Bis jetzt sind im Jahr 2018 kaum nennenswerte Schweizer Rap-Alben erschienen. Woran das liegen könnte und was wir in den nächsten Monaten noch alles zu erwarten haben.

In den letzten Jahren hat Schweizer Rap einen Aufschwung erlebt, den die Szene bis anhin so noch nicht gesehen hat. Das Musik-Jahr war mit Releases zugepackt, aus allen Ecken wurden Alben releast. 2018 hat dieses Hoch zum ersten Mal einen kleinen Dämpfer erhalten.
Die Album-Releases, die in den letzten acht Monaten die gesamte Schweizer HipHop-Welt bewegt haben, kann man an einer Hand abzählen. Da waren Dezmond Dez, Tommy Vercetti und CBN mit ihrem gemeinsamen Album «Kaspar Melchior Balthasar», LCone mit «Aaaschiss» und FratelliB mit «Per Du». Wenn man das Genre ein wenig ausdehnt, kann man vielleicht noch Lo & Leducs «Update 4.0» und Steff La Cheffes «Herz Schritt Macherin» in die Liste aufnehmen. Auch wenn einige weitere, vielleicht unbekanntere Alben in den letzten Monaten releast wurden: Alles in allem wirkt diese kleine Anzahl doch ziemlich enttäuschend im Vergleich zu den letzten beiden Jahren.

Die Zeit der Vorbereitung?

Als Erklärung können zwei verschiedene Strategien dienen. Zum einen kann man sicherlich anführen, dass in den letzten beiden Jahren einfach so viele relevante und wegweisende Alben releast wurden, dass die Künstler nun einfach eine Pause brauchen, um neue Musik zu produzieren. Vielleicht war die erste Hälfte dieses Jahres die Zeit der Vorbereitung, die für die Grössten der Szene nötig war, um neue Top-Releases in die Wege zu leiten.
Tatsächlich kann man auf Social Media mitverfolgen, wie einige der Szenegrössen in ihren Studios an neuem Material basteln. Mimiks lädt Xen zum Studiobesuch ein, bei Manillio rätselt man schon seit Monaten, wann neue Musik erscheint. Man kann also doch noch einiges erwarten – auch wenn diese Alben vielleicht erst 2019 erscheinen werden. Ausserdem stehen noch zwei weitere Alben in den Startlöchern, die durchaus erfolgversprechend sind. Baze veröffentlicht am 7. September sein Solo-Projekt «Gott», LUUK releast am 26. Oktober das Album «Renaissance». Man darf hoffen, dass all diese geplanten Projekte das Schweizer Rapgame 2018 noch um einige Level anheben werden.

Singles statt Alben?

Als zweite Erklärung für die wenigen Album-Releases dient sicherlich auch die Single-Strategien von vielen Künstlern. Durch Streaming-Dienste werden Konzeptalben irrelevanter, die Veröffentlichung von einzelnen Tracks ist für jeden Künstler unkompliziert und erhöht den Hit-Charakter der Songs. Gerade für junge, unabhängige Rapper ist dies die einfachste Möglichkeit, um ihre Musik verbreiten zu können. Doch auch einige bekannte Namen der Szene arbeiten mit diesen Mitteln. Das beste Beispiel: S.O.S. Das gesamte Kollektiv – Nativ, Dawill, Cobee, Questbeatz – sie alle releasen seit Monaten immer wieder Singles, experimentieren darauf in alle möglichen Richtungen und arbeiten mit anderen Künstlern zusammen. Auch Stress und Pronto haben sich diese Release-Strategie angeeignet. Und wer weiss, ob diese Künstler nicht noch ganze Alben aus dem Ärmel schütteln, wenn der nächste Hit durch die Decke geht.