Der Virus Bounce Cypher hatte es in sich. Eine Auswahl der besten Rapperinnen und Rappern durfte während rund 450 Minuten der ganzen Schweiz ihr Können am Mic präsentieren. Wir versuchen für euch zu beschreiben, was die untenstehenden 12 Parts zu den besten des ganzen Cypher-Events macht. Zusätzlich haben wir je eine Line ausgewählt, die den entsprechenden Part prägte, krönte oder einfach noch lustiger machte. Natürlich ist diese Auflistung von Parts einfach eine Auswahl. Seid euch bewusst, dass auch viele weitere RapperInnen abgerissen haben. Trotzdem: Diese 12 Clips haben uns am meisten getouched:

Physical Shock

2017 stellten sie den ganzen Cypher mit ihrer Präsenz und ihren perfektionierten Flows in den Schatten. Nun galt es, diesen Auftritt zu bestätigen. Dieses Unterfangen gelang Xen, EAZ und Liba eindrücklich: Unter anderem auf einem Boombap-Beat von LUUKs Home-Producer Davïd M zeigen die drei, was in der CH-Rap-Championsleague der Standard ist. Xens Mehrsilber, vorgetragen mit unfickbarer Aura, EAZ Smoothness in Flow-Changes und Libas Reimketten sind auch in diesem Jahr nicht zu toppen. Eindeutig: Physical Shock gehört zum Besten, was die Schweiz an Rap zu bieten hat!

«Ich muss cool blibe, roll eis / die Motherfuckers wänd mich zueschriibe, no time / si wänd es Feature nur zum Ufstiige, ouu nei / sie chönd mich zahle – so en Tuusiger, pro Line»

24Dias

Nach dem letztjährigen Cypher wusste man schon, dass man 24Dias unbedingt im Auge behalten muss. Wie erwartet lieferte er vor allem Punchlines und pure Unterhaltung. Weil sich der Aargauer nicht für einen Beat entscheiden konnte, hat er seine Lines auf insgesamt vierzehn (sic!) Instrumentals präsentiert und zum Schluss sogar noch einen Acapella-Teil angehängt. Sein schwarzer Humor ist unbezahlbar, seine Lines zielen meist unter die Gürtellinie und seine unverkennbare Stimme liefert den Rest – das war definitiv der lustigste Part des Cyphers.

«Du gsehsch ned us wienen Wichser, aber du redsch eso, heb d Schnorre du Fotze, ich ha s Tourette-Syndrom.»

KT Gorique

KT Gorique hat nicht nur repräsentiert, sie hat während sechs Minuten unglaubliche Bars auf Piano-, Trap- und Reggae-Beats gespittet und dem real Hip-Hop die höchste Ehre erwiesen. Die Symbiose von Beats, Stimme, stoischer Gelassenheit am Mic und allem voran überragendem Flow machten die Verses von KT Gorique zu einem der besten Parts der diesjährigen Cyphers. Die Walliserin, die 2012 als erste Frau und jüngste Person die Freestyle-Weltmeisterschaft gewonnen hat, trat mit einem langen «Wassuuuup» und einer Lockerheit ans Mikrofon, die sogar Pablos locker in den Schatten stellte.

«On est là pour representer le real Hip-Hop et donner les good vibes»

Baba Uslender & Soldi

Was für ein Comeback! Baba Uslender meldet sich ausgerechnet für den diesjährigen Cypher zurück und mischt mit Soldi das Game anständig auf. Die beiden geben sich souverän und asozial – genau wie man sie kennt, genau was man erwartet, aber auch genau das Richtige für diesen Anlass. Die Punchlines bleiben wie immer fett, der Flow ist bei den Bros aus Hochdorf genau auf dem Punkt. Ihr hässiger und arroganter Style ist den beiden immer noch am Wichtigsten, und der wird ohne Kompromisse durchgezogen. Diese zwei Kunstfiguren haben gefickt – ohne Spass, und gerade deswegen so unterhaltsam

«Ich fiire nur knapp 10 Prozent, de Rest chame ned amol paffe. Doch denn killi mal de eint, und denn killi mal de zweit und der dritti, der verpisst sich, willer Angst het.»

Vas Angelov

Vas Angelov zeigt Mittelfinger gegen die Musikindustrie, Mittelfinger gegen die Medien, Mittelfinger gegen Kommerz. Wohl keiner hatte den Rapper mit bulgarischen Wurzeln auf dem Schirm, bevor er einen Fuss in den Cypher gesetzt hat, bevor sich die Booth in die Strassen New Yorks verwandelt hat. Der 21-Jährige verbreitet seine Musik nur über Facebook, rückt als Künstler in den Hintergrund und lässt die Musik Kunst und Kultur sein, ohne sich als Person damit zu profilieren. Vas Angelov, der im Vereinigten Königreich aufgewachsen ist, hat die Bounce Cypher mit technisch versiertem Hip-Hop, Doubletime-Passagen und Gänsehaut-Part auf dem «Goosebumps»-Beat demontiert, abgerissen und zerstört.

«Evidently, no permanently, my middle finger is up.»

Lo & Leduc, Manillio & Tommy Vercetti

Die krönende Abschlussrunde der Cypherparts bildeten die Herren aus der Eldorado-Family. Dass sie als Urgesteine des Radiocypherns mit zunehmenden seriösen Verpflichtungen ihre Pole-Position nicht mehr ernsthaft unter Beweis stellen wollten, wäre leichtfertig dahingesagt. Schliesslich macht’s ja immer noch Freude: Mit ihrer gepflegten «Mir-si-di-Vater»-Attitüde, den frechen Flow-Arrangements und der Liebe für Sprachspielereien weisen sie den «Vibe-Rapper» der neuen Zeit in die Schranken.

