Ein Glaube kann sich ganz unterschiedlich präsentieren: Der Glaube an eine unbestimmte höhere Macht, der Glaube an einen Gott, der Glaube an die Mitmenschen, der Glaube an sich selbst. Den einen spendet er Halt, Trost und Unterstützung. Andere brauchen ihn nicht – sie finden ihre Antworten und Hoffnung woanders. Die einen praktizieren ihren Glauben aktiv, andere lassen ihn einfach in ihren Alltag einfliessen, und manche meiden ihn so weit als möglich. Ein Glaube ist etwas Individuelles und Persönliches; eine Überzeugung, über die man sich nicht einig werden kann, soll und muss. Auch in der Schweizer Rap-Landschaft ist die Religions- und Glaubensfreiheit ein wichtiges und vorherrschendes Gut: Die Meinungen dürfen und sollen auseinandergehen. Das LYRICS Magazin hat verschiedene Rapper um ein Statement gebeten – unter anderem auch Stego. Woran glaubt er? Wie zeigt sich der Glaube oder die Überzeugung im Alltag? Was wird an der eigenen Einstellung kritisiert und wie geht er damit um?

«Mein Vater war Pfarrer, weshalb meine Kindheit und frühe Jugend stark durch Bibelgeschichten, Gebete und die Teilnahme an kirchlichen Anlässen geprägt waren. Diese positiven Kindheitserfahrungen führten dazu, dass ich meinen Glauben ganz selbstverständlich in mein Leben integriert habe. Mit dem Erwachsenwerden stellte ich meiner Überzeugung und meinem Gottesbild gegenüber vermehrt kritische Fragen und fand mich plötzlich in einem inneren Konflikt wieder: Glaubte ich, weil ich nie etwas anderes gehört hatte, oder glaubte ich aus tiefer und eigener Überzeugung? Diese Phase meines Lebens war geprägt durch eine intensive Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben, durch neue Erkenntnisse und Klarheitsmomente. Meine Eltern haben mich stets stark unterstützt; ihnen war wichtig, dass ich selbständig einen eigenen Glauben entwickeln konnte. Im Endeffekt fand ich jedoch nie Gründe, um mich vom christlichen Glauben abzuwenden oder ihn zu verwerfen. Heute kann ich sagen, dass ich aus freier Entscheidung überzeugter Christ bin, und dies die beste Entscheidung meines Lebens war.

Das Leben verändert sich, der Glaube entwickelt sich und ich finde immer wieder neue Ideen, meinen Glauben im Alltag auszuleben – es ist wie eine Entdeckungsreise.

Die wichtigsten Gebote in der Bibel sind: Liebe Gott und liebe deinen Nächsten. Das nehme ich mir jeden Tag vor. Manchmal gelingt mir das besser, manchmal weniger gut. Die Umsetzung findet sich nicht nur in grossen Taten wieder. Ich lese die Bibel, verbringe Zeit im Gebet und in christlicher Gemeinschaft – so drückt sich meine Liebe zu Gott aus. Nächstenliebe zeige ich aber einfach dadurch, dass ich jedem Menschen mit Wertschätzung begegnen will.

In der Bibel finde ich Antworten – doch mit allen Antworten entstehen auch wieder neue Fragen. Ich habe noch lange nicht alles verstanden und stehe immer mal wieder vor neuen Rätseln. Nicht alle davon vermag der christliche Glaube zu lösen, und das ist auch gut so. Wir müssen nicht alles erklären und abschliessend beantworten können. Offene Fragen bringen Spannung in unser Leben, und das macht einen Glauben ja auch irgendwie interessanter.

Mein Glaube macht mein Leben nicht einfacher, aber hoffnungsvoller. Der Glaube an Gott, an Jesus Christus und das ewige Leben gibt mir enorm viel Sinn, Trost und Halt – und das jeden Tag. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mensch an gar nichts glaubt. Ein Glaube kann sich ganz unterschiedlich zeigen, beispielsweise auch im Glauben an sich selbst. Sogar ein Atheist glaubt: nämlich daran, dass es keinen Gott geben darf.

Meine Überzeugung wird ab und zu kritisiert – hoffentlich ja auch! Kritik hilft nämlich, den Glauben zu stärken. Das konnte ich aber nicht immer behaupten. Es gab Zeiten, in denen ich die Kritik nicht so gut annehmen konnte. Das war ein Zeichen dafür, dass ich in meinem Glauben nicht gefestigt war. Heute versuche ich jegliche Kritik ernst zu nehmen und ihre Ursprünge zu verstehen – das führt meist zu spannenden Diskussionen und zu lehrreichen Schlüssen. Nähe führt zu Verständnis, Distanz führt zu Vorurteilen.

Musik ist für mich ein Mittel des Ausdrucks. Ich erzähle und verarbeite mit meinem Rap persönliche Erlebnisse, worin man auch meine Weltanschauung und mein Gottesbild erkennen kann. Aufdringlich sein möchte ich dabei nicht. Aber möglicherweise kann ich durch meine Musik den einen oder anderen dazu bewegen, sich über bestimmte Dinge Gedanken zu machen und vielleicht etwas Hoffnung zu schöpfen. Dazu muss man manchmal auch jemandem ein bisschen auf die Füsse treten.»