den am Openair Frauenfeld gibt. Morgen geht die erste Bookinganfrage für 2018 raus.

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