Die Musikwelt wartete gespannt auf das neue Werk von Manillio. Jetzt ist «PLUS MINUS» endlich erschienen. Grund genug, um dem Publikumsliebling ein paar Fragen zu stellen.

Ganze zwei Jahre mussten sich die Fans gedulden, um Neezy wieder auf Albumlänge zu erleben. Dementsprechend gross sind die Erwartungen. Wird der Solothurner nach seinem Erfolgsalbum «Kryptonit» die Zahlen noch einmal übertreffen können? Wie wird sich der Sound weiterentwickelt haben? Oder ist gar die Kreativität stagniert?

Wer letzteres befürchtet, den können wir beruhigen. Bereits die Vorabsingles «Vakuum», «Psst!» und «180km/h» lassen auf ein durchdachtes, vielfältiges und erfrischendes Werk schliessen. Auf Albumlänge wird dieses Gefühl bestätigt. Man hat das Gefühl, Manillio sieht die Welt nicht mehr so düster wie auf seinen vorhergehenden Alben. Pünktlich zum Releaseday, haben wir den Solothurner befragt über seine aktuellen Lebenssituation, seinen Status in der Musiklandschaft und seinen Schaffensprozess.

 

Im Gegensatz zu deinem Vorgängerwerk «Kryptonit» klingt dein neues Album weniger nachdenklich und düster. Was hat sich in deinem Leben verändert, dass du so zufrieden klingst?
Etwas Spezifisches zu benennen wäre schwierig. Einerseits versuche ich mich nicht zu wiederholen, die Songs müssen frisch daherkommen. Nach vier Alben und etwa zehn Mixtapes hat man gewisse Songs auch schon mal gemacht. Andererseits haben wir den Grossteil des Albums im Sommer erstellt, das spiegelt sich möglicherweise auch im Sound wieder.

 

In unserem letzten Interview, welches noch vor dem Release «Kryptonit» stattgefunden hat, hast du gemeint, du möchtest mit dem Album und dem Major-Deal deine Grenzen austesten. Seither bist du zu einem der erfolgreichsten Schweizer Musiker geworden. Sind die Limits erreicht, oder geht noch mehr?
Es geht IMMER noch mehr! Es gibt noch diverse grössere Festivalbühnen, bessere Slots, auf sowas habe ich Bock. Mir geht es aber grundsätzlich eher darum mit der Musik und mir selbst zufrieden zu sein, Erfolg ist sekundär.

 

Die Symbolik der berühmten Goldchains bringst du auf «Supernintendo» ins Spiel: «I hingege ha scho meh Ahänger u meh Aahängsu. Doch irgendwenn ou Rüggeweh». Welche Schattenseiten des Ruhmes thematisierst du hier?
Als Rapper wollen alle die dicke Kette, die Krone, aber die Krone ist schwer. Missgunst und Neid werden mehr, je erfolgreicher man ist. Aber ich will mich überhaupt nicht beschweren, das gehört dazu. Man lernt sein Umfeld und nicht zuletzt auch sich selbst dadurch besser kennen.

 

Gegen Spotify-Playlists wird auch geschossen: «Lose Rap Caviar u denke: Was isch das?» Welchen Strömungen im Rapgame ist diese Line gewidmet?
Das ist nicht gegen Spotify oder die Playlist gemeint. Im Song gehts ja darum, dass wir schon 30 Jahre alt sind. Ich wollte damit ausdrücken, dass ich zum Teil nicht mehr hinterherkomme, nicht mehr alle neuen Künstler und Songs kenne und daher durchaus auch in so einer Playlist etwas Neues entdecke.

 

Es fällt auf, dass deine Feature-Auswahl sehr Bern-lastig ist. Auf dem letzten Album waren Baze, Jeans for Jesus, Büne Huber, Tommy Vercetti, Leduc und Nativ gefeatured. Auch auf diesem Werk sind wiederum auch nur Berner Featurepartner angekündigt. Konzept oder Zufall?
Ich muss mich mit Featuregästen auch persönlich verstehen können, deshalb arbeite ich eher mit Leuten aus meinem Freundeskreis. Dass jetzt alle aus Bern sind ist Zufall. Ich hätte auch gerne Danitsa auf zwei Songs gefeatured, doch das hat dann nicht geklappt.

 

Du bist ein Künstler, der sich in der Albumprozess von Alben jeweils viel Zeit nimmt. Warum sind dir Pausen zwischen den Releases so wichtig?
Ich will etwas zu erzählen haben und dafür muss man auch Erlebnisse sammeln. Ich finde dieses «je mehr desto besser»-Ding im Rap eher doof. Ich bin für Qualität über Quantität.

 

Auf «Mitem Füür spile» sagst du: «Gseh d’ Aasgeier am Himmu. Ha Angst gha, dasi nüt cha, dasi abgfucked de Bode unger de Füess verlüre, und schlapp mach.» Wie gross sind deine Selbstzweifel während einer Produktionsphase? Und wie gehst du mit diesen um?
Teilweise mache ich mich echt kaputt, ich lerne nach wie vor damit umzugehen. Manchmal läufts, manchmal finde ich alles scheisse. In diesen Fällen mache ich am besten einfach etwas anderes, bis ich wieder Bock habe Songs zu schreiben, das hilft. Auch den «denk doch einfach es ist ein Mixtape»-Ansatz habe ich schon probiert, aber Abwechslung ist besser.

 

Das Album «PLUS MINUS» steht ab heute überall zum Kaufen und Streamen bereit.