Das Konzept des SRF Virus Bounce Cyphers ist jedes Jahr dasselbe: Live-Rap im Radiostudio mit fast allen grossen Namen der Schweizer Rapszene. Das bedeutet natürlich nicht, dass dadurch keine kleineren und grösseren Überraschungen mehr stattfinden. Dies waren die Wow-Momente des diesjährigen Cyphers:

Der legendäre Buzzer

Schon im Vorhinein des Events hat die Bounce-Redaktion bekannt gegeben, dass der Buzzer als Live-Auszeichnung der besten Cypher-Parts gestorben ist. Die Frage bleibt auch nach dem Event offen: Geht mit der Beerdigung des Buzzers nicht auch ein Teil des Cypher-Spirits verloren?

24Dias und das Beat-Massaker

In der ersten Stunde, im «Mixblock», hat 24Dias für ein erstes Highlight gesorgt. Mit sehr viel Witz in seinem Riesen-Part hat er wohl jeden Zuhörer auf seine Seite gezogen. Dabei flowte er sich in gewohnt witziger Manier von Pointe zu Pointe. Der wohl krasseste Unterhaltungs-Faktor aber waren die ständig switchenden Beats. Unter anderem mit dabei: Der Classic-Mario-Beat – inklusive passender Mario-Kart-Punchline.

Weibello und der Backflash

Weibello trat ebenfalls schon in der ersten Stunde ans Mic und liess jeden bekennenden CH-Rap-Liebhaber aufhorchen: Was war das für ein Part? An einigen Stellen erlebt man durch die Flowvariation und Lines einen kleinen Rückblick in die Schweizer Rap-Geschichte – zum Beispiel hat sicher der Zuger Rapper als Vorbild die eingängige Hook des letztjährigen Hits «Mozart» genommen und widmet seinen Part so den PS-Rappern als Hommage. Das war aber nicht alles: Wer in Weibellos Part noch weitere Querverweise auf Lines von Schweizer Rap-Legenden findet, darf sich getrost Experte nennen.

Giganto und die vierte Landessprache

Beim Cypher wurde dieses Jahr zum allerersten Mal auch auf Rätoromanisch gespittet. Giganto ist mit seinem Backup Sirius ans Mic gesteppt und hat seine Verses mit Stolz in der vierten Landessprache präsentiert. Wir fordern: Mehr davon.

Vas Angelov und der Wow-Effekt

Pablo hat Vas Angelov im «Franglais-Block» mit dem Satz «Ihr kennt ihn nicht, aber er rappt extrem gut!» angekündet – und genau diese Aussage wurde in den nächsten paar Minuten bestätigt. Mit einwandfreien Lines und unglaublich freshem Flow hat Vas Angelov gezeigt, dass man ihn ab jetzt auf dem Schirm haben sollte.

Monet192 im «Franglais-Block

Nicht ganz klar wurde, warum der Senkrechtstarter Monet192 im Franglais Block seine Tracks zum besten gab – denn obwohl sein bekannter Hit «tout le jour» heisst und Pablo ihn auf schon auf Französisch begrüssen wollte, rappt er nicht auf Französisch, sondern auf Hochdeutsch. Dem Ostschweizer war das egal, er hat mit seinen Homies im Studio abgefeiert und ziemlich abgerissen.

Der Superwak-Moment

Nach dem letztjährigen Abriss der Superwak Clique blickte jeder gespannt auf den Auftritt der Genfer Crew – und schaute ziemlich blöd aus der Wäsche, als weder Di-meh noch Slimka oder Makala im Studio auftauchten. Stattdessen trat die ganze Entourage des Kollektivs hinters Mic: Mit No-Fucks-Given, Skibrillen, Zepter und einem eigenen DJ performten die Welschen eine gefühlte Stunde und verursachten dabei nicht nur eine riesige Verzögerung, sondern auch eine intensive Diskussion in der Live-Kommentarspalte. Für die Rapper hat das keine Rolle gespielt – der Turn-up gehörte ihnen und war real.

Black Tiger und der Newschool-Beat

Mit diesem Auftritt des Mundart-Rap-Pioniers hat so wohl niemand gerechnet. Souverän holte Black Tiger sich zunächst mit Old-School-Parts seine Props ab – jeder Realkeeper war begeistert. Dann kam der Beatwechsel und auch Black Tigers Homies standen schlussendlich geflasht im Studio: Denn der Basler spittete plötzlich auf einen Trap-Beat, und das, ohne seine Skills verstecken zu müssen. Der Inbegriff von würdigem Altern.

Die Surprise Guests

Bereits das Line-up verriet, dass in der «Stunde Z» Onkel Ari mit einem Überraschungsgast aufwarten würde. Und diese Überraschung ist mehr als gelungen – denn da stand nicht einfach ein weiterer Schweizer Rapper, sondern der kosovarische Überflieger Buta. Internationales Flavour am Bounce Cypher!
Ebenfalls nicht auf dem Line-up vermerkt war der brandneue No-Basic-Member Jamal. Freshe Lines und nicer Flow haben unterstrichen, dass er sich auch im Vergleich mit einigen gestandenen Rappern nicht verstecken muss.