Ein Konzert am Openair Frauenfeld ist gestern völlig aus der Masse herausgestochen. US-Newcomer und Kanye-Signing Sheck Wes hat in einer eindrücklichen Show bewiesen, dass viel mehr in ihm steckt als nur «Mo Bamba». Auch wenn das für viele vielleicht wie ein schlechter Witz klingt.

Sheck Wes’ Auftritt wurde viel zu penetrant angekündigt. In jeder Pause zwischen den Acts – und das ist keine Übertreibung – schallt es von irgendeinem Stand «I got Hoes calling». Wenn man nur «Mo Bamba» kennt, würde man sich dieses Konzert wohl eher nicht geben. Zu nervig ist der Song an sich und zu oft hat man ihn in den letzten Tagen schon gehört, als dass man ihn live sehen müsste.

Umso mehr verwundert es darum, dass eine ziemlich zahlreiche Crowd erschien. Und was für eine Crowd. Die grossen Konzerte bisher waren grösstenteils gut, aber nicht immer absolut unglaublich. Das muss nicht einmal die Schuld des Artists sein. Gerade Travis Scott beispielsweise hat eine gute Show abgeliefert, aber die Crowd war irgendwie off, gerade im Vergleich zum Konzert vor zwei Jahren. Moshpits werden geöffnet, wo keine Drops kommen und generell gibt es einige Individuen, die einfach prinzipiell um sich schlagen. Das ist bei Sheck Wes nicht passiert. Die Crowd hat bis relativ weit nach hinten jeden Verse mitgeschrien und hat eher eine riesige Party gefeiert, als dass sie einfach aus Prinzip abgegangen ist. Keine Ellbogen auf Gesichtshöhe, kein wildes Umsichschlagen. Eine solche Crowd ist eine gute Voraussetzung für ein starkes Konzert.

Dazu kommt eine gute Performance. Wenn man ganz ehrlich ist, ist es doch ein wenig überraschend, dass Sheck Wes eine gute Performance zeigt. Kein hörbares Playback, ausser vielleicht ab und zu in den Hooks, sehr cleane Verses, tatsächlich deutliches Vortragen der Tracks, Publikumsinteraktion, ein Stagedive eines Fans – Sheck Wes hat eine mehr als solide Show abgeliefert. Was das Konzert aber zum besten gemacht hat, ist das Wetter. Relativ bald nach Konzertbeginn brechen die Wolken auf und ein Platzregen trifft die Crowd, der innert dreissig Sekunden jede und jeden bis auf die Knochen durchnässt. Aber alle sind geblieben. Und genau inmitten dieses Chaos spielt Sheck Wes, wie ich glaube spontan und nicht wirklich vorbereitet, zu perfekt ist das Timing, «Mo Bamba» und «Live Sheck Wes». Jedes angespielte «I got Hoes calling» der letzten Tage ist in diesem Moment entschuldigt, weil es keinen Moment gibt, in dem es passender, realer und mehr Punk wäre, diese zwei Songs zu performen. Zwei Minuten später hört der Regen auf und der US-Rapper spielt die nächsten vierzig Minuten ein energiegeladenes Set fertig. Props an Sheck Wes, das hätte wohl niemand erwartet.

 

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