Schweizer Rap befindet sich in einer Blütezeit. Talentierte (und auch untalentierte) Rapper spriessen im ganzen Land aus dem Boden und rufen bei den Fans eine Goldgräberstimmung hervor wie am Klondike Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Wir wagen uns in den Schlamm und machen uns auf die Suche nach den grössten und wertvollsten Goldnuggets, in der Hoffnung, möglicherweise sogar auf eine Goldader zu stossen. Unsere Funde präsentieren wir dir regelmässig im Segment «Golddiggin’».

Message – «Bane» / «Stoff»

Die Suche beginnt gleich vielversprechend. Message versprüht auf zwei Tracks ordentlich Bars, wobei er mit gefühlt tausend Anglizismen fast mehr auf Englisch als auf Deutsch rappt. Eine Message sucht man auf den Songs allerdings vergebens, dafür machen die zwei Beats, die fast schon an Horrorcore-Rap erinnern richtig Laune und bringen einen frischen Wind. Irgendwie weird. Irgendwie geil.

Loonote Club – «Üsi Liebi»

Den Loonote Club haben wir schon einmal vorgestellt. «Üsi Liebi» hebt sich ab durch ein sphärisches Instrumental, verschiedene kreative Flow-Variationen und eine gehörige Portion Deepness. Produzent Loopsided hat in Solothurn Musiker rekrutiert, die alles live einspielen – so richtig mit Instrumenten und so wie damals. Dadurch klingt der jazzige Sound voll und qualitativ hochwertig.

Rapamole – «Mosaik» feat. Frost & Fog

Deep ist auch das Motto des nächsten Goldstücks. Das Interlaker Rap-Kollektiv Rapamole, das erst kürzlich das Album «Wohnzimmer» releast hat, begibt sich auf eine Reise der Selbstfindung mit einem Video, das kitschiger nicht sein könnte. Das Mosaik ist wohl eines der beliebtesten Sujets in der Musik und die Umsetzung von Rapamole muss sich nicht verstecken.

Clifftop Vandalz – «Hitte So, More Annersch» feat. Amos, Jim West, H1 & Schwarz8

Die Clifftop Vandalz, deine Lieblings-Gangster-Rapper aus dem Wallis (und das nicht nur, weil sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die einzigen sind), haben sich zu Golddiggin’-Regulars entwickelt. Das Album «Hitte So, More Annersch» ist zwar schon rund fünf Monate alt, aber die Tru-Schoolers mit den weiten Jeans und den College-Lederjacken schaffen den Spagat zwischen Gangsta und älpischer Realness jedes Mal gekonnt, sodass wir dieses Video nicht unkommentiert vorüberziehen lassen können.

LJ Shizzle – «N.P.S.S.»

Der nächste Clip ist mehr Film als Musikvideo. Ein so aufwendig produziertes Video ist für Golddiggin’-Standards eher selten. Cool und trotzdem stellenweise ein wenig holprig erzählt LJ Shizzle von seinem Leben als narzisstischer, paranoider, schizophrener Soziopath. Potenzial hat er auf jeden Fall.

Lumo – «Loca»

Zum Abschluss gönnen wir uns noch etwas Melodisches. Der junge Blondschopf Lumo klingt gut im Ohr, greift aber regelmässig auf die simpelsten Reime im Buch zurück. Das goldige Glitzern liefert auch hier die Videoproduktion, die mit viel Aufwand und Liebe fürs Detail entstanden ist. Mit Lumo beenden wir die Goldsuche und wagen uns in rund einem Monat wieder unter die Goldgräber.