Vor einigen Tagen hat Zoni mit «Davon» ein neues Video releast und springt dabei auf den aktuellen Afrotrap-Zug auf. Spätestens seit dem extrem erfolgreichen Kollaboalbum «Palmen aus Plastik» von Bonez MC & Raf Camora kommt man nicht mehr um dieses Soundbild herum. In Deutschland und in der Schweiz ist dieser Afrobeat-Hype enorm zu spüren. Auch versuchen sich unzählige neue «Rapper» an diesem Subgenre. Wurde diese Welle im Jahr 2018 nun endgültig totgeritten? Eine Kolumne von Philipp Thurnherr.

Dass Bonez MC & Raf Camora sowie die KMN Gang eine Tür für Autotune und Beats mit Reggaeton- und Dancehall-Einflüssen im deutschsprachigen Raum aufgetreten haben, ist schon längst kein Geheimnis mehr. An diesem Soundbild wurde und wird sich in Deutschland bereits oft genug bedient. Mal mehr, mal weniger gut. Kein Wunder also, dass dieser Hype auch die hiesige Szene in der Schweiz erreichen konnte und grosse Namen diese Schiene fahren.

Mit den Songs «041 Homeparty» oder «Tüüfgarage» mit EffE und Dave auf «Jong & Hässig Reloaded» wagte Mimiks seine ersten Schritte in diese Richtung, welche von den Fans zu Beginn ambivalent aufgenommen wurde. Auch deswegen, weil ein solches Soundbild auf dem Nachfolger von «Jong & Hässig» nicht unbedingt zu erwarten und eher überraschend war. Mittlerweile ist der Track «Million», welcher ebenfalls in diese Schublade eingeordnet werden kann, einer der erfolgreichsten Songs von Mimiks. Ein weiterer Schweizer Künstler, der sich dem Afrotrap-Hype bedient und diesen umzusetzen weiss, ist Pronto. Mit «Clean» und «Don’t Be Shy» mit Cliqme hat der Solothurner bereits zwei Videos releast, die auf YouTube je über eine Million Views erreichen konnten. Es fällt also sofort auf, dass der «neue Sound» funktioniert. In Deutschland und auch bei uns.

Was mir nun auffällt, ist, dass seit diesem Hype unzählige selbsternannte Rapper aus dem Boden geschossen kommen und versuchen diesen Film zu fahren. Dies war bereits vor einigen Jahren der Fall, als Haftbefehl seinen ersten grossen Hype geniessen durfte. Damals durften wir Zeugen von unzähligen neuen und vor allem untalentierten Gangsta-Rappern in «Thug Life»-Hoodies werden. Ein Paradebeispiel dafür ist meiner Meinung nach Zoni, der auf beiden Wellen mitzureiten versucht(e). Es gibt unzählige weitere «Artists» in seiner Liga, jedoch stellt seine neue Single «Davon» für mich das ultimative Starterpack eines Rappers im Jahr 2018 dar: Ein Afrotrap-Instrumental, Autotune, viele Adlibs, Lyrics in schlechtem Hochdeutsch, sowie viel nackte Haut, Sonne und Wasser im Video. «Davon» ist aber der Beweis, dass diese Welle nicht für jeden so einfach mitzureiten ist, wie wir es bis anhin angenommen haben. Denn abgesehen von schlecht eingesetztem Autotune sind Zonis Zeilen weder on point, noch ergeben diese im Entferntesten überhaupt einen Sinn. Viel mehr wird der Eindruck erweckt, dass Zoni im Stress ist, alle geschriebenen Worte einer Zeile in den Takt zu packen, wobei viele Silben verschluckt werden und zu viele Worte nicht mehr zu verstehen sind. Zudem sind die Lyrics voll von Zweckreimen. Da bringt auch ein qualitativ hochwertiges Video nichts, um damit einen schlechten Song zu kaschieren. Was ich damit sagen möchte, ist, dass nicht jeder auf einen Zug aufspringen muss, der sich gerade gut verkauft und weil man gerade Bock darauf hat. Erst recht nicht, wenn das Talent dazu offensichtlich nicht vorhanden ist. Neben Zoni gibt es einige weitere Nachwuchsrapper, die diesen Film frei von jeglichem Talent fahren. Normalerweise hätte ich gesagt, dass ihr dranbleiben und euch stetig verbessern sollt, in folgenden Punkten:

Punkt eins, die Sprache: Wenn ihr der hochdeutschen Sprache nicht gewachsen seid, schreibt die Texte auf Schweizerdeutsch oder in eurer Muttersprache. Die bereits erwähnten Rapper Mimiks und Pronto sind der Beweis dafür, dass es auch auf Schweizerdeutsch funktioniert.
Punkt zwei, Authentizität: Wie wir alle wissen, ist besonders im Rap ist die Authentizität beziehungsweise die Realness besonders wichtig. Deswegen der Tipp an jeden Afrotrap-Rapper: Sei du selbst. Erzählt uns wahre Geschichten aus eurem Leben und versucht, uns eure Gefühlslage zu vermitteln.
Punkt drei, Technik: Damit meine ich nicht technisch hochwertiges Equipment für die Video- und die Soundqualität. Denn die Videos an sich sind oft sehr gut und geben qualitativ was her! Vielmehr meine ich die Technik von euch als Rapper. Vermeidet Zweckreime und schaut, dass die Zeilen Sinn ergeben. Zudem versucht ihr zum einen oft, zu viele Silben und Worte in eine Zeile zu packen, was die Stimmen sehr hektisch klingen lässt. Zum anderen verschluckt ihr so automatisch viele Silben, sprecht die Worte nicht deutlich aus, wobei man euch im Endeffekt nicht mehr wirklich versteht und der Rap nicht mehr on point ist. Versucht doch, die Zeilen so zu füllen, dass ihr nicht zu viele (aber auch nicht zu wenige!) Silben rappen müsst.

Das sind alles Punkte, mit denen ihr euch in Zukunft etwas mehr beschäftigen solltet. Deswegen nehmt euch diese Punkte zu Herzen und versucht, diese umzusetzen. Ansonsten lasst es, macht etwas anderes. Ihr würdet auch eurem eigenen Ego in ein paar Jahren einen Gefallen tun, falls es dann in der Lage sein sollte, euer musikalisches Schaffen rückblickend selbstkritisch, reflektiert und objektiv zu beurteilen.

– Philipp Thurnherr

Da ich möchte, dass sich alle ein eigenes Bild machen können, füge ich den thematisierten Song an und bin offen für Gegenargumente und Diskussion. Alles für Rap.