Gimma ist auch auf Album Nummer 10 immer noch ein Rapper der hässigen Art. Auf seinem neuen Album «Kartellmusig» beweist er es ein weiteres Mal. Dabei sorgt vor allem seine neueste Single-Auskopplung für ordentlich Skandalpotenzial. Er lässt einen vielgehassten Unternehmer jagen und mittelalterlich auf dem lodernden Scheiterhaufen leiden.

Könnte das Video einen realen Hintergrund haben?

Vielleicht. Das Video erinnert tatsächlich an die realen Begebnisse rund um ein Milliarden-Projekt im Bergdörfchen Vals. Long story short: Remo Stoffel, ein Investor, welcher bereits für Steuerbetrug, Urkundenfälschung und weitere Vermögensdelikte unter Strafuntersuchung gestellt worden ist, plant im kleinen Bündner Dörfchen Vals den höchsten Turm Europas zu bauen. Die Dorfbewohner wurden um 2015 zunehmend unter Druck gesetzt, dem Riesen-Projekt zuzustimmen, denn der Unternehmer hat bereits Millionen in das Bergdorf investiert. Seine Aussage damals: Wenn der Bau des Turms abgelehnt wird, stoppe er die Investitionen. Mit zunehmender Abhängigkeit, wuchs auch der Unmut gegenüber dem Unternehmer. Ein regelrechter Dorfkrieg ist entfacht.

«Eh nid ewig»: Video mit Interpretationsspielraum

Gimma, der bereits seit einigen Jahren politische Ambitionen hegt, will sein Graubünden nicht durch den Gigantismus einer einzelnen Person verschandeln lassen. Im Video zu «Eh nid ewig» lädt Gimma die Zuhörer und -schauer zu seiner düsteren Zukunftsprognose ein: Stoffel ringt sein Projekt durch, die Dorfbewohner werden enteignet und vertrieben, der Turm wird mitten in der Idylle gepflanzt. Lange hält dieser dem rauen Klima des Bünderlandes aber nicht stand, bereits bei der Eröffnungsfeier stürzt die «Femme de Vals». Die gebeutelte Bevölkerung formiert sich zum blutrünstigen Mob und jagt den Milliardär – bis er schlussendlich auf dem Scheiterhaufen brennt.

So lautet zumindest unsere Interpretation des Videos. Im Interview mit der «Südostschweiz» werden Gedanken in diese Richtung allerdings entkräftigt: «I verbrenna nid de Remo Stoffel, sondern es isch eifach e Figur, wo e bitz so usgseht wie er. Er wird do uf e Schiiterhuufa treit vonre wüetende Dorfbevölkerig. I glaube die Gschicht chönnd vieli Lüüt nachvollzücha in ihrne Dörfer – au im Bezug uf sini Person. Aber das isch nid als Aagriff uf ihn z’verstoh. I kenn ihn nid, i will ihn do gar nid aagriife. Han kei Antipathie. Aber s Drehbuech isch halt eifach saugeil gsi.»

Für das in bedrohlichem Schwarz-Weiss gehaltene Video und die wohl beste Hinrichtung eines Doubles seit «Leben und Tod des Kenneth Glöckler» ist Julian Grünthal verantwortlich.

Politischer Grundton von «Kartellmusig»

Auf seinem neuen Album gibt sich Gimma wiederholt politisch. Wer sich das Bündnerland als idyllische Bergwelt vorstellt, wird von Gimma schnell in die Realität zurückgeholt. Auch im Graubünden zählt nur der Batzen. Spätestens seit dem Korruptionsskandal rund um ein Bündner Baukartell, der schweizweit durch die Schlagzeilen der Medien grassierte, sollte man das wissen. Auch die Drahtzieher dieser Bakschisch-Betrügerei bekommen auf dem Album Gimmas Gehässigkeit zu spüren. Er hat ihnen nicht nur den Titel seines zehnten Albums gewidmet, sondern gleich noch einen Track. Auf «Pinocchio-Kartell» äussert er sich zu den laufenden Gerichtsverfahren: «Merket eu die Näme und vergeltna ihri Sünda. Wenn d Strafe nid gerecht sind, denn brenned ihri Hüüser.»

Gimma bringt also auf «Kartellmusig» wieder ordentlich Zündstoff. Sollte die hässige Message den Zuspruch der Churerinnen und Churer finden, könnte es vielleicht bei den nächsten Wahlen sogar mit dem lang angestrebten Sitz im Gemeinderat klappen.