Die Swiss Music Awards 2018 haben wortwörtlich mit Steinen um sich geworfen – und Nemo hat gefühlt alle gefangen. Auch für Schweizer HipHop war es, trotz den dürftig ausgefallenen Nominationen für Urban-Künstler, kein schlechter Abend. Vor allem Dank des Cypher-Showblocks: Polarisierende und provozierende Lines, Namedropping, Punchlines und «Hueresohn» – alles zur besten Sendezeit im Live-TV.

Den ersten HipHop-Lichtblick gab es bereits eine Stunde vor dem Cypher-Showblock – mit Danitsa und Rootwords waren nämlich zwei Drittel der Nominierten für den Best Act Romandie Vertreter des Hip-Hop-Genres. Und Danitsa holte diesen Award nach Genf. Es ist Zeit, dass die talentierte Musikerin auch in der Deutschschweiz endlich ihren grossen Durchbruch hat.

In Anlehnung an den Virus Bounce Cypher bekam dann um kurz vor 22 Uhr die Schweizer Rap-Szene ihre Plattform – in Form eines Showblocks mit Parts von Arthi, LCone, KT Gorique, Ali und Xen. Das sorgte für Schlagzeilen. Nach Arthis Part provozierte LCone mit einem Gölä-Diss und der eröffnenden Line «Hueresohn, ich bin jung und ich flueche» einige mahnende Zeigefinger und gerunzelte Stirnfalten vor den Bildschirmen der gesamten Schweiz. KT Gorique spittete mit Gesichtsbemalung ihre Lines mit gewohnt überragendem Flow durch das Hallenstadion und Ali liess sein Herz Realtalk sprechen, auf dass er nicht mehr Kebab verkaufen müsse. Xens Part stellte den Höhepunkt dar: Mit gezielten Lines gegen die engstirnigen Gatekeeper des Schweizer Musikbusiness, Sticheleien gegen Lo & Leduc und Nemo und einer Abschlussline die unter die Haut ging. «Gib en Fick uf de Stei / Schwizer Hip-Hop igritzt i mis Fleisch» beendete das drei Minuten kurze CH-Rap-Intermezzo. Den Machern der SMA gebührt Dankbarkeit, Schweizer HipHop eine Plattform in diesem Rahmen geboten zu haben.

Rap-mässig war sonst nicht so viel los, wer einen Auftritt von Kendrick Lamar oder ähnlichem Kaliber erwartet hatte, musste sich beim Auftritt der Toten Hosen wenigstens mit Childish Campino, Stefan Büssers Diss gegen Baschi und dessen nicht vorhandenen Swiss Music Award und Manillios Laudatio-Realtalk «Glichberächtigung isch es Mönscherächt und wemmer das begriffe hätt, denn isch mer Best Male» zufriedengeben. Und natürlich hatte am gestrigen Abend einer einen ganz grossen Auftritt. Vier Nominationen, vier Awards für Best Hit, Best Breaking Act, Best Live Act und Best Male Solo Act, so die Bilanz des Bielers Nemo. Auch wenn er heute bekennender Pop-Artist ist: Auf den ganz grossen Schirm kam er, weil er vor drei Jahren noch selbst einen Cypher zerstörte.