Gold Digger {f} [gəʊld ˈdɪgə(r)] ist ein Slang-Ausdruck für eine Frau, die nur vermögende Männer datet, in der Absicht, vom Reichtum des künftigen Partners zu profitieren.
Da ich selbst einmal Cash machen werde, brauche ich weder Mann noch Frau, die mir zu meinem finanziellen Reichtum verhelfen müssen. Dennoch mache ich es mir in der LYRICS-Rubrik «Golddiggin‘» zur Aufgabe, Gold zu schürfen – und zwar in der CH-Rap-Landschaft. Ich mache mich alle paar Wochen auf eine Reise durch die Schweiz und versuche dabei, die kleinen, aber nicht minder wertvollen Rap-Stücke aus dem ganzen Schutt und Schlamm herauszufiltern. Wer weiss, vielleicht stosse ich dabei gar auf eine ganze Goldquelle.

Meine diesmalige Goldsuche fand nicht auf abenteuerlichen Reisen statt, sondern in einer ganz normalen Partynacht.
Als ich eines Abends durch die Strassen Zürichs zog, fand ich ganz unverhofft mein erstes Goldstück in einer Pfütze an der Langstrasse. «Jim Beam» von Jerry Leone haute mich gleich mal weg. Der Zürcher rappt so gut, ich weiss gar nicht, wie er mit bisher durchs Sieb gehen konnte. Mal ganz jung und naiv ausgedrückt, ist «Jim Beam» ein Song, bei dem man sich richtig cool fühlt, wenn er durch die Kopfhörer in deine Ohren dringt. Ich jedenfalls fühl‘ mich dann gleich wie die coolste Person eeeeever und überhaupt. Jim Beam Whisky mag ich nicht, den Track jedoch sehr. Der Clip ist etwas böse und düster aber passt zum Ego-Push, den einem dieses Goldstück verleiht. Wotsch au? Da:

Draussen auf der Strasse rammte mich der Rapper Megan von der Seite und begann mich mit «Hast du gesehen?» anzupöbeln – darauf folgten Fragen über Fragen. Mit diesem Track klingt der Deutschrapper etwas wie eine schmollende Version von Prinz Pi. Was keinesfalls schlecht ist: Megan schafft es, mit seiner Energie echte Emotionen rüberzubringen. Ich hoffe doch, dass ich ihn mit diesem Mini-Artikel etwas trösten kann: Yes, wir sehen dich und du bist gut! Starke Wortwahl, guter Flow. Jetzt einfach mal etwas chillen und weitermachen – dann sehen dich auch alle anderen. Wir machen hier mal einen Anfang:

Weiter zog ich in einen Reaggeton-Club, wo sich langsam ein Turn-Up anzubahnen schien. Die Stimmung und die Musik waren aber noch ganz gemütlich, als sich in meinem Drink das nächste Goldstück verirrte (Ja, in Bern gibt‘s tatsächlich Drinks mit Gold drin). Bei «Deixa» von De la Icon und BOBA verstehe ich zwar mal wieder nichts, aber der Track reisst definitiv mit. Dabei beeindruckt BOBA noch etwas stärker als De la Icon. Der Song ist perfekt, um ganz easy die Hips etwas hin und her zu schwingen. Von den Frauen im Clip könnte ich mir aber definitiv noch eine Scheibe abschneiden. Gib dir den smoothen Track:

Es war Zeit, um ein bisschen zu chillen und so ging ich an die frische Luft und fischte zum Glück sponti noch ein Goldstück aus der Aare. Aufgefallen ist mir der betreffende Rapper, da er ganz in Pink gehüllt war. Big Maa zeigte mir mit «Spätpubertät» einerseits sein Können, andererseits auch ein Spiegelbild meines 17-jährigen innerlichen Ichs. Ein ganz lustiger aber auch recht intelligener Track, der dich teils zum Schmunzeln, teils zum Nachdenken bringt. Das Doubeltimen dürfte noch etwas deutlicher werden, ansonsten aber top solider Rap. Du willst mal was anderes? Dann gib dir den Big Maa:

Zur Afterhour stürchelte ich noch in irgendein Drogenloch, wo alle Partygänger nur noch halbwegs standen, aber doch zum langsamen Beat noch etwas hin und her wippten. «Dinero» heisst das Goldklümpchen, welches ich zwischen den Füssen der Crowd fand. Auch bei diesem Track von Alclassic versteht man nicht allzuviel, was aber weniger an der Sprache, sondern vielmehr am einem Autotune-Mumble-Gemisch liegt, das «Dinero» ausmacht. Scheint, als hätte sich hier jemand Pronto zu einem grossen Vorbild genommen. Der Name des Produzenten ist nebenbei auch recht amüsant: THC BEATZ – sagt doch schonmal einiges aus. Sich seinem Beat hinzugeben, lohnt sich aber allemal:

Das Ganze ging dann so weiter, als «Dead Puppets» von Yang Buddha aus den Boxen dröhnte. Irgendwie mag ich den Stil, auch wenn meiner Meinung nach hier nicht mehr von Rap die Rede ist. Aber da ich doch alle bewundere, die irgendwie aus der Reihe tanzen, muss ich auch Yang Buddha Props geben. Relativ schnell merkte ich dann aber, dass es endgültig Zeit war, um nach Hause zu gehen: Mit Feuer und creepy «dead puppets» wird es mir dann doch schnell mal zu viel. Zieh’s dir aber rein, wenn du mal wieder etwas komplett abgespacetes sehen willst: