Der Themenfokus der LYRICS-Ausgabe Nr. 17 liegt auf der Industrie hinter der Kunst. Rap ist heute nicht mehr die brotlose Passion, wie sie vielleicht in ihren Anfängen gewesen ist. Streaming, Sponsoring und Shows werfen mittlerweile Millionenbeträge ab. Genau darüber haben wir mit Yanik Stebler, einem, der hinter den Kulissen arbeitet, gesprochen.

Yanik Stebler kennt sich in der Musik-Branche aus: Er agiert seit Jahren als A&R, Manager, DJ und Booker. Nebst seinem Engagement für Künstler in London, betreut er verschiedenste Schweizer Rapper und pflegt unter anderem Beziehungen zu dem Streaming-Giganten Spotify. Im Gespräch mit Elia Binelli wird Licht in die scheinbar dunkle Musik-Industrie gebracht. Spotlight on! Schaut man nach Deutschland, drücken sich viele Erfolgs-Acts, wie die 187 Strassenbande oder Ufo361, stolz den Independence-Stempel auf. Allerdings arbeiten sie mit verschiedensten Agenturen, Vertrieben und Brands zusammen. Wo beginnt die künstlerische Unabhängigkeit, und wo hört sie auf? Die 187 Strassenbande arbeiten mit ihrem Label Universal im Vertrieb und sind meines Wissens nach international im Vertrieb bei einem grossen Indie-Label. Eine Booking-Agentur haben sie auch und viele weitere Partner, die im Hintergrund agieren. Das ist alles andere als unabhängig. Acts wie die 187 Strassenbande machen das natürlich verdammt schlau: Sie handeln einen Vetriebs-Deal, aber keinen Künstlervertrag aus. So können sie vor jedem Release von einer Finanzspritze profitieren und gleichzeitig «independent» bleiben. Und dazu kommt, dass sich auch niemand gross in ihren Kreativprozess einmischen kann und darf, weil sie keinen Künstlervertrag haben. Ich persönlich finde es für einen HipHop Künstler wichtig, dass er in seinem kreativen Schaffen unabhängig ist; wenn er sich dann Partner dazu holt, die ihm helfen die Musik zu verbreiten, finde ich das auch im HipHop-Kontext gerechtfertigt.

Es ist schön zu sehen, dass zum Beispiel bei Sony Music Switzerland ein Generationenwechsel im Gange ist. Junge Leute mit Urban-Background versuchen jetzt das nachzuholen, was in der Vergangenheit verpasst wurde – nämlich auf Urban-Acts zu setzen. Ihr erstes Projekt ist davey6000. Mit ihm haben sie einen Künstler, der den Nerv der Zeit perfekt trifft und ein vielversprechendes Gesamtpaket mitbringt. Doch auch hier stellt sich die Frage, wie viel mehr da ein Major rausholen kann…

Ja, das ist eine schwierige Frage und nicht pauschal erklärbar. Wir haben auch schon zeitgleich mit den Majors etwa Songs von Landro ins Rennen geschickt und Ende Woche mehr Streams auf dem Zettel gehabt, auch wenn der Künstler weniger bekannt war und gleichviel Playlisten bekam. Wer was richtig und wer was falsch gemacht hat, lässt sich da aber schlecht sagen. Da spielen so viele Einflüsse eine Rolle und die Labelarbeit ist nur einer von vielen Einflüssen.

Landro wird prominent in den Playlists platziert und sahnt viele Streams ab. Ein Nativ dagegen wird im Verhältnis zu seiner Relevanz nicht wirklich gut gestreamt. Trotzdem ist das letzte Nativ-Album definitiv mehr Menschen ein Begriff, als die neuesten Landro-Singles. Da stelle ich mir oft die Frage, was Streams und Platzierungen langfristig überhaupt bringen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Landro noch vor einem Jahr abseits der HipHop-Szene für mehr Aufmerksamkeit gesorgt hat, als zum Beispiel Nativ. Das liegt daran, dass wir Landro nicht nur in der HipHop-Bubble stattfinden lassen. Wenn du über den HipHop-Tellerrand blickst, hast du als HipHop-Act viele Bühnen und Möglichkeiten, um dich zu präsentieren und daraus zu profitieren.

Die Playlist-Editors haben verdammt viel Macht. Wo Macht ist, liegt Korruption nicht fern. Kann man sich in Playlists einkaufen und sich über Nacht zum Star machen?

Offiziell kann man sich auf Spotify oder anderen Plattformen nicht in Playlists einkaufen. Man kann einzig und alleine Werbebanner bei den Freemium-Abonnenten erwerben. Spotify kommuniziert auch ganz klar, dass bezahlte Playlisten gegen ihre AGBs verstossen. Es gibt aber garantiert Länder, in denen man sich in die Playlists einkaufen kann. Die Dok des Y-Kollektivs hat dies ja auch offengelegt. Aber wahrscheinlich findet das hier in der Schweiz nicht gross statt. Algorithmen werden in Zukunft mehr und mehr die Arbeit der Editors übernehmen. Es gibt schon Playlisten, die nur noch algorithmisch funktionieren.

Das ganze Interview mit Yanik Stebler gibt’s ab dem 5.7. im neuen LYRICS Magazin. Die Rap-Industry haben wir unter anderem auch mit Dawill besprochen. Ausserdem teilen wir unsere Beobachtungen über die Eindimensionalität der aktuellen Rap-Hits, blicken zurück in die Geschichte der Werbe-Deals und vieles mehr. Das Magazin steht ab Freitag im Kiosk und in unserem Online-Shop bereit.