Die zwölf Halbfinalisten des diesjährigen MyCoke Music Contests stehen fest und ein Genre scheint die musikalische Dominanz innezuhaben – zwei Drittel der Newcomer, die im Halbfinale stehen, bewegen sich musikalisch in der HipHop-Sphäre. Und die acht Halbfinalisten zeigen vor allem eines: Die Diversität von HipHop.

Acht Newcomer, acht Interpretationen und Umsetzungen von HipHop prägen das Halbfinale des diesjährigen MyCoke Music Contests, von 96ix und persönlichem Storytelling über ein eingängiges Klangbild auf Jung Äms «Bounce» und Shawtie La Fleurs emotionale Liebesgeschichte bis zum Romand Dibby Sounds mit musikalisch äusserst versiertem Trap mit einer Prise Rock. Die HipHop-Szene hat wieder einmal gezeigt, dass sie wohl das breiteste Genre ist und an allen Ecken und Enden talentierte Newcomer gedeihen lassen kann. Doch für die Künstler ist es nicht nur eine Bühne, welche die Diversität der Szene zeigt, es ist ein Contest mit einem Preis, der der musikalischen Karriere den entscheidenden Push geben kann – 50’000 Franken in Förderung. Und ab heute startet das Voting, durch das drei Künstler den Schritt ins Finale schaffen. Wir haben mit fünf Künstlern über den Contest, ihre Musik und ihr Personalleben gesprochen.

Zum Voting gehts hier.

96ix

Du machst sehr persönlichen Rap. Was bewegt dich?
Mich bewegt meine persönliche Geschichte am meisten. Momentan gehe ich privat durch eine schwierige Zeit, es verändert sich sehr vieles um mich herum. Das Ganze gibt mir viel zu denken. Und während ich über alles reflektiere und nachdenke, philosophiere ich gerne weiter. Und wenn ich diese Gedanken dann zu Songtexten verarbeiten kann, entstehen sehr persönliche Tracks.

Grosse Bewegungen kann man auch auf deiner Apple-Music- oder Spotify-Page beobachten – du hast einen unglaublich grossen Output an Musik. Wie sieht ein typischer Tag im Leben von 96ix aus?
Ein typischer Tag in meinem Leben findet im Studio statt. Letzten November habe ich mir vorgenommen, jeden einzelnen Sonntag einen Track zu veröffentlichen: Selbstproduziert, selbstgeschrieben und selbst abgemischt. Das erklärt meinen grossen Output. Deshalb bin ich auch ständig im Studio, beschäftigt mit Beatproduktion und der Aufnahme von neuen Tracks.

Deine Musik hat einen ziemlichen Reach, was ein Vorteil ist auf das Voting des Contests bezogen. Wo siehst du dich in diesem Coke Contest?
Ganz klar als Sieger – ich meine: Wofür habe ich mich sonst angemeldet? Ich bin hier, um zu gewinnen und der eine oder andere Track von mir hat auch schon seine Runden machen können. Ich hoffe, die Zuhörer geben mir den nötigen Support und schicken mich ins Finale. Dann liegt es an mir. Und wenn ich erst einmal auf der Stage bin, dann ist es Game Over (lacht).

Jung Äm

Du stehst im Halbfinale neben elf anderen Künstlern und es scheint ein ziemliches Kopf-an-Kopf-Rennen zu sein. Wer wird sich durchsetzen und warum?
Ich denke, die Karten, dass ich mich durchsetzen kann, stehen relativ gut. Einerseits weil der Song, mit dem ich mich qualifiziert und auch ins Halbfinale gespielt habe, meiner Meinung nach ziemlich zeitlos ist. Er ist auch mein Favorit unter meinen Songs, er hat Radioplays bekommen bei Virus und SRF 3, ist Song der Woche geworden und das ist doch ziemlich vielversprechend, finde ich. Andererseits setze ich voll auf den Support von CH-Rap, dass man fleissig votet. Allgemein kann man sagen, dass sich schlussendlich einfach diejenigen durchsetzen, die diesen Lifestyle wirklich leben, 24/7 dafür arbeiten und sich vollkommen hingeben. Wer hart arbeitet, wird belohnt.

Du hast mit «Bounce» einen Song abgeliefert, der musikalisch ziemlich eingängig ist. Ist das für dich ein Vorteil?
Es kann ein Vorteil sein, vielleicht genau, weil der Song nicht zu rap-lastig ist und sich nicht zu fest auf Reime fokussiert, aber auch nicht zu stark mit Pop und Mainstream flirtet. Der Song ist ein gutes Mittelding. Wir werden sehen, wie weit er mich bringt.

Shawtie La Fleur:

Es ist eine Frage, die leider nicht zu verschwinden scheint. Warum stehst du als einzige Frau da unter den HipHop-Vertretern da und was ist nötig, dass man als Frau im HipHop-Game mit den gleichen Augen angeschaut wird, wie die Männer angeschaut werden?
Ich habe schon immer HipHop gehört und gefühlt und lasse mich deshalb auch gerne davon inspirieren. Ich will meine Musik aber nicht nur auf HipHop beschränken. Meiner Meinung nach gibt es in der HipHop-Szene von den Männern aus kein Problem mit Frauen. Die Frauen machen selbst ein Problem daraus im Moment, in dem sie sich selbst und ihre Musik anzweifeln. Ich finde, man sollte einfach machen und seine Leidenschaft ausleben und sich nicht von Vorurteilen behindern lassen.

Um auf deinen nominierten Song zu sprechen zu kommen – «GangGang», ein Song über Liebe beziehungsweise einen Liebhaber, der gleichzeitig ein bester Freund ist und somit ein sehr realer Track. Sind deine realen Songs deine besten und wenn ja, wieso?
«GangGang» erzählt die Geschichte von mir und meinem Freund und wie stark unsere Bindung ist. Wieso ich uns als GangGang beschreibe, ist, weil wir uns immer gegenseitig inspirieren, motivieren und supporten. In meinen Songs geht es immer um Erlebnisse und Gefühle, was jedes Lied zu einer Spiegelung meines Lebens macht. Und was ist realer als das?

S.M.D

Deine Musik ist extrem divers. Von Dancehall-Afrobeats zu Boombap machst du viel Verschiedenes zwischen Flowflexing und emotional geladener Musik. Wieso reichst du genau «Lady Green» für den Contest ein?
Wenn man vom Album «Haute Cuisine» spricht, dann ja, es ist sehr breit an Stilrichtungen. In den letzten Singles erkennt man jedoch schon eine Tendenz, in welchem Stil ich mich bewege. Man darf nicht vergessen, dass ich erst seit einem Jahr Rap mache und ich will mich noch nicht für eine Schiene entscheiden müssen. «Lady Green» zum Contest zu schicken, macht für mich aus dieser Überlegung Sinn. Es ist meiner Meinung nach ein zeitgemässer Song, der neben seinem Vibe auch lyrisch punkten kann. Ich denke auch, dass jeder diesen Song hören kann, ob Frau oder Mann, ob alt oder jung oder ob HipHop oder nicht.

Erzähl mir von deinem Lieblingsmoment mit Lady Green.
(Lacht). Ich glaube mein Lieblingsmoment ist, wenn sie gerade im Grinder ist und sich bereitmacht. Sie ist generell eine sehr treue Seele und immer wieder an meiner Seite, wenn ich Überstunden im Studio schiebe oder Songs schreibe.

Dibby Sounds

Ich finde es schwierig, deine Musik zu kategorisieren, du bist irgendwo zwischen Rockstar und Trapboy. Was ist «Satisfaction»?
Ehrlich gesagt, manchmal kann nicht mal ich meine Musik wirklich greifen. Ich bin einfach ein Dude, der verliebt in die verschiedensten Sounds ist und gerne mit Klängen spielt und immer wieder neue Wege herausfinden will, mit diesen zu spielen, wenn ich einen Beat baue. Deshalb ist eine Kategorisierung auch schwierig. Ich bin ein Künstler, der die Werkzeuge dieser Ära nutzt, um mein Handwerk zu praktizieren. Das Rockstar-Ding ist mehr Attitüde, ich habe Rock entdeckt, bevor ich HipHop überhaupt gekannt habe und die Energie darin hat mich inspiriert. Ich habe immer den Drang verspürt diese Energie zu nehmen und sie in HipHop zu übertragen. «Satisfaction» ist das Produkt dieses Mixes, lyrisch ist es Rap, musikalisch sind es Trap Drums, die mit weirden Synthesizern verschmelzen und energetisch gesehen ist es Rock.

Betrachten wir die literale Seite des Begriffs Satisfaction/Befriedigung. Was ist Satisfaction? Das Gefühl einen Song fertigzustellen? Den MyCoke Contest zu gewinnen?
Satisfaction kann alles sein. Es geht nicht darum, was es ist, sondern wie man es erfährt, und generell, wie man das Leben erfährt. Ja, ich fühle eine Befriedigung, wenn ich einen Track fertig gemixt habe und das Gesamtprodukt anhören kann. Ich glaube, ein ähnliches Gefühl erfährt ein Maler, wenn er sein Gemälde fertiggestellt hat und es betrachten kann. Natürlich wäre es eine grosse Befriedigung den Contest zu gewinnen, aber der Song «Satisfaction» behandelt viel simplere Dinge. Es ist Satisfaction deine Freunde und Familie deine Musik schätzen und lieben zu sehen. Ein Maler kann sein Gemälde stundenlang bewundern doch die grössere Freude ist es die Arbeit mit geliebten Personen zu teilen. Unterstützung von Freunden und Familie zu haben und zu wissen, dass die Familie und die Verwandten okay sind, ist die grösste Form von Befriedigung für mich.