Dank einem Fehler beim Streaming-Dienst Spotify bekommt ein 15-jähriger Deutschtürke die Aufmerksamkeit seines Lebens. Sein Track über Vorurteile gegen Migranten wird momentan im Künstlerprofil vom Hitlieferanten Future angezeigt – und damit auch vielen seiner 20’000’000 monatlichen Hörern.

Auf anfängliche Freude über die künstlerische Neuorientierung folgt die Ernüchterung. Nein, Future hat den Lean-Cup nicht gegen einen Ayran-Becher eingetauscht. Auch die pinke Molly weicht nicht für den Sucuk. Das könnte allerdings denken, wer auf das Cover von Futures neuester Single blickt: «Ausländer 2» berichtet, mit welchen Vorurteilen sich türkischstämmige Menschen rumschlagen müssen. Dass dieser Song aber nicht aus der Feder von Atlanta-Native Future stammt, bemerkt der geneigte Rap-Fan schon nach einigen Zeilen.

Für den Track «Ausländer 2» ist der Youtuber Future verantwortlich. Dieser ist eigentlich auch kein Rapper, sondern beschäftigt sich eher damit, wie man PS4-Controller auch am PC benutzen kann, Tech-Reviews und anderem Gaming-Content. Durch einen Fehler beim Spotify-Upload über den Digitalvertrieb iMusician wird sein Song im Künstler-Profil des «Codeine Crazy»-Rappers angezeigt. Dieser hat mit 20 Millionen monatlichen Hörern ein um vielfaches grösseres Publikum als sein Deutscher Namensvetter. Dessen YouTube-Kanal zählt nämlich aktuell nur 412 Abonennten. «Ausländer 2» konnte seit Freitag schon über 18’000 Plays sammeln. Die damit umgesetzten Einnahmen von zirka 71.— USD hätte er wohl ohne den Spotify-Fail nicht erreicht.

Auch Schweizer Rapper sind betroffen

Von solchen Verwechslungen bleiben auch CH-Rapper nicht verschont. Oft erscheinen szenenfremde Songs und Alben in den Künstlerprofilen. So hat beispielsweise der Luzerner visu offenbar schon am Soundtrack zur indisch-tamilischen Komödie «Looty» mitgewirkt, Tommy Vercetti hat schon eine Karriere als House-DJ lanciert und der Churer Ali droppt auf einmal Trap-Hits auf Russisch. Nicht zu vergessen: Xen, der nach dem vergangenen Freitag erschienenen Track «Lieblingsrapper» seinen Style geswitched hat. Auf «OK Shorty!» klingt er so gar nicht nach Mundart-Rap.