Wie das so ist mit den Perlen, schlummern sie oft in den weiten Tiefen und offenbaren ihr scheinendes Antlitz nur wenigen Auserwählten. Zur vierten Ausgabe haben wir 10 Songs zusammengetragen, die dir fast durch die Schweizer-Rap-Lappen gegangen wären oder sich in den hintersten Ecken deiner Erinnerung verloren haben.

The Wolves feat. Heltah Skeltah – «Wolves vs. Apes»
Toursupport von Sektion Kuchikästli, Produktionen von Claud und Sad und ein Feature von Sean Price und Rock (Heltah Skeltah). Eigentlich lief es richtig rund bei der St. Galler Newcomer Crew – auch der Clip zeigt deutlich, was man damals (2007) ohne weiteres videotechnisch und stylemässig als Übershit bezeichnen konnte. Doch irgendwie bestand die Crew nicht lange. Dass vereinzeltes musikalisches Talent nicht völlig verloren ging, offenbart die Tatsache, dass die rappenden Produzenten und produzierenden Rapper Fizzy Wonder und Japhna Gold noch heute im Umfeld der Starter Gang aktiv sind. Funfact: Der Teenager, der im Video-Intro und Outro cool auf dem Bettrand sitzt und sich den Clip der Wolves gönnt, hat heute selbst eine Rapper-Karriere am Start. Na, schon erkannt?

C.mEE – «Obsessions»
Der Schwyzer C.mEE zeigt auf «Obsessions», wie gut er auch die ernsten Themen verarbeitet. Über den Bruch einer Beziehung, die Verzweiflung und die neu gewonnenen Blickwinkel rappt er überzeugend wie eh und je. Den Beat für die tragende Rap-Ballade stammt übrigens aus der Feder von DJO.

Lou Geniuz feat. CBN, Milchmaa & Skibe – «Regulated Mind»
Eldorado FMs DJ R.T. baut sich 2010 für sein Produzenten-Tape ein gemächliches G-Funk-Brett, für das er mit CBN, Milchmaa und Skibe würdige Kandidaten findet, die sich nicht unterschiedlicher an die Produktion wagen könnten. Milchmaa, der sich mit Vorliebe dem langsamen Beat widmet, passt besonders gut in die vermittelte Atmosphäre: «Und die halb Stadt hasst mi/ für mine cool Gang wie Husky/ lieber smooth anstatt krass sii».

Sektion Züri – «Mäntig»
Montagmorgen in Zürich. Alles stresst auf die Arbeit, ausser L Loko und Drini. Der verträumte Beat mit fein schepperndem Hi-Hat und das verzerrte Soul-Sample aus den 80er verraten: L Loko und Drini haben den Einstieg in die Arbeitswoche verpasst. Doch irgendwann holt die Realität die beiden Arbeitsnehmer ein, denn Geldsorgen mobilisieren auch die letzten Kräfte. Authentisch berichten die beiden noch vor ihren grösseren Erfolgen aus der Büezer-Lebenswelt zwischen Depression, Burn-Out und Konsumkraft. «Mäntig» ist Teil der EP «Wuche ide Schwiiz» und spielt am einen Pol des Konzepts. Sobald es gegen das Wochenende zugeht, schlägt die Stimmung ins euphorische und feierliche um.

DefG – «Rollercoasta Ride» (Chraensch Remix)
Noch so ein Produzenten-Tape: Ein verschollener Remix des Winterthurer Beatbastlers und Gelegenheits-Rapper Chraensch Lee, der dem runden Acapella des Limmattaler Rappers DefG mit einem gepitchen Sample eine lüpfige Unterlage bietet. Das Producer-Mixtape «Kuranchu’s Mix 2 & 2.5» vereinigte im Jahr 2006 Szenevertreter wie Chlyklass, SLM52, Emm und Lügner (Paar@Ohre).

The Rumours feat. Steffe la Cheffe & Manillio – «Rüggewind»
Vor fünf Jahren formierte der Basler Gitarrist Benjamin Noti nach ein paar weitergereichten Song-Skizzen ein Dutzend Schweizer Musiker um sich. The Roumers war geboren, eine Big-Band, bei der unter anderem Greis, CBN, Steffe la Cheffe und Manillio mitwirkten. In «Rüggewind» reflektieren die beiden jungen Künstler ihre Karrieren und feiern ihr Dasein als «Glückskinder» über rockige Gitarren.

Fogel – «Szene Tagblatt»
Der hat doch einen Fogel. Wer den Winterthurer kennt, weiss um seine selbstironische Figur und seine punkige Attitüde Bescheid. Dass er nicht gerade zu den technisch besten Rappern gehört, schmälert den Unterhaltungswert seiner rotzigen Lieder kein Stück. Vor über zehn Jahren veröffentlicht dieser auf myspace.ch – quasi dem webbasierten Spotify jener Zeit – die Liedversion einer «Schweizer Illustrierten». Eine süffisante Erfindung um Gerüchte in Form von Punchlines in die Szene zu streuen. Aus heutiger Perspektive noch genauso witzig, auch wenn viele der Namen keine vergleichsweise starke Relevanz mehr geniessen: «De Steezo isch härt und figget die Schwiiz, sobald er dihei isch, trinkt er nur Milch».

Sulaya – «Life’s a Bitch»
«Homie red mit mir wen du allei bisch, wennd nüm weisch wo du dihei bisch, wer din Fründ und wer din Feind isch» – Wer könnte dir besser erklären, wie abgefuckt dieses Leben immer wieder sein kann, wenn nicht Mamibumser Suly? Der Song seiner berüchtigten LP «MBS» trifft den richtigen Mix aus Melancholie und Misanthropie und wird von Hausproduzenten Toebeats choralem Beatgewand getragen.

Moritz & Luzi (GeilerAsDu) – «Fieber»
Luzern 2011, kurz vor Mimiks Durchbruch: GeilerAsDus Luzi und Moritz droppen die «Fieber» EP. Der Titelsong ist ein wuchtiger Upper, der nicht nur deine Körpertemperatur, sondern auch deine Herzfrequenz in die Höhe schnallen lässt. In der Zeit, in der die Dubstep-Welle das Internet und bald darauf sogar TV-Werbungen dominierte, wagten sich doch einige Schweizer Rap Künstlerinnen und Künstler (Webba feat. Steffe la Cheffe!) an die umstrittene elektronische Gattung. Luzis Gehässigkeit passt aufjedenfall gut dazu!

Gleis Zwei & EKR – «Dedicated»
«Vo de Limmat bis zum Nil Bebe» – Züri-Slang to the fullest: Ein wahrer Klassiker der frühen Zürcher-Stunden vor der Jahrtausendwende. Ungefiltert, provokant und so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist – E.K.R. ist daher mehr als nur ein passender Feature-Gast und killt den Loop in gewohnt königlicher Manier.

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