Während Rapper oft zu jedem erdenklichen Thema eine Meinung haben, ist es in der Szene um die Zukunft des Planeten überraschend still. Wir haben bei zwei Musikern nachgefragt, wie grün ihre Denkweise ist.

Der Druck auf PolitikerInnen steigt. Spätestens seit den «Fridays for Future»-Demonstrationen ist das Thema Klimawandel omnipräsent in den Medien und den Köpfen der Bevölkerung. Jugendliche lassen sich nicht mehr gefallen, dass die Zukunft des Planeten in den Regierungen der Welt vor sich hergeschoben wird. Während sich die Stimmung in der Gesellschaft immer weiter aufheizt, bleibt es in der Ecke HipHop erstaunlich ruhig. Obwohl Rapper selten um Worte – vor allem politische – ringen, mochten sich nur wenige Rapper so richtig für eine Klimawende aussprechen. Deswegen fragen wir bei den MusikerInnen nach, wie es bei Ihnen um das Thema Klima- und Umweltschutz steht.

Mimiks

Er hat bereits in der Vergangenheit seine nachhaltige Ader durchschimmern lassen. Mit dem Verein «Viva con Agua» hat sich der Luzerner für sauberes Trinkwasser in Mosambik engagiert. Bei diesem Projekt ist auch der Song «Chuva» entstanden. Dass sich Mimiks sorgt, wie es Mensch und Welt ergeht, hat er auch auf seinem neuesten Gastpart angedeutet. Auf «UME» rappt er: «Mini Jungs figged d’ Wält wie de Plastik im Meer.» Uns interessiert deshalb, wie präsent die sich abzeichnende Krise in Mimiks’ Kopf ist.

Siehst du momentan den grössten Handlungsbedarf bei der Umweltverschmutzung durch Abfall?

Ich bin kein Wissenschaftler. Ich weiss nicht, wo der grösste Handlungsbedarf liegt. Aber man muss in diesen Zeiten auch kein Wissenschaftler sein, um zu begreifen, dass wir zu viel Abfall produzieren. Ich habe aber das Gefühl, dass gerade jetzt der Moment gekommen ist, in welchem wir noch einmal unser Verhalten reflektieren können und uns hinterfragen können: «Muss ich wirklich diesen Lebensstil pflegen?» Es hat sich Bewusstsein in diesem Thema entwickelt und das finde ich sehr schön. Jetzt ist wirklich der Moment, in welchem man sich den Finger noch aus dem Arsch ziehen kann, um etwas an sich und dem Planeten zu ändern. 

Wie leistest du deinen Teil zu einem umweltbewussten Leben?

Diese Frage versuche ich immer mit Vorsicht zu beantworten. Sobald man aufzählt, was man denn so alles machen würde für die Umwelt, begibt man sich auf dünnes Eis. Weil, egal wie gross das Bewusstsein auch sein mag: Man könnte immer noch mehr machen. Ich finde die Frage auch deshalb schwierig, weil man schnell dazu geneigt ist, sich über andere zu stellen. Man sollte fair bleiben und auch miteinbeziehen, dass nicht jeder Mensch den gleichen kulturellen Hintergrund, nicht die gleiche Story hat. Um auf die Frage zurückzukommen: Seit drei Jahren esse ich kein Fleisch mehr und verzichte zu grossen Teilen auf tierische Produkte. Wie schädlich das Fliegen ist, habe ich lange Zeit verdrängt. Auch hier versuche ich, Reisen mit dem Flugzeug zu reduzieren. Das sind in meinen Augen zwei Dinge, die, wie ich finde, leicht umzusetzen sind. 

Denkst du, der Handlungsbedarf liegt bei der Politik oder kommt der Wandel aus den Köpfen der Bevölkerung?

Die Gesellschaft ist bereits auf gutem Wege. Die Leute checken langsam, dass es ein riesiges Problem ist. Die Jugend hat keinen Bock mehr darauf, vor sich hin zu vegetieren und zu denken: «Ach, das wird schon gut kommen.» Ich habe grosse Hoffnung, dass jetzt etwas passiert. Und um die Frage zu beantworten: Der Ursprung liegt immer bei den einzelnen Leuten. 

Du unterstützt also Aktionen wie die «Fridays for Future»-Demonstrationen?

Genau durch solchen Lärm von Leuten, denen es wirklich am Herzen liegt, dass sich etwas ändert, gibt es einen Impact. 

Der Klimawandel ist kein dominierendes Thema in deinen Tracks, trotzdem machst du dich neben der Musik für nachhaltige Projekte stark. Was hast du mitgenommen von deinem Mosambik-Trip?

