Magazin 010 Exklusiv: Bekannt geworden als Gründungsmitglied von «M.O.R.» und «Westberlin Maskulin», legte er den Grundstein für Battle-Rap in Deutschland und erlangte so Legendenstatus in der Szene – Kool Savas ist für viele MCs immer noch ein grosser Einfluss. Nach seinem letztjährigen Mixtape «Essahdamus» steht er pünktlich zum Release dieser LYRICS-Ausgabe mit dem Kollabo-Album «Royal Bunker» mit Sido in den Startlöchern.

Der «King of Rap» Kool S.A. hat hart für diesen Titel gearbeitet und macht auch keinen Hehl daraus. Jedes seiner Alben hatte den Anspruch auf Perfektion, von «Der beste Tag meines Lebens», über die Mixtape-Reihe «John Bello Story» bis zu «Märtyer», Essah hat immer seine gesamte Energie in seine Projekte gesteckt, und das ist auch für jeden Hörer deutlich spürbar. Obwohl, oder gerade weil Kool Savas mit Battle-Rap in den frühen 2000er-Jahren kommerziell erfolgreich war, bleibt er noch heute ein grosses Vorbild für angehende und bereits etablierte Rapper. Er war einer der Ersten in Deutschland, der aus dem Untergrund kam und sich durch seinen Stil Gehör verschaffen konnte – welche Welle dies noch auslösen sollte, ist jedem bekannt.

Das Mixtape «Essahdamus» bestätigte im Oktober letzten Jahres den Status von Kool Savas erneut. Dieses bestach nicht nur durch Vielseitigkeit, die selbstverständliche technische Höchstleistung und dem Übermass an hochkarätigen Featuregästen, sondern auch durch die nostalgische Grundstimmung, die einen rund 15 Jahre in der Zeit zurückkatapultierte und jedem von Neuem ins Gedächtnis rief, wem man in Deutschland die Etablierung von Battle-Rap zu verdanken hat. Essah ist genau wie seine Wegbegleiter Fumanschu, Taktloss oder Oli Banjo über die Zeit reifer und erwachsener geworden, versteht es aber noch wie früher, seine Konkurrenten in die Schranken zu weisen und dabei vor niemandem Halt zu machen. Kein Wunder also eskalierten alle Deutschrap-Fans, als auf dem splash! 20 das Kollabo-Album von Savas und Sido angekündigt wurde: Es trägt den Titel «Royal Bunker», benannt nach dem Freestylecafé und dem daraus entstandenen Label von Marcus Staiger. Das bedeutet wohl also ein Wiederaufleben der Battle-Rap-Anfänge in Deutschland, und somit ist das Album wahrscheinlich eines der meist erwarteten Projekten im verbleibenden Jahr – nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz.

Unser Interesse beim Aufeinandertreffen von Kool Savas und Schweizer Rap geht jedoch in eine andere Richtung. Wir wollen nämlich wissen, was passiert, wenn man dem deutschen Battle-Rap-Helden ein paar Schweizer Glanzstücke unter die Nase reibt. Welches Urteil wird er über unsere Szene fällen?

Vor zehn Jahren hast du mit den Rappern Manillio, Dezmond Dez und Tommy Vercetti beinahe das Label Optik Schweiz gegründet. Verfolgst du noch deren Werdegang?

Mein DJ, Sir Jai, ist gleichzeitig auch Produzent von Manillio. Neezy sehe ich sehr oft, wenn ich in der Schweiz bin und ich freue mich tierisch, dass es bei ihm so gut läuft. Ich erkundige mich auch immer wieder, was die anderen Jungs, Dezmond Dez und Tommy Vercetti, so treiben, um auf dem Laufenden zu bleiben. Aber durch die räumliche Distanz ist es halt schon so, dass man nicht so viel mitbekommt, was bei ihnen und allgemein in der Schweizer Rap-Szene abgeht.

