Für sein neustes Werk setze sich EMM ins Studio und fing an zu texten. Dass daraus ein Album entstehen würde, war nicht die ursprüngliche Intention des Luzerners. Morgen erscheint sein neues Album. Wir haben uns vorher mit EMM getroffen und über sein Werk «Botox fürs Herz» und weitere Themen gesprochen.

Was brauchst du, um mit dir im Reinen zu sein?

Ich glaube dafür brauche ich genügend Projekte um mich herum. Diese Doppelbelastung mit Arbeit und Musik – nicht, dass sie sich positiv auf mein musikalisches Schaffen auswirken würde, aber sie ist für mich persönlich eine unglaubliche Bereicherung.

Guter Ausgleich?

Genau, die Musik lässt mich meine andere Hirnhälfte benutzen. Sie öffnet mir neue Horizonte, in denen ich meine Kreativität ausleben kann.

In deinen Tracks verkörperst du einen 24/7-busy-Charakter. Kommst du zur Ruhe?

Ich habe Mühe mit subjektiv empfundenem Unproduktiv-Sein. Selbst in den Ferien möchte ich immerhin schön braun werden. Ich kann schlecht einfach nur chillen. Chillen und dabei Musik aufnehmen, so klappt das schon eher. Ich muss immer Output generieren.

Ist dieser von dir produzierte Output dein «Botox fürs Herz»?

Nein, nicht direkt, dass ist eher die Energie fürs Herz.

Und die Bedeutung des Botox?

Dieser Titel symbolisiert das ganze Konzept hinter dem Album. Ich empfinde unglaublich viel Liebe, wenn ich Musik mache. Trotzdem bin ich nicht mehr 20 und 100’000 Clicks habe ich auch nicht auf meinen Videos. Das Ganze ist wie Botox, es streicht mir ein wenig meine Falten weg und lässt mich jünger wirken.

Fühlst du dich alt?

Nicht wirklich. Die Platte ist aber repräsentativ dafür, wohin ich mich bewegen möchte. Will ich, dass sich mein Sound anhört wie 2017 oder möchte ich, dass es mir gefällt? Will ich Clips machen und im Game mitkämpfen wie ein 20-Jähriger?  Ich entschied mich dafür, den Fokus einfach auf meine Passion, im Studio Musik zu machen, zu fokussieren.

Wenn du diesen Fokus durch drei Gefühle definieren müsstest, die auf deinem Album eine Hauptrolle spielen. Welche wären das?

Zufriedenheit, Selbstbewusstsein in einer reflektierenden und neutralen Form und eine melancholische Art von Liebe. Liebe zur Musik in Form von Samples und in Form des Vibes, die ich vermitteln möchte.

Worauf hast du während der Produktion ein besonderes Augenmerk gelegt?

Wichtig ist mir, dass etwas geil gerappt ist und gleichzeitig auch den nötigen Raum für Interpretationen offen lässt. So greife ich nicht bewusst ein Thema auf, sondern lasse durch Randbemerkungen erkennen, dass ich mich durchaus mit gewissen Dingen beschäftige. Wirklich wichtig ist aber das Vermitteln von Emotionen und das gelingt mir auf dieser Art von Beats am besten.

Das Album hört sich noch eine Runde erwachsener an.

Von mehreren Achievments, die mir auf dem Album gelungen sind, ist das mit der Reife wohl das grösste. Zudem habe ich versucht, viele Dinge weniger aggressiv, sondern subtiler an den Mann zu bringen. Wenn ich mich gruppenintern umschaue, sehe ich um mich herum nur Chartplätze. Sich davon zu lösen, war eine grosse Herausforderung.

Hat «Botox fürs Herz» also nicht wirklich viel mit 041 zu tun?

Featuremässig nicht wirklich. Der Song «Augeblick» ist ziemlich repräsentativ dafür. Hinter den Kulissen natürlich schon, so hat Dave eine Funktion zwischen A&R und Executive Producer wahrgenommen. Heisst, er hat den ersten Satz Songs gehört, hat sie korrigiert und so weiter.