«Lug de Flow isch öppe wienes Pony / Wenni chume fiires d Leut hard (Leuthard) – segmer Doris / Du weisch dis tiefergleite Outo isch nume e Metaphre / Für das wo du no gloubsch i dim Läbe einisch z’schaffe»

Sektion Züri

Mitten in der Zürcher Stunde zeigen L Loko und Drini, wie man am Cypher den besten Turn-up veranstaltet: Mit ganz viel Leidenschaft und Herzblut. Die beiden feiern ihren Auftritt so krass ab, dass sie selbst bei der Line «Ständig hässig eifach, ich bin hässig, eifach» kaum das Grinsen aus ihrem Gesicht wischen können. Das Studio füllt sich während ihrem Auftritt immer mehr und es bleibt dem Zuhörer nichts anderes übrig, als ebenfalls abzugehen. So geht Good-Vibe, so geht Spass an der Sache, so geht Cypher.

«Ihr renned eu selber nur hine na, klaued de Style immer wieder mann, ihr hend kei Style i de Lieder gha, kei gueti Vibes, so wie immer: de Broke Shit.»

LCone

Der Billigvodka-Daddy aka LCone ist auch dieses Jahr die willkommene und lockere Auffrischung im testosteronschweissgetränkten Bounce-Studio. Dank der Unverschämtheit eines Primarschul-Klassenclowns toppt den Luzerner in Sachen tabulosem Fäkalhumor keiner. Dass er auch ganz anders kann, beweist er in seinem letzten Verse: Selbstzweifel und Liebesbeweise komplettieren seine authentische Delivery und reihen seinen Beitrag in die Liste der Besten dieses Jahres ein.

«Chasch du au tanze bim Rappe?/ Dini Fründin schmöckt wie min Schwanz und die Pflanze im Egge/ Schwizer Rap isch so chli/ Mis Album isch da ich stecke d Messlatte dri»

Knackeboul

Selbstironisch und doch sozialkritisch stichelt Knackeboul in seinem Part gegen Lügenpresse-Systemkritiker und Verschwörungstheoretiker wie beispielweise KenFM und macht sich über alles und jeden lustig – auf technisch höchstem Niveau. Es war zu erwarten, dass der «Man’s Not Hot»-Beat es an den Cypher schaffen würde. Besonders erfreulich ist es, dass sich mit Leduc und Knack wahre Könner das Grime-Brett gekrallt haben. Mit akribischer Präzision und ordentlich Speichel bearbeitet der Tausendsassa der Rapszene das ohnehin schon durchnässte Studio-Mic und strahlt packende Freude am Rap aus. Ein wahres Cypher-Highlight.

«Mi Guetmönsche-Schwanz isch so gross, wie de Hals vonre Riese-Giraffe.»

Black Tiger

«It’s OG o’clock» als Black Tiger seine exklusiven Lines zum Besten gibt: Dieser Mann hat verstanden, wie der Cypher funktioniert. Der erste Part des Rap-Pioniers, der schon über 25 Jahre im Game mitmischt, läuft noch ab wie erwartet – ein Vers nach dem anderen, keine Hook, Flow on point, Sample-Beat. Es wird Liebe für die gesamte Szene gespreadet und der Vibe beim Basler übernimmt: Auf einem chilligen Newschool-Beat zeigt er, dass er es auch mit den zeitgenössischen Künstlern im Game problemlos aufnehmen kann. Trotzdem kommt bei seinem Auftritt keine Spur von Hate auf – schön, dass Black Tiger die Diversität unseres Genres so abfeiern kann.

«Freros wenn Dineros, Brudis, Dubis und biz Cash.»

ALI

Das Rap-Monster macht seinem Namen als Grösse im Game alle Ehre. Über den tragenden Red Nation-Beat zementiert er seinen Status in gewohnt epischer Präsenz. Dies gelingt ihm mit einem geordneten Aufbau: Zwischen einem Jahresrückblick, Fanbindung und Mannschaftshuldigungen füllt der Charismaträger seine Zeilen mit leidenschaftlich hässigen Punches. Trittsicher und bosshaft, so kennt man den Churer.

«I gib de Kids was uf de Weg/ Lug du schaffsches au vor Klyklass bis id Sek und in d’Uni wenn du‘s wetsch/ Frog de Goran – es isch möglich/ Selbstsicherheit isch für die Hater tödlich»

Arthi/Jears

Dreimalige Teilnahme, dreimaliger Abriss. Humor, Punchlines, Flow, die jungen Usterner haben erneut alles ausgepackt und eines der Highlights der Cypher abgeliefert. Das Duo parodiert das asoziale Image der Gangsterrapper mit Punchlines, die das ganze Studio mitlachen lassen, mischt das Parodisierende aber mit technisch starken Verses. Entertainment, welches man hoffentlich auch ein viertes Jahr in Folge in der Cypher begrüssen darf. Und ich glaube, ich spreche für alle, wenn man sich mehr auf Arthis angekündigten Bollywood-Film als Jears’ ausgepackte Vanillestange freut.

«De Arthi mit de Schoggisite, ich chum mit de Vanillestange.»