Schweizer MCs sind verantwortlich für ausgedünnte Regale im Media Markt, unüberblickbare Warteschlangen vor Clubs und das aufgeregte Schnattern in den Marketing-Abteilungen von Schweizer Grosskonzernen. Letztgenannte werfen je länger je mehr ein Auge auf CH-Rap. Wir zeigen anhand einiger Beispiele auf, wie CH-Rap in der Vergangenheit zu Werbezwecken instrumentalisiert wurde. Top oder Flop – das dürft ihr entscheiden.

Der Bio-Rap von Coop: «Bi-Jo, Bi-Jo!»
Eingeleitet wird unser Best Of mit einem Werbespot des Schweizer Unternehmens Coop, der mit DJ-Bobo-ähnlicher Mucke und idyllischen Bildern aus Schweizer Natur und Landwirtschaft ein grell leuchtendes Gesamtpacket darbietet. Diese Ode an die „Nature Power“ soll die Gelüste der Schweizer Konsumenten auf die Bio-Produkte der Linie «Naturaplan» wecken. Top/Flop hin oder her – Ohrenwurm ist garantiert.

Post Finance präsentiert: «Ride the Zamboni»
Kurz vor den diesjährigen Eishockey-Playoffs veröffentlicht die Post Finance einen Werbespot, der musikalisch mit einem dreisprachigen Song von Gimma, NX und David Charles hinterlegt ist. Eben jene drei Rapper werden im Clip beim Fahren eines aufgepimpten „Zamboni“ mit eingebautem DJ-Equipment gezeigt. Die Post Finance greift tief in ihre Trick-Schublade und zaubert einen aufwändig produzierten Werbespot hervor, der in eigener Sache werben soll und zu diesem Zweck geschickt die Emotionen des Sports und jene der Musik miteinander verknüpft – Chapeau!

Werbung der Platzhirsche für Churer Festhütte
Angefangen als Werbegag für Restaurant und Festhütte «Alphütta» in Chur hatte der Song «Holz vor dr Hütta» nach kurzer Zeit eine so grosse Aufmerksamkeit erhalten, dass er als Kandidat für die Vertretung der Schweiz am Eurovision Song Contest 2016 vorgeschlagen wurde. Bekanntermassen brachte es die Bündner Gruppe «Platzhirsch» jedoch nicht über die engere Auswahl hinaus und sie durfte nicht mit der Schweizer Delegation nach Stockholm fahren. Natürlich hätten wir Gimma wohl alle gerne auf europäischer Bühne gesehen, doch dürfen wir uns darüber freuen, dass die Kommerzialisierung von Schweizer Rap immerhin nicht bis zum Parkett einer der umstrittensten «Kitsch und Glamour»-Veranstaltungen Europas ausgeufert ist.

Schweizer Fussball-Ikone reitet für Zweifel Chips auf HipHop-Klischees
Bald 8 Jahre ist es her, dass der marktführende Schweizer Suchtmittel-Hersteller namens «Zweifel Pomy-Chips AG» den schweizweiten Hype der Nati im Vorfeld der WM 2010 zu seinen Gunsten nutzte. Niemand geringeres als Fussball-Ikone und damaliger Nati-Stürmer Alex Frei wurde engagiert, um die ersten Zeilen der Schweizer Nationalhymne in gekünstelter Rap-Manier zu spitten und vor laufender Kamera in unechtem Pelzmantel durch die Katakomben des St. Jakob Parks zu schreiten. Breakdancer in orangefarbener Zweifel-Montur vollendeten mit ihren »coolen» Moves die penetrante Inszenierung gängiger HipHop-Klischees. Allen HipHop-Heads, die sich den Werbespot zum ersten Mal reinziehen, empfehlen wir, das Ganze mit einer gehörigen Portion Humor zu geniessen. Have Fun.

Stress rettet den Planeten

Der Umstand, dass wir heute noch von den Werbespots der Post Finance und der Zweifel AG sprechen, beweist, dass sich die Verbindung von CH-Rap zusammen mit Schweizer Sport marketing-technisch bewährt hat. Eine weitere spannende Taktik liess sich Coop vor einigen Jahren einfallen, als sie den damals brandheissen Westschweizer Rapper Stress in die Pflicht nahmen, ihnen einige tiefgründige Zeilen zum Thema Umweltschutz zukommen zu lassen. Stress lieferte mit Bravour und die engagierten Videoproduzenten wussten das Ganze mit ergreifenden Bildern von verängstigten Kindern visuell perfekt zu ergänzen. Alles in allem ein Meilenstein für CH-Rap, da der finale Werbespot – wohlgemerkt im Jahr 2007 – sowohl in musikalischer als auch in kommerzieller Hinsicht Erfolg hatte.

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