Kommen wir zum wohl auffälligsten Track. «Golfschläger» ist eine Mischung aus Melancholie, Aufbruch und absoluter Bosshaftigkeit.

Der Song ist so etwas wie eine Blaupause – ein Blueprint dafür, wie Leute wie ich und Suly uns anhören wollen. Ein Fuss im Soul und einen Fuss im – falls jemand wirklich fragt: wir haben immer noch die längsten Schwänze. Falls nicht, dann brauchen wir dies auch nicht zu erwähnen.

Auch ein bisschen gegen das Establishment?

Ganz genau, das Nachtleben gehört für mich nach wie vor zum Ausbruch aus dem Krawattenjob und der Track ist nach einer Partynacht entstanden. Wir sagen ja auch, «wir knallen deine Scheiss-Juwelen mit dem Golfschläger weg», danach ist aber auch wieder gut.

Der Track hat unglaubliches Potential…

Ja danke, ich muss überlegen, was ich da noch machen kann. Videos sind mir zu anstrengend.

«Botox fürs Herz» läutet für dich musikalisch nach den beiden Alben mit Kackmusikk wohl eine neue Ära ein?

Eine neue Ära würde ich nicht sagen, eher knüpft es wieder an älteren Werken wie «Wall Street» oder «Glanz & Gloria» an. Auf den beiden Scheiben mit Kack machten wir den Sound, den wir persönlich im Club hören möchten. Dass die Schiene mir persönlich gar nicht wirklich fittet, haben wir gar nie überlegt, im Nachhinein aber stundenlang darüber diskutiert.

Hast du dich auch inhaltlich etwas von den letzten beiden Alben wegbewegt?

Wie bereits erwähnt, ich versuchte, etwas weniger aggressiv zu sein. Zudem entstand das ganze aus einer etwas weniger Egomanen Perspektive. Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass es mir – ähnlich wie Trettmann auf #DIY – gelungen ist die proletenartigen Lines in ein schönes Gewand zu hüllen.

Weniger Egobost-Lines?

Genau, es stellt sich die Frage, wo befinde ich mich eigentlich? Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich easy bleiben kann, eher ein wenig tiefstapeln und alle acht Bars mal einen Nadelstich setzen. Stell dir vor wir sind im Zoo beim Gorilla-Gehege.  Ich bin eher ein älterer Gorilla und sitze auf einem Baum. Die Jungen auf dem Felsen dürfen gerne rumspringen, turnen und tanzen, wenn sie aber eine blöde Fresse haben, dann bin ich sofort auf dem Felsen.

Manchmal scheinst du den cleveren Vergleich dem passenden Flow vorzuziehen. Richtig beobachtet?

Nimm jeden Rapper auf der Welt – ich höre trotzdem lieber 2Pac. Heutzutage geht es mir mehr darum eine bestimmte Energie zu fühlen, als einen technisch unglaublich schwierigen Flow hinzubekommen. Zusätzlich muss man sagen, gibt es Leute in diesem Land, die einen leichteren Zugang zu Flow und Rhythmus haben.

An wen denkst du?

Da kann ich spezifisch keine Namen nennen. Ich orientierte mich schon ein wenig am Album von Kanye Wests «Beautiful Dark Twisted Fantasy». Dort rappte er solide Punches, immer wiedermal richtig geilen Shit und für den Rest brauchte er gar nicht viel mehr.

Wie wiederspiegelt sich das beim Schreiben?

Ich glaube, ich versuche weniger Worte zu verwenden als auch schon. Das wohl auch, da ich Live ohne Back-Up rappen möchte.

Inwiefern ist dir kommerzieller Erfolg wichtig?

Weniger denn je!

Ab morgen ist das Album «Botox fürs Herz» auf igroove, Spotify, Apple-Musik, iTunes und Goggle Play verfügbar. Gönn dir.