Gold Digger {f} [gəʊld ˈdɪgə(r)] ist ein Slang-Ausdruck für eine Frau, die nur vermögende Männer datet, in der Absicht, vom Reichtum des künftigen Partners zu profitieren.
Da ich selbst einmal Cash machen werde, brauche ich weder Mann noch Frau, die mir zu meinem finanziellen Reichtum verhelfen müssen. Dennoch mache ich es mir in der LYRICS-Rubrik «Golddiggin‘» zur Aufgabe, Gold zu schürfen – und zwar in der CH-Rap Landschaft. Ich mache mich alle paar Wochen auf eine Reise durch die Schweiz und versuche dabei die kleinen aber nicht minder wertvollen Rap-Stücke aus dem ganzen Schutt und Schlamm herauszufiltern. Wer weiss, vielleicht stosse ich dabei gar auf eine ganze Goldquelle.

Diesmal startete ich meine Suche im Bündnerland und wurde sogleich überrascht. Ich habe natürlich ein Goldstück in Dialekt erwartet, fing aber eines auf hochdeutsch ab. JJD rappt bei seinem Track «Lichtblick» meisterhaft über einen Beat von Toni White. Die Hook ist leider etwas eintönig und ausdruckslos, ansonsten aber 1A. Schade, dass der Churer nicht auf Schweizerdeutsch rappt, mit seinem Flow könnte er innerhalb unserer Landesgrenzen sicher einiges erreichen. Check:

 

 

Auch das zweite Goldstück, welches mir wiederrum in Graubünden im Sieb hängen blieb, sorgte für eine Überraschung. Zuerst dachte ich, Corona sei betrunken – habe mir dann aber weitere seiner Tracks angehört und festgestellt: Der ist einfach so. «En Teil us mire Gschicht» ist mehr gesungen als gerappt aber der Song zieht echt. Hätte Kurt Cobain gerappt, und das noch auf Schweizerdeutsch, hätte sich das wohl genauso angehört – aber check’s selbst ab:

 

 

Nostalgie pur: Rap über die Zeit im Quartier, Sommer ohne Ende, «Suufe, kiffe ohni Limit» – als ich noch jünger war, haben eigentlich alle so gerappt. Nicht nur inhaltlich, auch der Stil von «Jungs vom Bänkli» von NICK erinnert teilweise an CH-Rap vor knapp zehn Jahren. Der junge Zürcher artikuliert aber so nice, dass man ihm richtig gerne zuhört. Lass dich in einen Sommer von früher zurückversetzen:

 

 

Ich blieb noch ein Weilchen in Zürich, wo als nächstes ein Beat von Noise systeM meine Aufmerksamkeit auf sich zog. The B rappt seinen Track «Rueh vorem Sturm» darüber, was dem Ganzen eine gemütliche Atmosphäre gibt. Das sollte so eigentlich nicht sein, The B hat nämlich ganz schön etwas zu sagen. Mit mehr Kraft in der Stimme und einer klareren Artikulation würden auch die Texte etwas mehr zur Geltung kommen. Auch hat er in anderen Songs den Takt schon besser getroffen. Trotzdem hörenswert – gib dir:

 

Die Region Zürich zeigte sich diesmal als wahrhafte Goldgrube. Ich machte nämlich noch einen weiteren Fund, und zwar «Palmeschatte» von ZH Onda und Maad Max. Ein riesen Beat von Chris Cooper legt eine solide Basis für diesen Track. Die beiden Rapper zeigen Wortgewandtheit, Humor und Coolness. Als Rapper kann man sie ernst nehmen, da sie auch wirklich etwas können. Mehr davon please!

 

 

Ja, auch diesmal funkelte mir ein Sommerhit mit Reaggeton-Einschlag entgegen. «Diva» von LUMI & KIKZ ist sinngemäss mit Cros «Einmal um die Welt» zu vergleichen und auch genau so sympathisch rübergebracht. Irgendwie trägt der Song eine kindliche Naivität in sich – wobei Audi-Cabrio, Motorboot und Champagner natürlich Erwachsenen-Spielzeuge sind. Man schaut und hört den beiden Womanizers ganz gerne zu, wobei auch der Beat von Chekaa echt gelungen ist. Also check’s aus:

 

 

Die Aare lockte auch diesmal zum Schürfen. Vor rund zwei Wochen wurde in Bern das Tape «Coming Soon» von Mitch Records veröffentlicht. Mindestens ein Stück des goldigen Werks blieb bei mir hängen: «Nur Gott weiss» illustriert den Style der neuen Platte und der diversen Künstler dieser Rapper-Kombo. Schnell habe ich gemerkt, dass die Jungs von Mitch Records die CH-Rap Szene schon seit langer Zeit aufmischen, was irgendwie an mir vorbeigegangen ist (my bad). Umso triftiger der Grund, die Jungs jetzt abzuchecken:

 

 

Beim Fund des nächsten Goldstücks musste ich aber zunächst etwas schmunzeln: Der Rapper Wilfried hätte sich auch einen etwas cooleren Künstlernamen zutun können. Nichtsdestotrotz spricht natürlich seine Musik für ihn, welche sich in Form des Tracks «Long Time» echt gut anhört. Wahrscheinlich gefällt’s mir auch, weil sich die Trap-Einschläge etwas im Rahmen halten und man ausnahmsweise den Text akustisch verstehen kann. Der Beat von Northbeats macht Laune auf mehr. Wilfired sollte also unbedingt am Mic bleiben.

 

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