Stereo Luchs ist der Godfather of Dancehall der Schweiz und hat heute sein neues Album «Lince» veröffentlicht. Wir haben das Tape für euch unter die Lupe genommen und geprüft, ob es den Vorschusslorbeeren gerecht wird.

Sunne gaht uf:

Der Opener ist ein fröhlicher und motivierender Morgensong. Auf knappen und knackigen Synthies spielt Stereo Luchs mit wohlbekannten Eindrücken der Stadt Zürich und versprüht Dankbarkeit und Lebensfreude. Dank Stereos metaphorischer Ader bekommt der Hörer ein fast schon fassbares Bild des Künstler-Ichs gezeichnet.

Dancehall:

Der Name ist Programm. Der CH-Dancehall-König zeigt der gehypten Szene, wer auf dem Thron sitzt. Das Stück verfügt sowohl über packenden Drive als auch über eine gehörige Ladung Catchyness.

Ufe feat. Pronto:

«Ufe» hat den Stereo Luchs-Hype eigeläutet. Von einem Pronto in Top-Form unterstützt, gleitet der Luchs wie ein Adler über den wummernden Beat. Auf dem Track gehen Cannabis-Verherrlichung und Team Love märchenhaft Hand in Hand.

Sie seit:

Der einzige wirkliche Stereo-Lovesong auf «Lince» ist einer, der richtig unter die Haut geht. Die Frage: «Will sie oder will sie nicht» hat wohl schon so manchem ein flattriges Bauchgefühl hinterlassen. «Ich hoff, häschs der guet überleit.»

WWF:

Stereo Luchs schenkt allen, die sich Abende lang «WWF» reingezogen haben, ein Kopfkino der ganz besonderen Art. Anfangs zeichnet Stereo die Szenerie eines Wrestling-Fights. Nach der ersten Hook richtet er seine Aufmerksamkeit dann nicht mehr auf die amerikanischen Fake-Fighter, sondern einer uns viel näheren Bezugsgruppe.

Bellevue feat Natel:

Mit tropischem Flair und dem Sänger Natel wird «Bellevue» zum Tanz- und Goodvibe-Anwärter Nummer eins auf der Platte. Natel möchte sich, natürlich, denn Nomen est Omen, die beste Aussicht gönnen. Von welchem «Bellevue» auch immer gesprochen wird, es ist der richtige Song, um sich an seinen Happy-Place zu sinnieren.

Träne ufem Tanzbode:

«Träne ufem Tanzboden» ist eine Szenen-Analyse in Angriffsstimmung. Auf Autotune schwebend gibt Stereo Luchs den Realkeepern und Zweiflern Saures in Halloween-Manier und fährt dann, mit gut gepitchter Stimme, einfach kurz rechts an allen vorbei.

Frenemy:

Für «Frenemy» entstand die geniale Idee, den Rhythm zu Trettmanns «Dumplin & Callaloo» zu benutzen. Im Dancehall wird die Verwendung des gleichen Tunes als Battle angesehen. Stereo Luchs nutzt das Brett, um mit zerbrochenen Freundschaften aufzuräumen. Dies tut er gnadenlos souverän. Big up!

Pronto Interlude:

Stolz wie ein Löwe singt sich Pronto in Love-Vibe-Ekstase über crispy Elektro-Piano-Elemente. Oftmals werden Interludes geskippt. Hier? Besser nicht.

88’000 PS:

Stereo Luchs lässt es sich auf einem Hardcore-Dampfer gut gehen und vergnügt sich mit feinstem Nichtstun. Nach anfänglichem Lob beginnt er damit, Missstände aufzuzeigen und die heile Welt verschwindet langsam. Was bleibt, ist richtig stark verpackte Gesellschaftskritik.

Alles ok feat Trettmann:

2017 ist mehr als «Alles ok». Die zwei Herren, die den Sound des Moments schon ein paar Momente länger machen, stacheln sich gegenseitig zu absoluten Höchstleistungen an. «Es kann doch jeder sehen wie’s mir geht» – wir tippen auf prächtig.

Ziitreis:

Stereo Luchs nimmt einen mit auf eine musikalische Reise. Während er in Erinnerungen schwelgt, weiss er die Aussicht in die Zukunft nicht zu vernachlässigen.

Das Album wird den hohen Erwartungen gerecht und schafft es immer wieder, am richtigen Punkt für Überraschungen zu sorgen. Die Platte verbindet eine Kombination aus intelligenten Texten und dem absolutem Feeling für den Sound. Stereo Luchs hat sich mit «Lince» ein Denkmal gesetzt, welches zeitgemässe Musik auf einem hohen Level aufgreift und nachhaltig prägen könnte.

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