Seit 20 Wochen steht «079» von Lo & Leduc auf der Nummer Eins der Schweizer Single-Hitparade. Wohl jeder hat schon einmal den Refrain des Autotune-Über-Hits mitgegrölt – und es wird höchste Zeit, auch den Rest der Story genauer unter die Lupe zu nehmen.
[Intro: Lo]

Gäb sie mir wenigschtens d Vorwau
Per favore
Nja, ey
Per favore
Ohh, gäb sie mir wenigschtens d Vorwau
Per favore
De gäbs nume no 10 Millione Kombinatione, ja

 

[Refrain: Leduc]

«0-7-9», het sie gseit
«Du weisch immer no nüt», het sie gseit
Nidmau tschüss het sie gseit, ey
Und i frage sie ob ig ihri – «tüt tüt tüt», het sie gseit, «tüt tüt»
«0-7-9» het sie gseit
«Du weisch immer no nüt», het sie gseit
Nidmau tschüss het sie gseit, ey
Und i frage sie ob ig ihri – «tüt tüt tüt» het sie gseit

 

[Verse 1: Leduc]

I lüte jede Tag ar Uskunft aa
U möcht ihri Nummer ha

Wär lütet hüt no dr Uskunft aa?
Viu schaffe nümme da
Nume no sie, u no zwöi angri
Heisst jedes dritte Mau isch sie dranne

Sie gäb mir jedi Nummere, Nummere
Nume ihri git sie mir nid

Gäb sie mir wenigschtens d Vorwau
Per favore
De gäbs nume no 10 Millione Kombinatione, ja
U weni nächär pro Minute drü vo de Nummere usprobier
De chönns maximau nume sächsehaub Jahr lang ga bisi ihri fing

 

[Refrain]

 

[Verse 2: Lo]

Und jitz bini sit Jahre
Immer fautsch verbunde
Und am Schluss blibt mir tatsächlich numen e Nummre, nume no ei Nummre
U woni die ytipp mit zittrige Finger
Und i mir sicher bi, dass die doch muess stimme

Ghöri plötzlech das öbber drann isch
U wäge däm ghöri das Tram nid
Wo no het wöue brämsen aber es längt lang nid
Es renne Lüüt häre u aus verlangsamt sich

 

[Refrain: Lo]

«1-4-4», hei sie gseit
«Wie isch das nume passiert?», hei sie gseit
«Huere Siech», hei sie gseit, ja

U si winke d Ambulanz häre, «Hie hie hie», hei sie gseit «hie hie»
«1-4-4» hei sie gseit
«Wie isch das nume passiert?», hei sie gseit
«Huere Siech», hei sie gseit, ja
U si winke d Ambulanz häre, «Hie hie hie» hei sie gseit, «hie hie»

 


 

Ohh, gäb sie mir wenigschtens d Vorwau, per favore, de gäbs nume no 10 Millione Kombinatione, ja.

Der Protagonist in «079» ist auf der Suche nach der Handynummer seiner Herzensdame und bittet sie, ihr wenigstens die ersten drei Ziffern der zehnstelligen Telefonnummer zu verraten. Wenn er diese weiss, dann kann er die Anzahl der theoretisch möglichen Nummer-Kombination auf 10 Millionen (107 Möglichkeiten) verkleinern. Dass es gar nicht alle Ziffer-Kombinationen als Telefonnummer gibt, weiss der Verliebte leider nicht.

«0-7-9», het sie gseit. «Du weisch immer no nüt», het sie gseit. Nidmau «tschüss» het sie gseit, ey. Und i frage sie ob ig ihri – «tüt tüt tüt», het si gseit, «tüt tüt».

Bevor seine Angebetete ohne weiteren Kommentar das Telefongespräch beendet, erfährt er immerhin, dass es sich bei der Telefonnummer seiner Geliebten um eine Swisscom-Nummer handelt. Schleichwerbung für den Telefonkonzern? Nein, es handelt sich einfach um die meist verbreitete Handy-Vorwahl der Schweiz.

I lüte jede Tag ar Uskunft aa, u möcht ihri Nummer ha.

Welch grausame Ironie des Schicksals: Die Frau seiner Träume arbeitet ausgerechnet bei der Telefonauskunft. Der Protagonist ist aber seit ihrem ersten Telefonat so verknallt, dass er sich langsam zum Stalker entwickelt und jeden Tag bei ihrer Arbeitsstelle anruft, um an ihre Nummer zu gelangen.

Wär lütet hüt no dr Uskunft aa? Viu schaffe nümme da, nume no sie, u no zwöi angri, heisst jedes dritte Mau isch si dranne.

Weil die Auskunft per Telefon im Zeitalter von Google und digitalen Telefonbüchern ausgedient hat, ist die Zentrale auch kaum mehr mit Personal besetzt. Neben der Angebeteten arbeiten nur noch zwei andere Personen dort, wodurch er ziemlich häufig mit seiner grossen Liebe an der Strippe hängt.

Si gäb mir jedi Nummere, Nummere, nume ihri git si mir nid

Da der Protagonist weder den Namen seiner Herzensdame noch ihre Adresse kennt, gibt sie natürlich auch keine Auskunft über ihre Nummer. Ganz ehrlich: Das ist auch die einzig vernünftige Reaktion darauf, dass ein Fremder an deinem Arbeitsplatz anruft, sich aufgrund deiner sympathischen Stimme direkt in dich verliebt unbedingt deine Privatnummer will. Die Grenze von «romantisch» zu «gruselig» ist in diesem Fall doch ziemlich deutlich überschritten.

U weni nächär pro Minute drü vo de Nummere usprobier, de chönns maximau nume sächsehaub Jahr lang ga, bisi ihri fing.

Aufgeben ist für den verliebten Herrn natürlich kein Thema. Da er über die Auskunft keine Chance hat, an die Handynummer seines Schwarms zu gelangen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als alle 10 Millionen Kombinationen (auch wenn nicht alle Nummern vergeben sind) auszuprobieren. Dauert ja auch nur sechs Jahre und vier Monate – wenn er nicht arbeitet, schläft, auf die Toilette geht oder das Telefonieren parallel zu all diesen Aktivitäten erledigt. Da muss es den Stalker aber ziemlich erwischt haben.

 Und am Schluss blibt mir tatsächlich numen e Nummre, nume no ei Nummre. U woni die ytipp mit zittrige Finger, und i mir sicher bi, dass die doch muess stimme.

Er hat es tatsächlich durchgezogen: Der sehr unwahrscheinliche Fall ist eingetroffen, dass es wirklich nur noch eine mögliche Kombination gibt, die er voller Nervosität wählen kann. Dieses Mal muss doch einfach die Richtige am anderen Ende der Leitung sein.

Ghöri plötzlech das öbber drann isch. U wäge däm ghöri das Tram nid, wo no het wöue brämsen aber es längt lang nid. Es renne Lüüt häre u aus verlangsamt sich.

Als dann bei der letzten Telefonnummer wirklich jemand abnimmt, schlägt das Stalker-Karma zu: Der Protagonist vergisst die ganze Welt um sich herum und wird prompt von einem Tram angefahren.

 «1-4-4», hei sie gseit, «Wie isch das nume passiert?», hei sie gseit, «Huere Siech», hei sie gseit, ja

Während sich um den verletzten Protagonisten die Menschen scharen und den Notruf der Ambulanz wählen, zerplatzt leise der Traum des kleinen Stalkers, nach über sechs Jahren endlich seine Traumfrau kennenlernen zu können. Wer weiss, ob aus der riesigen Telefon-Aktion auch wirklich eine Love-Story geworden wäre.