Mundart-Rap gewinnt immer mehr an Akzeptanz. Durch das moderne Soundbild wird die Lyrik nicht mehr so stark gewichtet wie früher. Und noch immer gibt es in der Schweiz Rapfans, die mit Mundartrap nichts anfangen können. Wir haben ihn gesucht und gefunden: Andi, der Mundart-Rap-Hater. Er erklärt sich bereit, Stellung zu nehmen und erzählt, was ihn an unserer Sprache so wahnsinnig stört.

Steckbrief:

Name: Andi
Alter: 22
Lieblingsrapper: Kanye West, Kid Cudi, Travis Scott
Studium: Pädagogische Hochschule Zürich

 

Mit Andi haben wir jemanden gefunden, der unseren Schweizer Rap bewusst meidet. Er selbst bezeichnet sich als begeisterten HipHop-Hörer, vor allem New School fasziniert ihn. Wir haben den 22-Jährigen Studenten zum Thema Mundart-Rap befragt. Dieser zögert nicht lange und vermittelt uns ungefiltert und ehrlich sein Feedback zu Rap in unserer und ja, auch seiner Muttersprache.

Fehlende Authentizität führt zu Fremdscham

Als Hauptkritik beschreibt er den anscheinend offensichtlichen Mangel an Authentizität. So gut wie alles vom Schweizer Rap sei kopiert von unseren amerikanischen Vorreitern. «Wieso sollte ich mir eine Kopie anhören, wenn es Originale in Fülle gibt?», hinterfragt er seinen Musikkonsum. «Ausserdem kann ich unsere «Bünzlisprache» nicht ernst nehmen. Man schaue sich mal die Reaktionen von Deutschen und anderen Ausländern an, wenn sie unsere Sprache hören. Die lachen sich schlapp und finden den Klang schrecklich.» Er prophezeit, dass Schweizer Musiker deswegen auch nie international Fuss fassen werden. Ausser natürlich, sie würden damit beginnen, anderssprachig zu rappen. Was dann aber auch wieder Fragen der Authentizität hervorrufen würde…

Keine Vibes

Wie dem auch sei, suchend nach Gründen für seine Abneigung, kommt er nach einigen Überlegungen zum Punkt: «Möglicherweise liegt es daran, dass ich beim Schweizer Rap alles genau verstehe. Würde man die bekannten Ami-Trap-Lieder ins Schweizerdeutsche übersetzen, fänden es wahrscheinlich viele Leute – inklusive mir selbst – grottenschlecht», gibt er zu. «Aber da Englisch eine Fremdsprache für mich ist, mit der ich nicht aufgewachsen bin und nur so nebenbei beherrsche, stört es mich nicht wirklich, dass die Texte nicht viel hermachen. Es geht um die Vibes, die Stimmung, welche ein Lied überbringt, da muss der Text nicht immer etwas Aussergewöhnliches sein. Diese Vibes spüre ich beim Schweizer Rap aber überhaupt nicht», argumentiert Andi weiter.
Wenn im Radio ein Mundart-Track läuft, würde er dennoch aber nicht sofort umschalten. Die ersten 20 Sekunden würde er sich immerhin anhören. Denn musikinteressiert ist er allemal: Er erinnert sich auch an die früheren «Din 16er»-Videos, die er sich jeweils kritisch angeschaut hatte. Ernst nehmen konnte er sie aber nie.

Und was ist mit Schweizer Künstlern, die Englisch rappen?

«Für mich ändert dies nichts. Es gibt nicht viele, die dies so umsetzen und falls doch, dann klingen sie einfach wieder wie das grosse Vorbild, die USA. Aber es könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein», räumt er ein. «Schweizer Rap ist schlussendlich einfach nichts für mich, deswegen befasse ich mich auch nicht gross damit. Unsere Schweizer Kulturgüter sind Käse, Schokolade, Uhren, Wohlstand, Banken und Roger Federer. Aus musikalischer Sicht sind es vielleicht DJ Bobo, Gölä und Mani Matter. Wir könnten es doch einfach dabei belassen und stolz auf das sein, was wir gut können.»