Gold Digger {f} [gəʊld ˈdɪgə(r)] ist ein Slang-Ausdruck für eine Frau, die nur vermögende Männer datet, in der Absicht, vom Reichtum des künftigen Partners zu profitieren. Da ich selbst einmal Cash machen werde, brauche ich weder Mann noch Frau, die mir zu meinem finanziellen Reichtum verhelfen müssen. Dennoch mache ich es mir in der LYRICS-Rubrik «Golddiggin‘» zur Aufgabe, Gold zu schürfen – und zwar in der CH-Rap-Landschaft. Ich mache mich alle paar Wochen auf eine Reise durch die Schweiz und versuche dabei, die kleinen, aber nicht minder wertvollen Rap-Stücke aus dem ganzen Schutt und Schlamm herauszufiltern. Wer weiss, vielleicht stosse ich dabei gar auf eine ganze Goldquelle.

Meine Goldsuche begann diesmal im Rap-Mekka der Schweiz. Ganz unverhofft pilgerte ich durch Bern, als plötzlich eine Stimme gegen mein Hirn hämmerte – und zwar war es der «Ma im Chopf» von den Juno Boys. Atypischer Schweizer Rap – ein paar denken sich jetzt sicher «mimimi das isch nöd Rap, mimimi das isch Pop oder Electro». Hat sicher was, ist aber trotzdem richtig nice. Würde der Sound im Club gespielt werden, würde ich jedenfalls voll abgehen. Neben der Musik überzeugt mich aber definitiv auch der Clip. So urban und qualitativ hochwertig, davon können sich einige Schweizer Künstler noch eine Scheibe abschneiden. Erstes Goldstück im Kasten, check:

Ich bewegte mich etwas mehr in den Norden, wo ich sogleich mein nächstes Goldstück schürfte. In Basel überzeugten mich Krime, 4057 Brani und Kush Karisma mit ihrem Track «Alo – Sali». Eine coole Mischung aus Humor, «Wir sind, wer wir sind»-Attitüde und Oldschool-Elementen. Der Clip präsentiert die Lyrics zum Track, was einerseits gefährlich ist, da sich vieles nicht mehr so tough anhört, wie wenn man nur die Hälfte verstehen würde. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass die Jungs genug Selbstironie haben, um sich selbst auch einen ab und zu nur halbwegs sauberen Reim zu verzeihen. Alles in allem echt cool:

In Basel blieb ich noch etwas hängen, was sich schlussendlich auch gelohnt hat. Der Baselbieter E-Light catchte mich mit seinem Song «doppel4dreysägs» – einer Ode an seine Hood und seine Freunde. Find ich sympathisch. Der Beat von Fuxxx darf zudem keinesfalls ungehört bleiben. Durch und durch stimmiger Sound, sehr authentisch und gut gerappt – vielmehr braucht’s meistens gar nicht. Gib dir das Stück Baselbiet:

Darwin? Nope – LAB! Immer wieder zieht er meine Aufmerksamkeit mit neuen Schmuck- beziehungsweise Goldstücken auf sich. LAB überzeugt mit «Survival oft he Fittest» wie immer mit Realtalk und seinem extrem nicen Flow. Ich höre richtig gerne zu, wie er Line um Line bringt und ich einfach keine Unreinheit erkennen kann. Eine Hook wird hier tatsächlich komplett überflüssig, und das weiss er auch. Zeih’s dir rein:

Wennschon Trap, dann richtig. Und wo kriegt man das Überkrasse her? Genau – aus der Romandie. Mit «T’as Capté» droppte G-Mams einen Track, der für mich als Trap-Laie doch alle wesentlichen Elemente dieses Stils enthält: Viel «Skurrrrrr», etwas «Brrrrrrra» und dann noch ein bisschen Brand-Dropping: «Gucci, Louis, Fendi, Versace, Lamborghini». Der Song reisst mich aber trotzdem mit, nicht zuletzt wegen seiner aufbauenden Struktur und dem kompletten Durchdrehen, wenn der musikalische Höhepunkt erreicht ist. Why not?

Zürich ist ja bekannt für seine Kuriositäten, vor allem wenn es um all die struben Charaktere geht, welche so durch die Strassen taumeln. Mein nächstes Stück (Gold hin oder her), kreiert von Lightsking, Mássimon & Big Bane, ist mir aufgrund solcher Zürcher Skurrilität (hehe: «Skurr») aufgefallen: 1. Heisst der Track, über den ich schreibe, «AGGRESSIV & ATTRAKTIV» – natürlich in Grossbuchstaben, man soll es ja schreiend lesen. 2. Tragen die Jungs im Clip ein Schweinchen auf dem Arm. Ohne Witz. Ein Säuli! Ich weiss nicht, ob ich das seltsam oder herzig finden soll. Vor allem tut es mir aber leid, wie es so durch die Luft geschwungen wird. Den Track schmücken diverse Seitenhiebe gegen Mimiks und für meinen Geschmack zu viel Sexismus. Aber beim Pumpen sich im Gym hört sich der Song sicher gut an. Wem’s gefällt:

Geilo – so richtiger Zürischnurre-Rap. Young O bringt mich mit seinem Track «Anonyme Alkoholikär» grad wieder auf andere Gedanken und lässt meine Stimmung von null auf hundert steigen! Ein riesiger Spass-Track, mega cool gerappt und perfekter Sound zum Vorglühen. Ein Goldstück, dass ich noch ganz lange wahren werde und mir immer wieder anhöre, wenn mir das Leben zu ernst wird. Und du?

Zürich überraschte mich gleich nochmal über-positiv: Fakyr reisst mit seinem Track «2.0» alles ab. Krass, welche Rap-Talente sich in der Schweiz verstecken. Aber zum Glück gibt’s ja das Golddiggin. Fakyr haut mit seinen Wortspielen, cleveren Reimen und astreinem Flow so richtig rein. Dreieinhalb Minuten lang überzeugt er mit seinem Können – von ihm haben wir heute bestimmt nicht zum letzten Mal gehört. Zieh dir den nächsten Rap-Superstar der Schweiz rein:

Goldchetteli, fette Karren, eine riesige Crew und Graffitis – MIC lässt in seinem Clip zum Song «Meinig» kein HipHop-Klischee aus. Aber der Typ artikuliert so sauber und rappt extrem melodiös, was alles wieder wettmacht. Auch inhaltlich macht der Track etwas her, ist echt nice, ihm zuzuhören. Hier darf definitiv auch noch mehr kommen – so schnell verschwindet MIC nicht von unserem Radar. Mein letztes Goldstück für heute:

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