Mimiks veröffentlichte 2016 sein zweites Solo-Album «C.R.A.C.K». Neben vielen Banger-Tracks in gewohnter Jong-Mimi-Manier versuchte der Luzerner aber auch, sich auf verschiedenen Gefühlsebenen auszuleben. Wer Mimiks intensiv verfolgt, weiss, dass er auch ein guter Metaphern-Schreiber und Emotionen-Transporter ist. Dies hat er auf «C.R.A.C.K.» eindrücklich bewiesen. Für Kritiker und Experten ist klar, die besten Songs des Albums heissen nicht «Beastmode» und «Mis Tüechli», sondern «Schattä» – oder eben «Tattoo».
[Verse 1]

S esch en Summertag, Vögel ufem Strommaschte
Eri Auge send am lüchte, Botschafte
Fälder, Wälder, Ortschafte
Schlofe im Auto, vögle i de Mondnacht
Si esch andersch, en anderi Wält
Ond das macht sie interessant, log sie nemmt mech ade Hand
Ech be, eres Accessoire, Bueb vo de Stross
Sie hed Cash, sie esch Tochter vomne Arzt
Wenn mer eis gönd go zieh, denne zahlt sie
Wenn mer eis gönd go zieh, denne zahlt sie
Ond sie frogt: «Wieso hesch du ke Tattoos we die meischte?»
Baby log ech cha mers noni leischte

[Hook]

Ech ruume mini Wonig uf
Bevor sie chond, hani wenigstens e Grond
Es werd stell i dem Huus
Well die Ziit blibt stoh, wenn sie chond
Ond ech rede nömm met vollem Muul
Log ech säge au nömme Schnorre, sondern säge Muul
Ond was die andere jetz hend esch mer egal
Lueg mis Handy nömme ah
Ruume mini Wohnig uf

[Verse 2]

Ech sueche mini Maniere
Won ech s legschte Mol brucht han be irgend sonere Hochzit
Vo irgend somne scheiss Verwandte
Mer send grad im Restaurant ond ech weiss ned mol wemer d Gable hebt
Ond eri Eltere wend dütlech sii
Wemer redt met vollem Muul esch mer nüd för sie
Doch sie wott nömm öbers Shoppe rede
Si hed gnueg vo dene Apéros ond Cocktail-Gläser
Ond sie esch sechs gwöhnt ufzfalle
Aber mer esch eri Täsche nedmol ufgfalle
Ond sie frogt: «Wieso hesch du ke Tattoos we die meischte?»
Baby log ech chamers noni leischte

[Hook]

Ech ruume mini Wonig uf
Bevor sie chond, hani wenigstens e Grond
Es werd stell i dem Huus
Well die Ziit blibt stoh, wenn sie chond
Ond ech rede nömm met vollem Muul
Log ech säge au nömme Schnorre, sondern säge Muul
Ond was die andere jetz hend esch mer egal
Lueg mis Handy nömme ah
Ruume mini Wohnig uf


Eri Auge send am lüchte, Botschafte, Fälder, Wälder, Ortschafte. Schlofe im Auto, vögle i de Mondnacht.

Mimiks beschreibt eine Frau, die ihm mit ihren Augen nicht ganz jugendfreie Botschaften zukommen lässt und ihm zu verstehen gibt, dass sie ihn möchte. Romantische Stimmung, Zweisamkeit in einem Auto und «vögle i de Mondnacht». Wunderschönes Wortspiel: Einerseits bedeutet das auf Mundart «die Vögel in der Mondnacht», andererseits ist «vögle» auch ein anderes Wort für Sex.

Si esch andersch, en anderi Wält. Ond das macht sie interessant, log sie nemmt mech ade Hand.

Diese Frau ist anders, zeigt dem Luzerner eine andere Welt, ihre Welt. «Sie nimmt mich an der Hand» wird im übertragenen Sinn auch für «sie übernimmt die Führung» genutzt.

Ech be, eres Accessoire, Bueb vo de Stross. Sie hed Cash, sie esch Tochter vomne Arzt. Wenn mer eis gönd go zieh, denne zahlt sie. Wenn mer eis gönd go zieh, denne zahlt sie.

Dass in der Schweiz nur wenige Musiker reich werden, ist kein Geheimnis. Mimiks stand beim Release dieses Albums selbst kurz vor seinem Lehrabschluss als Koch. «Bueb vo de Stross» ist überspitzt ausgedrückt, doch wir sehen, was Jong Mimi damit sagen will. Strassenjunge trifft auf reiche Schönheit – Nicholas Sparks meets CH-Rap.

Ond sie frogt: «Wieso hesch du ke Tattoos, we die meischte?» Baby log, ech cha mers noni leischte.

Tattoos haben ihre Stigmatisierung längst überwunden. Heute hat jeder ein Tattoo, von den Initialen der Mutter bis zum Biotech-Arm. Sogar Primarschullehrerinnen schmücken ihre Knöchel mit einer Friedenstaube oder einem Infinity-Zeichen. Mimiks besass damals nicht das nötige Kleingeld, um sich ein Tattoo stechen zu lassen. Bis heute ist Mimiks tattoofrei.

Ech ruume mini Wonig uf. Bevor sie chond, hani wenigstens e Grond.

Wir alle kennen es: Die Motivation, aufzuräumen fehlt meistens solange, bis sich hoher Besuch ankündigt. Dann wird der Dreckwäschehaufen diskret im Schrank versteckt, der Staubsauger rausgeholt und der Stapel Teller im «Brünneli» bewegt sich endlich in Richtung Geschirrspüler.

Ond ech rede nömm met vollem Muul. Log ech säge au nömme Schnorre, sondern säge Muul.

Luzerns Rap-King wird in den Armen der Unbekannten handzahm, überdenkt sein Vokabular und passt sich ihren Gepflogenheiten an.

Ech sueche mini Maniere won ech s legschte Mol brucht han be irgend sonere Hochzit vo irgend somne scheiss Verwandte. Mer send grad im Restaurant ond ech weiss ned mol wemer d Gable hebt.

Kulturschock: Mimiks muss seine Manieren aus der hintersten Schublade hervorholen, abstauben und auf Vordermann bringen, um sich an den High-Society-Lifestyle anpassen zu können.

Ond eri Eltere wend dütlech sii. Wemer redt met vollem Muul esch mer nüd för sie.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Eltern seiner Liebe grossen Wert auf gute Etikette legen und ihm das auch unmissverständlich zu verstehen geben.

Doch sie wott nömm öbers Shoppe rede. Sie hed gnueg vo dene Apéros ond Cocktail-Gläser.

Der Wendepunkt im Song: Mimiks Auserwählte hat genug vom oberflächlichen Lifestyle und realisiert, dass es neben der Scheinwelt der Schönen und Reichen auch noch eine andere Welt gibt. Nämlich die Welt, in der sich Mimiks bewegt.

Hier kannst du dir den Song noch einmal geben.

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