Gold Digger {f} [gəʊld ˈdɪgə(r)] ist ein Slang-Ausdruck für eine Frau, die nur vermögende Männer datet, in der Absicht, vom Reichtum des künftigen Partners zu profitieren.
Da ich selbst einmal Cash machen werde, brauche ich weder Mann noch Frau, die mir zu meinem finanziellen Reichtum verhelfen müssen. Dennoch mache ich es mir in der LYRICS-Rubrik «Golddiggin‘» zur Aufgabe, Gold zu schürfen – und zwar in der CH-Rap-Landschaft. Ich mache mich alle paar Wochen auf eine Reise durch die Schweiz und versuche dabei, die kleinen, aber nicht minder wertvollen Rap-Stücke aus dem ganzen Schutt und Schlamm herauszufiltern. Wer weiss, vielleicht stosse ich dabei gar auf eine ganze Goldquelle.

Meine erste Entdeckung in dieser Golddiggin’-Ausgabe hatte ich eigentlich bereits in der Silvester-Nacht live entdeckt – als Support Act von Delinquent Habits. Mein Zustand in besagter Nacht hat mich jedoch einiges wieder vergessen lassen. Umso besser, dass mich Skinny Fresh mit seinem Track «Lights Out» erneut an sein Talent erinnerte. Mit einem Wahnsinns-Flow lässt er seine Lines über den melodischen Beat rollen – das alles in astreinem Englisch. Mit seinem Clip läutet er zudem mal auf eine andere Art und Weise die diesjährige Fasnacht ein. Würde an diesem mir unverständlichen Brauch nur solche Musik gespielt, hätte auch ich Bock darauf. Zieh’s dir rein:

Wer kennt’s nicht, nach Weihnachten geht’s ans Geschenke umtauschen, um all die Porzellan-Kätzchen und Kuckucksuhren von älteren Verwandten in etwas Brauchbares zu verwandeln. Während dieser Mission habe ich im Januar ein weiteres Goldstück in der Zürcher Bahnhofstrasse gefunden. Gebt Acht, denn BAD$HAH scheint, wie ihr, des Goldes wegen hier zu sein. Wie könnte er sonst «Come For The Money» als Hook und Titeltrack wählen? In gar nicht so schlechtem Englisch setzt der Rapper Line um Line auf einen trappigen, aber trotzdem gemütlichen Beat. Und hey, endlich mal jemand, der die Wahrheit sagt und nicht auf «Underground und Anti-Mainstream» setzt. Ein weiteres Goldstück im Kasten.

Das bisherige Golddiggin’ gestaltete sich diesmal recht Englisch-lastig, was keineswegs negativ ist. Zu Unrecht fragte ich mich kurz, ob dies Taktik all jener ist, die sonst nichts können. Der Swiss-American MineBlown überzeugte mich während fünf Minuten jedoch mit seinem Talent vom Gegenteil. Richtig smooth und rein rappt er seine «MineBlown Theory». Der Clip ist ein Mix aus Ferienaufnahmen in London und Stock-Material oder Filmszenen. Die Message davon schnall ich nicht ganz, sieht aber cool aus. Check’s aus:

In St. Gallen kam mir eine Ladung Groll entgegen – da ist wohl jemand nicht ganz happy, dieses Jahr nicht mehr an den Bounce Cypher eingeladen worden zu sein. Flows Powers und das Team Baksuz legen mit ihrem Track «Scheiss uf di» die entsprechende Attitüde an den Tag. Nur halb ernst zu nehmen, wenn sie andere Rapper dissen und dann auf „aber mir ist’s ja egal, was du tust“ machen. Die Jungs kommen mit einer Auswahl an Fäkal- und Sexualhumor-Punchlines um die Ecke, die mir meine bereits gesammelten Goldnuggets beinahe aus dem Sieb fallen lässt. «Ondergronds Finest vo Lozärn bes St.Gallen» eben. Polarisierend, also check:

