In Basel und in Bern drängen hungrige, unverbrauchte und vor allem talentierte Rapper auf einen Markt, der von ihren lokalen Vorreitern bereits sensibilisiert wurde. Zwei davon: der Basler LAFA und den Berner Chico Chicago. Diese Künstler haben bereits oder werden in nächster Zukunft auf EP-/Album-Länge debütieren. Wir beleuchten die dazugehörigen Geschichten hier etwas genauer.

Basel und Bern sind zwei Städte die beide auf eine lange Tradition im CH-Rap-Game zurückblicken können. Leistete am Rheinknie Black Tiger Pionierarbeit, gelang dies später durch Wurzel 5 und PVP auch in der Hauptstadt. Mit ziemlich grosser Sicherheit haben diese Interpreten LAFA und Chico Chicago in ihrer Kindheit erreicht und vielleicht sogar entscheidend inspiriert oder geprägt.
Die Jahre zogen ins Land, die ersten Rapper verschwanden etwas von der Bildfläche und die Kids aus den zwei fokussierten Städten haben sich mit Sound aus Übersee oder dem nördlichen Nachbarn eingedeckt. In beiden Städten sind in den letzten Jahren aber wieder vermehrt neue Rapper aufgetaucht. Diese haben für eine lokale CH-Rap-Resensibilisierung gesorgt und innert kürzester Zeit treue Fanbases aufgebaut. Am Beispiel von LAFA und Chico Chicago springen Sherry-Ou und S.O.S in diese Vorreiterrolle. Der von ihnen geebnete Weg, ermöglicht den Newcomern, sich künstlerisch auszuleben, von Erfahrungen zu profitieren und Visionen zu teilen. Das daraus entstehende Endprodukt ist der qualitativ hochwertige Output der nächsten Generation von Basler und Berner Rappern. Nicht zu vernachlässigen ist dabei der Punkt, dass sich sowohl LAFA als auch Chico Chicago auf Produzenten, namentlich Vigaz Beats und Questbeatz, verlassen können, die wissen, was sie tun und die beiden Rapper mit Beats versorgen, die wie massgeschneidert auf die jeweiligen musikalischen Vorstellungen passen.
LAFA und Chico Chicago können in ihren Städten das nächste grosse Ding werden. Verfolgen sie die richtige Strategie, liegt sogar noch mehr drin. Gerade Chico Chicago erreicht durch das «S.O.S Worldwide Network» bereits jetzt ein grosses Publikum. 35’000 Aufrufe auf den ersten und bis zur letzten Woche auch einzigen Clip sprechen für sich. Der nächste logische Schritt: Chico Chicago hat am 9.2. seine erste EP «Nordring» veröffentlicht. Die 14-minütige EP mit dem Snoop-Doog-Style-Cover bietet einen ersten Einblick in die etwas vernebelte Welt des jungen Berners. Stiltechnisch lässt sich die EP nach Chicos eigener Aussage als «Classic-Shit» bezeichnen. Werden Quests-Beats mal etwas trappiger, verleiht Chicos «Zero-0815-Flow» den Tracks eine spannende Dynamik. Dies kommt genauso authentisch und feierbar rüber, wie die Skits, welche in feinster Berner Jugendsprache aufgenommen wurden. Sollte «Nordring» genauso einfahren, wie die klebrigen Blüten, von denen Chico Chicago die ganze Zeit rappt, ist der Start gelungen.
Derweil strebt LAFA im Dreiländereck ähnliche Ziele an. Die Mittel zum Zweck sind dabei aber etwas anders: LAFA wird von Sherry-Ou und dem Label «DritteStock» gepusht. Sie rappen etwas schneller, verwenden dabei newschoolerige Beats und inhaltlich dreht sich das Ganze eher um Visionen als um nebligen Dunst. Reichweitetechnisch sieht die Situation bei LAFA noch nicht ganz so rosig aus wie bei Chico Chicago. Was noch nicht ist, kann aber noch werden. Die Veröffentlichung seines Debütalbums «HUNGER» am 2.3. könnte LAFA die dafür nötige Aufmerksamkeit einbringen.

Chico Chicago mit «Dizzy»

LAFA mit «Carpe Diem»