Von vielen Seiten hagelte es Kritik für den diesjährigen Cypher. Dieser bieten wir im neuen Magazin eine Plattform. Heute resümiert einer der Hosts, Pablo Vögtli, das CH-Rap-Megaevent. Dabei hat er eine klare Ansage an die MCs dieses Landes.

Der #cypher19 war für mich durchzogen. Geprägt von schmerzhaften Absagen von Genf bis Bern und No-Shows von Cypher-Supergrössen wie XEN oder Stress glich mein Vor-Cypher-Stress einer Meltdown-Reihe tschernobylesker Natur. Kompensiert wird dieser Stress jedes Jahr durch Euphoriemomente des Grauens, wenn Menschen die Booth abbrennen, und das ist definitiv wiederholt passiert – auch wenn zum Beispiel in der Zürcher Stunde der grosse Studio-Destruction-Moment fehlte, an den man sich jetzt halt gewöhnt hat. Da ist der Cypher sicher ein Stück weit auch Opfer der eigenen Erfolgsmomente.

Ein paar kritische Gedanken: MCs, die schon zum dritten, vierten, fünften Mal dabei waren, wussten teils nicht, wie sie ihre Vorjahresleistungen steigern konnten und spulten eine ohrenscheinliche Pflichtübung ab. Einerseits kann ich das verstehen, #pressure, andererseits denke ich, wenn die keinen gefühlt garantierten Cypher-Platz hätten, wären die Bars um einiges hungriger und kreativer geworden. Dass ich da selber mit der Gästeakquise eine grosse Mitverantwortung trage, ist mir bewusst. Aber am Ende des Tages hat jeder MC die vier Minuten, um zu shinen. Die, die es dann nicht tun, und zwar nicht aus Unvermögen, sondern aus Sättigung, sollten ein Jahr auslassen oder das Hobby wechseln. Ernsthaft und nicht mal so Puto-mässig gemeint. Mir ist ein MC, der bei einem 200 Prozent Verse verkackt lieber, als der zuvor beschriebene, satte Süsskartoffelstock. Was ich ebenfalls nicht verstehen kann, sind MCs, die krampfhaft doubletimen am Cypher, und dann, ihr Atem gleich dem Sand in ihrem Getriebe, dem Takt nachrennen müssen als schulde er ihnen Alimente.

Auf der hellen Seite des Lichtschwerts war ich wie jedes Jahr überglücklich nach dem Event. Happy, diesen Querschnitt wieder mal gesehen zu haben und auf Tuchfühlung gegangen zu sein, happy, dass die MCs, die in meinen persönlichen Top 10 rangieren, abgeliefert haben – und zwar richtig.

Meine Faves waren Danase, Luzi, Mimiks (Befangenheit iz da, war ja aber objektiv auch nicht so schlecht), Jamal, Limon Willis, 24 Dias und Lo. Immer wieder Lo. Da kann man noch so davon reden, und meinen, dass der keinen Push braucht. Lo ist in zwölf Monaten mit 13 Exclusives bei uns eingefahren, und kann von der Musik leben.
Liebe Grüsse an alle, die den Hunger verloren haben.

Alle Highlights, die besten Lines, das unterhaltsamste aus dem YouTube-Livechat und das Statement aus der LYRICS-Redaktion zum Cypher gibt’s in der aktuellen Ausgabe. Ab sofort erhältlich im Abo und im Einzelhandel.

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