Ja, 2017 war ich mit «Viva con Agua» in Mosambik. Was ich auf meiner Reise gelernt habe ist folgendes: Es tut immer gut, aus seiner Blase zu entkommen und einen anderen Blickwinkel auf Themen zu gewinnen. In der Schweiz lebt man in einer wunderbaren Bubble – man muss nichts überlegen, alles ist einfach. Als ich in Mosambik war, ist mir das aufgefallen. Wenn man Einblicke in eine andere Welt hat, fällt es einem wieder einfacher, dankbar zu sein. Durch solche Aktionen werden aber auch wichtige Themen vor die Augen der Öffentlichkeit getragen. Das kann vieles bewirken. Diesen Sommer werde ich übrigens auch mit Jugendlichen im Rahmen des «Atelier du Futur» zusammenarbeiten. Das Ziel ist, dass sie sich aktiv bei wichtigen Gesellschaftsfragen mitreden und anpacken. 

Hast du noch irgendwelche Worte an die Jugend, welche beispielsweise mit Demonstrationen das Umdenken in die eigenen Hände nimmt?

Das ist ein langer Prozess, der erst jetzt in Gang gekommen ist. Es wird seine Zeit brauchen, bis die Message in den Köpfen der Menschen angekommen ist. Deshalb unbedingt dranbleiben. Wichtig ist auch zu erkennen, dass jeder kleine Beitrag hilft – auch wenn man «nur» darüber redet. Dadurch wird ein Bewusstsein geschaffen. Weiter finde ich, dass man nicht nur mit dem Zeigefinger auf die Klimasünder zeigen soll, sondern auch zu verstehen gibt, was gut gemacht ist. So kann das Problem mit einer positiven Stimmung angegangen werden. 

Baba Uslender

Aus Luzern kommen also zuversichtliche Worte. Allerdings gibt es in der hiesigen Szene auch Stimmen, welchen man nicht zutrauen würde, dass sie sich für die Problematik des Klimawandels interessieren würden. Beispielsweise Baba Uslender, der seit Beginn seiner Karriere kein Geheimnis daraus macht, dass er auch für kurze Strecken gerne das Auto nimmt – vorzugswiese für die obligatorische Bahnhofrunde. Wir fragen bei Baba, der erst vor einigen Tagen sein Debütalbum «Schafhirt» releast hat, nach, ob er denn wirklich der Klimasünder sei, wie er sich selbst porträtiert.

Autos spielen in deinen Texten immer eine grosse Rolle. Hast du dir schon einmal überlegt, ein Zeichen zu setzen und das Fahrrad, anstatt das verschwenderische Auto, für die Bahnhofrunde zu nehmen?

Kurz und knapp: Nein, habe ich noch nie und werde ich auch nie.

Spielt der Verbrauch eine Rolle bei deiner Autowahl?

Ja, auf jeden Fall. Spielt eine sehr grosse Rolle. Benzin ist verdammt teuer. Ich würde mir nie einen Hummer kaufen, weil der zu viel säuft. Aber bis zu 13, 14 Liter auf 100 Kilometer darf ein Auto schon verbrauchen.

Darf man sich heute noch das Recht herausnehmen, eine grosse Luxuskarre zu fahren? Schliesslich geht das Klima alle etwas an…

Ja, auf jeden Fall. Luxuskarossen-Hersteller achten auch immer mehr darauf, dass sie dem Klima gut tun. Ich habe zum Beispiel gesehen, dass in einem Auto so grünes Licht brennt und das heisst dann, dass es gut für das Klima ist, was da aus dem Auspuff kommt… Aber Autos sind das kleinste Problem am Ganzen. Kennst du diese Fabriken, wo so Rauch rauskommt? Die sind ein Problem für das Klima – die Chinesen.

Wäre es an der Zeit, ein Umdenken in Sachen Statussymbolen anzustreben?

Ich weiss gar nicht, was gut für das Klima ist und was nicht. Vielleicht mache ich selber jeden Tag Sachen, welche das Klima kaputt machen. Ich denke mal nicht. Aber um zu sagen, ob es Zeit für ein Umdenken ist, müsste ich wissen, was gut und schlecht ist. Cheggsch?

«Ich legge Line ufem Streifewage»: Mit welchen Massnahmen verkleinerst du deinen ökologischen Fussabdruck – trotz dickem Auto und Kokainkonsum?

Zuerst muss mir zuerst einmal jemand zeigen, dass ich das Klima fertig mache. Wenn mir das jemand gezeigt hat, kann ich mir dann vielleicht Gedanken machen, wie ich den Fussabdruck verkleinern kann. Bis dahin lebe ich genau so weiter.

Wie sehr beschäftigst du dich mit der Politik um das Klima?

Ich beschäftige mich gar nicht damit. Ich lasse das ein kleines Mädchen machen. Keine Ahnung, von wo die ist. Wahrscheinlich von Grossbritannien oder so…

Woher müsste das Umdenken eher kommen: Aus der Politik oder aus den Köpfen der Menschen?

Politiker müssen das regeln. Nachher kommen wir. Ohne die Politik läuft da, glaube ich, nichts. Oder? Ich glaube so isch.