Die letzte Woche war releasetechnisch eine grossartige für HipHop. Nach einem unerwarteten Young-Thug-Album ein starkes Lil-Wayne-Album – und auch die Schweiz legte nach. Dawill releaste letzten Freitag völlig überraschend sein neustes Projekt: «Moringa». Ein Blick auf die Tracklist, die Dawill im Vorfeld präsentiert hatte, weckte das Interesse, das Album durchzuhören, immens. Was steckt hinter Songtiteln wie «Roger Federer» oder «Sitz uf mis Gsicht»?

Einige Tage nach dem Release, nach vermehrtem Durchhören des Albums lässt sich diese Frage beanworten. Kurzgesagt: Ein gutes Album. Ausführlicher: Das Album ist genauso interessant wie die Tracklist es zu hoffen lässt und verankert Dawills Status als überaus versatilen Künstler. «Roger Federer» ist eine humorvolle und clubtaugliche Hommage an unsere Tennislegende, «Lost» ein atmosphärisches, warmes Liebesgeständnis mit starkem Stimmeinsatz des S.O.S-Members und mit «Tschädere» serviert Dawill eine (fast zu) realitätsnahe Dokumentation seines Sexuallebens mit einer ordentlichen Menge an lasziv gestöhnten Adlibs.

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«Moringa» lebt von Gegensätzen, die keine sind, Dawill balanciert zwischen schnell und langsam, zwischen schnellem Sex und ewiger Liebe, zwischen Anglizismen und Mundart-Zelebrierung («Roger mit de Wrist» vs. «Ich wott Tschädere») und zwischen Flowflexing und Emotionen, wobei sich der Berner nie für eine Seite entscheidet, sondern die beiden scheinbaren Gegensätze zusammenführt, was in einem abwechslungsreichen Album resultiert, welches Dawill gleichzeitig als unnahbaren Stimmkünstler skizziert und gleichzeitig einen Blick in sein Herz zulässt. Dawill – bitte weiter so.
Abschliessend bleibt nur etwas zu sagen: Bitte Roger, sorge dafür, dass bei deinem nächsten Grand-Slam-Titel «Roger Federer» durch New York, Melbourne, London oder Paris schallt.

Text: Sergio Scagliola

Foto: Jojo Schulmeister