Rap und die Schweizer Medienlandschaft haben ein Problem. Das wird gerne darauf zurückgeführt, dass Rap in der Schweiz bis Anfang der 2000er-Jahre eine Underground-Kultur war – und die Leute, die in Feuilletons und Radiosendung an den Schalthebeln sitzen, aus Altersgründen schlicht und einfach keinen Bezug zu Rap und HipHop haben. Nun liefert die SRF-Sendung «Zwei am Morge» den Gegenbeweis: Auch junge Moderatoren können Rap mit einer Ignoranz sondergleichen begegnen.

Es wurde als ein neues, frisches Format angekündigt. Die jungen Comedians Julian und Ramin, bekannt von der Instagram-Page «UniGAG», hosten «Zwei am Morge». Die dreimal wöchentlich stattfindende Sendung wird vom SRF als «erste YouTube-Morgenshow der Schweiz» gepriesen. Die Hosts sind jung, smart und ziemlich witzig. Sie sind Freunde von rapaffinen Instagram-Stars wie Gabirano und kommen aus der CH-Rap-Boom-Generation. Als sie jung waren, gingen die ersten Schweizer Rapacts wie Chlyklass oder Sektion Kuchikäschtli durch die Decke. So bringen sie die beste Voraussetzung für einen neuen, freshen Umgang mit Rap mit – ohne Klischees, ohne Scheuklappen.

Diese Hoffnungen – waren sie auch noch so klein – wurden nach der Sendung mit Knackeboul enttäuscht. Nach einigen Minuten oberflächlichen Geplänkels über Integration und Politik schreiten die Herren zur Tat: Als eine Art Teaser zum Virus Bounce Cypher wird ein Rap-Battle (!) zwischen Knackeboul und den beiden Hosts lanciert. Im Format mit dem absolut bescheuerten Titel «Beatsli Rap» «rappen» Julian und Ramin Knackeboul Fragen vor, die er freestyle-rappend beantworten muss. Wenn man bedenkt, dass Knackeboul einer der renommiertesten Freestyle-Rapper des Landes ist und diesbezüglich einiges auf dem Kasten hat, ist das eigentlich eine ziemlich coole Idee. Nur bei der Umsetzung hapert es gewaltig…

Als Erstes fällt die lächerliche Aufmachung auf: Während Knäck völlig entspannt in seiner Alltagskleidung auf der Bühne steht, kleiden sich die Hosts, als wären sie einem B-Clip von Chamillionaire oder einem schlechten Highschool-Film entsprungen. Solche Kleidung war nicht einmal in den 9oer-Jahren angesagt und repräsentativ für die HipHop-Kultur. Dieser schlechte Slapstick-Humor zeugt von Ahnungslosigkeit und vom erbärmlichen Versuch, ohne Kreativität den einen oder anderen Schenkelklopfer zu bewirken.

Dass Flow und Delivery der Hosts nicht besonders gut sind, war klar. Dass das Ganze schlicht unterirdisch sein würde, hätte ich aber dann doch nicht erwartet. Wie Julian und Ramin auf der Bühne herumhampeln und wie sie jedes Wort neben dem Takt auf das Instrumental stottern, zeugt entweder von völliger Talentfreiheit oder davon, dass sie sich keine Millisekunde lang auf die Sendung vorbereitet haben. Ich tippe auf Zweiteres: Yoyoyo-Gehabe und Fremdscham weckende, entfernt an HipHop-Dance-Moves erinnernde Bewegungen kaschieren hier schlechten Journalismus und mangelndes Wissen.

Noch bedauernswerter macht das Ganze die Tatsache, dass Knackeboul einer der interessantesten Typen dieses Landes ist. Wer streitet sich tagtäglich mit Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretikern und hat trotzdem noch den Willen und die Power, um Rollenbilder und Mindstates im HipHop auf den Kopf zu stellen? Wer positioniert sich politisch links und arbeitet trotzdem mit Grosskonzernen wie RedBull zusammen – und hat dazu noch die cojones, über solche Widersprüche zu sprechen. Wer mit Knackeboul nur oberflächliche und unlustige Pointen drischt und ihn anschliessend für diese Peinlichkeit von «Rap-Battle» einspannt, vergibt die Chance auf echten Tiefgang in seiner Sendung.

Solche Darbietungen auf Divertimento-Schenkelklopfer-Niveau sind auf jeder denkbaren Ebene einfach nur peinlich – und dazu noch seichter und belangloser als jede Glanz-und-Gloria-Folge. Wenn das die neue Hoffnung der Schweizer Comedy, das neue, gewitzte Sprachrohr der Schweizer Jugend sein soll, dann Gute Nacht…

Text: Luca Thoma