 


 

 

Manillio – Zona

Der Track ist unglaublich professionell umgesetzt. Man hört dem Sound an, weshalb Manillio hier in der Schweiz so erfolgreich ist. Inhaltlich habe ich wirklich wenig verstanden, aber ich gehe davon aus, dass er eine gewisse Emotion transportiert und so die Menschen anspricht und berührt. Das ist gut. Es ist jetzt nicht die Art von Musik, die ich selbst mache und zuhause abfeire. Doch ich weiss seine Musik und Herangehensweise zu schätzen und finde es beeindruckend, wie er es soundtechnisch und qualitativ so krass auf die Reihe kriegt. Manillio macht einen sehr guten Job. Hut ab!

 


 

 

Physical Shock – I don’t give a fuck

Stopp! Wow, das finde ich sehr, sehr gut. Ich sage dir zuerst, was mir nicht gefallen hat: Nämlich der Chorus. Die Hook mochte ich überhaupt nicht, weil sie auf Englisch war. Allerdings waren die Parts umso stärker. Wahrscheinlich das Beste, was ich bislang auf Schweizerdeutsch gehört habe – trifft genau meinen Geschmack. Super Technik! Er rappt technisch auf einem Ami-Level, so wie ich es seit Jahren zu praktizieren versuche. Es ist nicht cool für deutsche Verhätlnisse, sondern es ist cool, weil es einfach gut ist. Verstehst du? Er hat ganz sauber gerappt und starke Flowvariationen eingebaut, zudem habe ich inhaltlich vieles verstanden. Die Jungs haben Swag, Style und Attitude – richtig nice!

 


 

 

Dimeh – Focus

Ist vom Style her nicht das, was ich feire und höre. Ich habe auch auf französisch schon bessere Rapper gehört. Aber es war trotzdem gut und solid. Vor allem der Gesangsteil hat mir sehr gut gefallen. Sehr schöne Tonlage! Man hört, dass er eine schöne Gesangsstimme hat. Ich würde mir wünschen, dass er seine Stimme öfters für Gesangspassagen einsetzt, dann würde ich mir diesen Künstler auf jeden Fall auf Albumlänge geben. Ich glaube, dass würde sehr gut funktionieren.

 


 

 

ALI & Chekaa– SJJG 

Ist cool, doch seinen tiefgelegten Stimmeinsatz mochte ich jetzt nicht so besonders. Es hörte sich irgendwie ein wenig künstlich und erzwungen an. Es gibt viele Rapper, die ihre Stimme zu verstellen versuchen. Das ist aber nichts für meinen Geschmack. Ich finde es hundert Mal geiler, wenn ein Rapper zu seiner Stimme steht und mit dieser den Beat zu besiegen versucht. Es ist völlig unnatürlich, dass die Stimme tiefer wird, wenn du mehr Energie reinsteckst. Denn eigentlich wird die Stimme umso tiefer, je leiser du redest und um so höher, je lauter du redest. (Schreit durch den Backstage) Hörst du? Trotzdem versuchen die Rapper den Mechanismus umzukehren. Ja, grosses Gemecker jetzt, sorry – ist halt meinen Geschmack. Trotzdem fand ich den Song dope, sauber und on point berappt.

 


 

Deine Stimme war ein wichtiger Faktor in deinem musikalischen Werdegang. In der Kindheit und Schule hattest du Mühe mit deiner hohen Stimme umzugehen…

…ja, doch das grösste Problem mit meiner Stimme hatte ich selbst. Bis ich gemerkt habe, dass meine Lieblingsrapper alle mit einer höheren Stimme rappten. Bestes Beispiel ist Rakim: Ein unglaublich krasser MC. Doch ich konnte ihn nie hören, weil ich seine tiefe Stimme nie mochte. Aufgrund ihrer hohen Stimmen habe ich auch die Beastie Boys und Souls of Mischief mehr gefeiert und gehört. Diese Erkenntnis hat mir den Weg geebnet, meine Stimme zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen.

Text: Isabella Ospelt & Elia Binelli
Bild: Leonardo Binswanger

Kommentare