Rap ist 2018 das dominante Musikgenre und HipHop die führende Jugendkultur. Parallel zur steigenden Popularität nehmen auch die Debatten um die Verflechtung von HipHop und der Gesellschaft zu. Die Sonderausgabe nimmt vier Brennpunkte in den Fokus, welche die Diskussion zu Rap und Gesellschaft massgeblich prägen: Sexismus, Drogenkonsum, Antisemitismus und Jugend.

Als etabliertes Schweizer HipHop-Medium nehmen wir unsere Verantwortung war und greifen die bedeutenden Kontroversen des Genres auf. Das erklärte Ziel dieser Auflage ist es, einen Dialog zwischen Rap und Gesellschaft zu suchen. Die Ausgabe soll einen konstruktiven Gesprächskanal zwischen HipHop und der Gesellschaft bilden. Wir brechen aus der HipHop-Echo-Kammer aus: Deshalb sprechen wir mit Künstler*innen, Expert*innen, Autor*innen und Professor*innen aus und fernab der HipHop-Szene und fühlen der Thematik gemeinsam auf den Zahn. It’s time for realtalk!

Rap und Jugend
HipHop galt schon immer als Jugendkultur. Rap erreicht seit jeher bildungsferne Schichten und gesellschaftliche Aussenseiter und bietet besonders den weniger privilegierten Jugendlichen eine Chance, sich zu artikulieren – eine Perspektive. Doch kritisieren Pädagogen, dass gewalt- und drogenverherrlichende Rap-Texte das Potenzial mitbringen, die Jugend zu verrohen. Wir möchten dieses Spannungsfeld eingehender betrachten. Nehmen Rapper ihre Rolle als Sprachrohr für die Jugend wahr? Welche Werte vermittelt die HipHop-Kultur? Können Kinder Gewaltfantasien in Rap-Texten richtig einordnen? Wir sprechen mit Rappern, Pädagogen und Jugendlichen.

Rap und Sexismus
Die Begriffe «Bitch, Hoe und Slut» gehören zum Grundbaukasten jeden Rappers. Die Musikclips sind voller halbnackter Frauen. Rap wird oft der Frauenfeindlichkeit beschuldigt, was aufgrund der Texte und Videos nicht wie an den Haaren herbeigezogen wirkt. Verbreitet Rap tatsächlich sexistisches Gedankengut oder ist Rap nur der Spiegel der patriarchalischen westlichen Gesellschaften? Wir möchten die Hintergründe von offenem und latentem Sexismus in der HipHop-Kultur ergründen und den Weg für konstruktive Lösungsansätze ebnen. Unter anderem haben wir, gemeinsam mit der Gender-Forscherin Dr. Fabienne Amlinger, den Einfluss von Raptexten auf das Geschlechterbild junger Menschen unter die Lupe genommen. Die Bachelor-Kandidatin Bellydah gibt uns Einblicke in das Leben eines Showgirls im HipHop-Business und das fempop-Magazin schreibt einen offenen Brief an die toxische Männlichkeit.

Rap und Drogen
Rauschgift und Sprechgesang – eine altbekannte amour fou. Bereits ältere Generationen von Rappern hatten Marihuana und Whiskey konsumiert und in ihren Texten thematisiert. Mit musikalischen Veränderungen änderten sich auch die Präferenzen im Drogenkonsum hin zu synthetischen Drogen und Kodein. Was sich nicht änderte, waren die Vorwürfe, dass Rap durch die Glorifizierung des Rauschgifts die Jugend zum Drogenkonsum verleite. Welche Rolle spielen Drogen wirklich in der HipHop-Szene? Was ist echt, was ist bloss aufgesetztes Image? Spiegelt Rap eine von Drogen besessene Gesellschaft wider? Wann sind Tabus angebracht, wann sollten sie durchbrochen werden? Wir sprechen mit Rappern und Experten, um die Hintergründe zu erläutern und Drogen im Rap zu thematisieren und – wenn angebracht – zu problematisieren.

Rap und Antisemitismus
In den letzten Jahren wurde mehreren deutschsprachigen Rappern Antisemitismus vorgeworfen. Die Verse, die als Anstosssteine solcher Kontroversen fungierten, spiegelten nur in den seltensten Fällen einen traditionellen «braunen» Antisemitismus wider, sondern sind zumeist im Spektrum von Verschwörungstheorien und dem Nahostkonflikt zu verorten. Dabei werden problematische Stereotype über «den Juden» reproduziert. Jüngstes und prominentestes Beispiel dafür lieferten die Rapper Kollegah und Farid Bang mit ihrem fragwürdigen Auschwitz-Reim, der im Rahmen des Echo-Skandals medial und gesellschaftlich aufgebauscht wurde. Solche Vorfälle wurden meist als ausschliesslich exotische, HipHop-spezifische Phänomene behandelt. Es ist an der Zeit, diese Debatten in einem breiteren gesellschaftlichen Kontext zu beleuchten und HipHop-Antisemitismus mit dem Antisemitismus breiterer Gesellschaftsteile zu vergleichen. «Rap am Mittwoch»-Gründer Ben Salomo, der jüdische Erfolgsautor Thomas Meyer und Rapper Knackeboul, der sich intensiv mit Verschwörungstheorien beschäftigt, haben sich zur Problematik geäussert. Desweiteren wurde die Meinung von Alfred Bodenheimer, eines Professors für jüdische Religionsgeschichte, zum Problem von Rap und Antisemitismus eingeholt. Dr. Erik Petry hat sich einigen provokativen Zeilen aus diversen Raptexten angenommen und diese beurteilt.

Die neue Sonderausgabe wird Fragen beantworten und neue aufwerfen. Sie wird die Gemüter reizen, besänftigen und auch aufklären. Sie ist eine Nadelspitze, die Filterblasen platzen lässt, um den Leseraugen die Sicht auf Rap – mit seinen Stärken und Schwächen – aus zahlreichen verschiedenen Perspektiven zu ermöglichen. Die LYRICS Sonderausgabe wurde erschaffen, um Verständnis und gegenseitige Anerkennung zu schaffen.

Das Magazin wird ab dem 14. Dezember im Einzelhandel und im Abonnement erhältlich sein. Die Sonderausgabe kann ab heute in unserem Shop vorbestellt werden.

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