DAIFs neustes Projekt, die EP «Molly und Speed», ist eine willkommene Abwechslung in Zeiten von unkreativem Merchandise. Der Frauenfelder verzichtet auf CD, Vinyl etc. und setzt stattdessen auf ein physisches Album in Form eines kreditkartengrossen USB-Sticks – und auch musikalisch hat «Molly und Speed» einiges zu bieten.

Das physische Album stirbt aus und ist mittlerweile immer mehr zu einem Gimmick geworden. Vinylplatten haben mehr und mehr lediglich sentimentalen Wert und die CD versinkt in Irrelevanz. Umso schöner ist es also, wenn sich Künstler dieser Veränderung der Art und Weise, wie man Musik hört, annehmen und Originalität walten lassen. Ein Album, begleitet von CDs und dem Cover auf ein weisses Basic-Shirt gedruckt ist ein festgefahrenes, langweiliges Modell ohne Effort für Fans des Künstlers. Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung des physischen Albums als Gimmick ist Yung Hurns «1220», welches unter anderem als SD-Karte verkauft wurde. DAIF setzt hier an. Die physische Form der EP «Molly und Speed» ist Plastik-Cutout im Format einer Kreditkarte mit einem ausklappbaren USB-Stick versehen, auf welchem die Audiofiles der EP sind. Passend zum EP-Titel «Molly und Speed» ist die Karte fast schon interaktiv, wenn man sich mit dem physischen Album eine Line Speed zurechtlegen würde. Das physische Album als «Kreditkarte» ist ein Take auf die drogeninduzierte Ästhetik der EP und schweisst das Projekt mit der ganzen Promo zusammen.

Musikalisch grenzt sich «Molly und Speed» ein wenig vom Vorgänger des letzten Jahres «카프리 선데이» ab, die Beats sind weniger experimentell und DAIF scheint sich generell eher an klassischerem Trap zu orientieren. Die EP fährt immernoch eine Cloud-Schiene, DAIF rückt jedoch seine Vocals in den Vordergrund und lässt sie nicht ganz so stark mit dem Instrumental verschwimmen, wie es auf dem letzten Projekt der Fall war. Das bringt Vor– und Nachteile mit sich. Einerseits verlieren die Einzeltracks ein wenig an Atmosphäre, andererseits kann DAIF so eine starke Stimmperformance auf der gesamten EP in den Vordergrund rücken. Das Highlight der EP sind die Hooks, sowohl auf melodischer Ebene, als auch in der Delivery, am besten umgesetzt im Titeltrack der EP «Molly und Speed» und in «E Handpoked Tattoo und es Adidas-Jäckli».

Wer sich die EP als «Kreditkarte» holen will: DAIF spielt diesen Mai Shows in verschiedenen Städten – die Flyer der Shows sind übrigens im Format von Quittungen und auch mit einem Quittungsdrucker gedruckt. Betreffend Originalität in der medialen Konzeption eines Albums können sich andere Schweizer Musiker ruhig eine Scheibe von DAIF abschneiden.

Über Drogenkonsum haben wir mit DAIF im Rahmen unserer Sonderausgabe geredet. Hier geht es zum Interview-Auszug.