Wieso immer ich? Die Frage stellte ich mir nach diesem Rumgepöbel und wollte dringend mal kurz chillen. Ich wandte mich an DeCana, der sich in seinem Track «Why me» dieselbe Frage stellte und mich damit wieder komplett auf den Boden zurückholte. DeCana spittet über einen extrem gechillten laid-back-Beat. Auch das Video kann sich sehen lassen. «Geile Scheiss» würde ich jetzt auf Schweizerdeutsch sagen. Wieso ist er mir bloss vorher nie aufgefallen? Unbedingt reinhören:

ALEH53 ist im heutigen Golddiggin eine willkommene Abwechslung. Der Newcomer möchte nicht mehr vollgelabert werden und plaudert deshalb Street-Struggle-Lines aus dem Nähkästchen. Der Beat von Nisbeatz ist dabei genauso on point wie die Rapskills von ALEH53. Mich überzeugt vor allem die Ähnlichkeit zum Stil von Genetikk – bei erstmaligem Hinhören. Fazit: Gelungenes Nugget.

Yay, feinste Wortspiele! In Biel stiess ich auf das Goldstück «Henny Agua» von Keys. Am liebsten wollte ich mich mit weiteren Rap-Begeisterten im Schneidersitz um ihn herumsetzen und ihm bei seinen Geschichten zuhören. Aber easy, auf dem Sofa vor dem Laptop geht das ja mittlerweile auch. Wortgewandtheit on fleek, würde ich mal sagen. Das Hervorzuheben war in Anbetracht des ruhigen Instrumentals auch in Keys Interesse. Voll gelungen, zieh’s dir rein:

Wie fast immer zog mich auch die diesmalige Goldsuche nach Winterthur (ohne Witz, wie viele Rapper gibt’s dort?!). Wie immer wurde ich fündig und durfte ein weitere Stück Gold in die LYRICS-Redaktion mitbringen. Der junge Winterthurer ACYM blickt bei seiner ersten Single auf Vergangenes zurück. Resümierend kommt er zum Schluss, dass sich ein glückliches Leben nicht einfach so ergibt. Der Track wirkt angenehm reif und kann beattechnisch auf die Skills von TheRookiez zurückgreifen. Mit seiner Artikulation und seinem Flow erinnert ACYM leicht an XEN – auf dem richtigen Weg ist er also allemal. Auch beim Clip überliess ACYM nichts dem Zufall, aber überzeuge dich selbst.

Ich hatte bereits einige Goldstücke gesammelt, und doch funkelte mir noch der eine oder andere Track entgegen. «Meine Gegend» von Numan44 und Sahit fiel mir lediglich wegen dem Beat auf, den finde ich recht nice. Der Rap der beiden trifft nicht ganz meinen Geschmack, ist aber objektiv betrachtet doch ganz okay. Inhaltlich etwas platt aber alles in allem recht powerful:

Prollo-Alarm in Solothurn. Beim Inhalt von «Diggah» von Zoni wurde mir beinahe etwas schlecht, jedoch gibt’s bestimmt Leute da draussen, die seinen Sound feiern. Zugunsten der Objektivität möchte ich euch den Track also nicht vorenthalten. Was mir am Ganzen gefällt, ist die Location – richtig kitschig. Zoni rappt schon deutlicher als vor einem Jahr, er schöpft sein Potenzial also recht aus. Schau’s dir an und bilde dir deine Meinung selbst:

Mit Schweizerdeutschem Rap kann ich diesmal leider kaum dienen. Das letzte Goldstück wäre mir zuerst beinahe nicht aufgefallen, war aber dann der perfekte Abschluss meiner Goldsuche: Supxemeboy und REYPHARAOH bringen mit «Agua De Coco» ein weiteres Stück Future-Trap in Spanisch. Der Clip ist etwas crazy, passt aber perfekt auf den Sound. Dieses Goldstück hebe ich mir fix für Freitag auf – als Einstimmung auf den Weekend-Turnup: