Unser Magazin hat ja bekanntlich diesen Sommer schon so einige Tracks zu potenziellen Sommerhits erklärt, gehypt, hochstilisiert oder auch berechtig als solche deklariert. Um in diesem Sommerhit-Dschungel nicht den Überblick zu verlieren, ist es für uns eine Ehrensache, die ganzen Kracher nochmals aufzulisten. Die folgende Reihenfolge gilt dabei keineswegs als Ranking, soll euch aber das Füllen eurer Grill- und Badeplaylists erleichtern.

Chum use – Bossnak

Mit dem Song «Chum Use» bewies der Zürcher Rapper Bossnak schon ganz am Anfang der heissen Jahreszeit, dass ihm nicht nur düstere Strassenhymnen liegen. Locker und leicht – wie immer – spittet Bossnaki über einen allerfeinsten Dancehall-Beat.

Bösse animiert den Zuhörer dazu, mit ihm hinaus in die weite Welt zu ziehen, das Handy zuhause zu lassen und einfach nur den Vorzügen von Badiwetter, Glacé und Sonnencreme zu frönen. Big Up für diese Realness in unserem digital verjunkten Zeitalter.


Guet – Sherry-ou

Digge Wow! Ein zarter Slowvibetune, der zu Glückseligkeit und sinneserweiternden Chill-Momenten einlädt. Mit einigen Floskeln über das «Goodlife» und dem Besingen der eigenen Flow-Variationen wird der Track auch inhaltlich passend sommerlich gefüllt. Sherry-ou gehts offensichtlich «Guet» und jedem Hörer nach dem Track bestimmt nicht schlechter.


Seebrogg – Eliel

Der Track, der als Hommage an die Luzerner Seebrücke und das 041-City-Life verstanden werden darf, überzeugt durch einen bouncigen Beat von Chekaa. Als Featuregäste sind mit Marash und EffE zwei Rapper vertreten, die den modernen Rap-Style mit Autotune-Hooks vollumfänglich ausleben. Lustiger Nebeneffekt an «Seebrogg» ist, dass der Videoclip die besungene Brücke nie zeigt, dafür aber mit abenteuerlichen Untertiteln überzeugt.


Calimero – Chekkaa

In seiner aktuellen Videoauskopplung «Calimero» gelingt es dem Schwyzer Vollblutmusiker mit einem 90s-Beat einen potenziellen Sommerhit zu lancieren. Mit Dope-Kid an der Seite wird eine sonnige und heitere Poolpartystimmung kreiert. Der Song mag vielleicht inhaltlich nicht die absolute Deepness erreichen, das nimmt dem Track aber nicht wirklich die Substanz, da er ohnehin viel mehr von seinem Ohrwurm-Charakter lebt.


Alé – Physical Shock

«Alé» überzeugt mit einem sphärischen, zeitgemässen Beat von Lii, der mit einer sehr interessanten Hintergrundakustik die Lauscher der Hörer verzaubert. Darüber flexen EAZ und Xen in wohlbekanntem, PS-typischen Style. Was das Lied aber wirklich zum veritablen Hitkandidaten avancieren lässt, ist die wunderschön von EAZ auf Albanisch gesungene Bridge. Inhaltlich bewegt man sich zwischen absoluter Trägheit und aufgewecktem Tatendrang – ziemlich vergleichbar mit einer angebrochenen Partynacht, in der noch alles passieren kann.


De summer isch eus – Skor

Mit «De Summer isch eus» hat das Zürcher Langstrassen-Original eine Anleitung zu einem unbeschwerten, fast schon meditativen Lifestyle veröffentlicht. Der Song ist eine Ode an die Laissez-faire-Einstellung. Um den Track realer zu machen, werden im Videoclip Menschen wie Du und Ich gezeigt, die sich ausziehen und ihre unbearbeiteten Körper präsentieren. Das ist ziemlich sympathisch, denn auch wir sind – wie Kendrick – müde von all dem Photoshop.


Facetime – Dope Kid

Auf einem Überbeat von Chekaa analysiert der 5K-Rapper das Flirtgame seiner Sommerflamme. Das Katz- und Mausspiel zwischen Frau und Mann, zwischen Facetime und richtigem Date, wird dabei toll auf die Schippe genommen. Bonus: die Hook ist dabei so eingängig, dass man sich nach dem ersten Durchgang bereits beim Mitsingen erwischt.


Schall und Rauch – Manillio

Der Vibe von grenzenloser Freiheit und die Stimmung von lauwarmen Sommernächten wird im Song «Schall und Rauch» zelebriert. Der von Sir Jai und Levin (was für eine Produzenten-Kombi?!) produzierte zeitgenössische Beat passt haargenau auf die Lässigkeit von Young Neezy sowie die breite Masse, die damit angesprochen werden soll. Das Ganze verschmilzt in der Hook zu einer Melodie, die sofort ins Ohr geht.


Bring a friend – Jean Felix

In «Bring a Friend» zlatanieren Jean Felixs an Sean Paul erinnernde Vocals die Gehörgänge des Zuhörers. Der Track verkommt trotz seinen Dancehall-Einflüssen nicht zur «0815-Raf-Bonez Kopie», sondern kreiert durch sein dominikanisches Flair ein ganz eigenes Soundbild. Dieses bedient sich zum Teil klassischen R&B-Elementen. «Bring a Friend» ist ein Gute-Laune-Verbreiter, verfügt aber dennoch über genügend Authentizität um auch Boombap-Heads zu überzeugen.


Dass es in diesem Jahr bisher beinahe mehr Sommerhits als Sommertage gab, bringt wohl so manchen CH-Rap-Fan zum Schmunzeln. Wenn man sich aber bewusst ist, dass in dieser Quantität auch ganz viel Qualität steckt, darf man sich als Verfolger der Schweizer Urban-Szene einfach freuen. Dass unser Land über das Potenzial für einen solch grossartigen Output verfügt, ist geil! Der Sommer ist noch nicht zu Ende und es wird sicherlich noch der eine oder andere – ja wir können es auch nicht mehr hören – Sommerhit hinzugefügt werden können.

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