Gold Digger {f} [gəʊld ˈdɪgə(r)] ist ein Slang-Ausdruck für eine Frau, die nur vermögende Männer datet, in der Absicht, vom Reichtum des künftigen Partners zu profitieren. Da ich selbst einmal Cash machen werde, brauche ich weder Mann noch Frau, die mir zu meinem finanziellen Reichtum verhelfen müssen. Dennoch mache ich es mir in der LYRICS-Rubrik «Golddiggin‘» zur Aufgabe, Gold zu schürfen – und zwar in der CH-Rap-Landschaft. Ich mache mich alle paar Wochen auf eine Reise durch die Schweiz und versuche dabei, die kleinen, aber nicht minder wertvollen Rap-Stücke aus dem ganzen Schutt und Schlamm herauszufiltern. Wer weiss, vielleicht stosse ich dabei gar auf eine ganze Goldquelle.

Im Gegensatz zur letzten Ausgabe tat ich es mir diesmal schwer, wahre Goldstücke zu diggen. Ich konnte jedoch einen ganzen Haufen Kuriositäten sammeln – diese wissen nicht immer gleich zu gefallen, aber sicher zu unterhalten. Gönn dir eine unterhaltsame Golddiggin’-Sammlung.

Was mir bei «OMG» von Young Dirty sehr gut gefällt, ist das Grading seines Videoclips – echt eine schöne Mood. Seine Art als Obermacker, welche sich in Bild und Text wiedergeben, lenken mich ziemlich stark von der eigentlichen Musik ab. Young Dirty ist sicher ein guter Rapper, seine Flow-Patterns sind stabil, etwas mehr Tiefgang würde aber sicher nicht schaden. Mach dir selbst ein Bild:

Weiter geht’s mit derselben Sound-Sparte: D.A.R.I.O. und E.S.I.K. machen mit ihrem «Tinderstyle» inhaltlich auch nichts besser. Etwas witziger verpackt und von der «Story» her sicher Mal was anderes, ansonsten ist der Inhalt auch hier recht platt. Der Flow der beiden ist jedoch recht cool, man hört grundsätzlich gerne zu. Der französische Part gefällt mir etwas besser – vermutlich, weil ich den Text nicht verstehe. 😉 Auch der Clip hat was Individuelles, Künstlerisches an sich – gefällt mir sehr. Check’s aus:

In Luzern fand ich etwas Erheiterung, als ich SONYX mit «Läb dä Momänt» entdeckte. Was ich zwar nicht ganz verstehe, ist die seltsam geflüsterte Hook. Ansonsten gefällt mir aber die gute Laune, welche dieses Werk verbreitet, sehr gut. Die Inhalte sind zwar eher einfach – nichts mit artsy-fartsy individuell – aber so grundsätzlich voll ok. Gib dir die Ode von SONYX ans Leben im Moment:

Einen echt coolen Track fand ich diesmal in Bern. Die JUNO BOYS verpacken eine echt deepe Message ziemlich witzig. Raptechnisch sicher kein Meisterwerk, der «Schönheits Song» hört sich aber gut an, macht Sinn und regt doch ein Stück weit zum Nachdenken an. Ausserdem ein super produzierter Clip. Check’s aus:

Nächste Station: Mittelalter. In einer Burgruine rappt sich Hambi die Lebenskrise von der Seele. Sind die Mehrsilber zwar allesamt aufeinander abgestimmt, hat der Track trotzdem nicht ganz den Flow, der mir hängen bleiben würde. Aber der Herr hat was zu sagen, also hör ihm doch auch kurz zu:

Back to the Future: MSG zeigt mir, dann wie straighter und doch melodiöser Flow klingen kann. «DWK» ist ein nicer Song. Der junge Herr hat Talent und wenn er so weiter macht, könnte er schon bald zu den ganz Grossen gehören. So geht das:

Weiterfliegend auf den neugewonnenen Eindrücken möchte ich in der beschaulichen Stadt Zug zur Landung anlegen. Doch der junge OG Florin katapultiert mich mit seinem Sound in ganz neue Sphären. Irgendwie strange, irgendwie ganz eigen und skurril aber auch irgendwie sehr geil, was der Innerschweizer auf den Beat bringt. Kurios kann halt auch faszinieren. Mach dir dein Bild: