Er ist einer der erfolgreichsten Schweizer Urban-Künstler und doch kennen ihn nicht alle. Ein Gespräch mit Cliqme.

Wir kennen ihn aus dem Sommerhit «Don’t be shy» an der Seite von Pronto. Doch nur die wenigsten kennen die Geschichte von Cliqme. Der in Kinshasa geborene und in Bern aufgewachsene Kongolese feiert als MC Erfolge in Albanien und arbeitet mit Grössen der dortigen Musikszene zusammen. Ob er sich Kollaborationen mit Schweizer Künstlern vorstellen kann, verrät er uns im Interview.

Cliqme, beschreibe dich in einem Satz.

Ein Schiff ist am sichersten im Hafen, aber dafür wurde es nicht gebaut.

Wie bist du mit HipHop in Berührung gekommen?

In den jungen Jahren durch Schule, Freunde, MTV und VIVA. Die ersten Künstler, die ich feierte, waren Snoop Dogg, Dr. Dre, Xzibit, 50 Cent, Eminem, Warren G, Diddy und Jay-Z.

Du bist in Bern aufgewachsen? Wie kommt’s dazu, dass du zuerst in Kosovo und Albanien erfolgreich warst?

Ich würde noch nicht von Erfolg sprechen. Mein Name ist aber definitiv ein Thema im Kosovo und bei den Exil-Kosovaren. In Bern bin ich mit Albanern aufgewachsen und früh mit der Sprache in Berührung gekommen. Als MC und Entertainer bin ich seit vielen Jahren in der Musik- und Nightlifeszene unterwegs. Seit 2017 arbeiten mein Team und ich an eigenen Produktionen – meist auf Englisch. Als Capital T, einer der bekanntesten albanischen Künstler, spontan ein Feature mit mir machen wollte, war ich sofort dabei. Der Song ging richtig ab auf Spotify und Youtube und öffnete mir neue Türen: Ich durfte in grossen albanischen Clubs vor tausenden Menschen auftreten. Da wurde mir klar, dass ich im Kosovo arbeiten und den Menschen etwas zurückgeben möchte. Dort bekomme ich Liebe für meine Kunst. In der albanischen Musikszene bewegt sich zurzeit sehr viel und sie mischt langsam, aber sicher weltweit mit: Dua Lipa, Bebe Rexha, Rita Ora, Xherdan Shaqiri – Kosovo hat grosse Talente in der Musik wie im Fussball. Die meisten jungen Albaner hören sehr viel Black Music und sind offen für internationalen, vielsprachigen Sound. Ich fühle mich wohl.

Beeindruckend, was im Kosovo abgeht. Was ist deiner Meinung nach der Hauptunterschied zwischen der albanischen und der Schweizer Rap-Szene?

Obwohl der Kosovo ein sehr kleines Land ist, ist die albanische Rap-Szene sehr gross und international anerkannt. Wer ausser Pronto würde ein hochklassiges Feature mit einem der angesagten Künstler aus Paris, Berlin oder Amsterdam bekommen? Wohl fast niemand. Im Kosovo ist das anders.

Wie kam das Feature mit Pronto zustande?

Das ist wirklich eine witzige Geschichte, ich erzähl dir mal die Kurzform. Ich habe einen Beat bei ihm gekauft und am Tag der Aufnahme war er per Zufall in der Nähe. Er kam im Studio vorbei und als ich kurz weg war, hat er Freestyle einige Takte eingerappt. Dieser «Spass» wurde zur Hook von «Don’t be shy». Pronto ist eine Maschine! Wir arbeiten bis heute eng zusammen, tauschen Ideen für Melodien, Songtitel aus. Im Hintergrund läuft einiges.

Möchtest du auch in der Schweiz musikalisch Fuss fassen? Mit welchen Rappern könntest du dir eine Zusammenarbeit vorstellen?

Die Schweiz ist mein Zuhause, mein Herz ist hier. Also will ich auf jeden Fall Clubshows in der Schweiz spielen. Ich sehe mich jedoch primär als MC, der auf dem DJ-Pult die Menge anheizt, bevor Chris Brown auf die Bühne kommt, daher kollaboriere ich selten mit Rappern. In der Schweiz arbeite ich bereits mit dem Besten zusammen. Den Einen oder Anderen könnte ich mir auch gut für eine Kollaboration vorstellen, aber das müsste sich ergeben.

Was sind deine nächsten Steps? Ist ein Release in Planung?

Vor einigen Tagen kam der neue Song LAST CALL / THIRRJA FUNDIT mit Musikvideo auf allen Plattformen heraus. Der Text ist auf Albanisch.

Wo willst du hin? Was ist dein Ziel?

Wir haben gerade den Song releast, jetzt schauen wir weiter. Ich möchte in Kosovo, Albanien und der Schweiz als Künstler Fuss fassen und dabei gesund und fröhlich bleiben. Als Team wollen wir in den nächsten fünf Jahren die US-Tour von Pronto planen. Das wird kommen.