Mit »Off Season» liefert uns der Dancehall-König fünf brandneue Tracks, ganz im Sinne der süssen Liebe. Weshalb er sich selbst als grossen Fan von Pronto bezeichnet und wie es zur erneuten Kollabo auf der EP kam, erzählt der Zürcher im Release-Gespräch.

Seit deinem letzten Album «Lince» sind eineinhalb Jahre verstrichen, jetzt folgt die neue EP. Wo lag dein Fokus in der Zwischenzeit?
Ich war eigentlich fast die ganze Zeit auf Tour – es waren irgendwie rund 45, 50 Shows, ziemlich wahnsinnig. Daneben habe ich an anderen Projekten mitgearbeitet, war viel unterwegs, unter anderem in Jamaica.

Wie würdest du den Unterschied zwischen den beiden Werken «Lince» und «Off Season» auf musikalischer Ebene beschreiben?

Mit «Lince» wollte ich ein klassisches Album machen, mit abwechselnden Vibes, Facetten, Themen. Und es sollte fresh sein, keine Wiederholung von etwas bereits Gemachtem. Denselben Anspruch hatte ich auch mit der EP, also neue Vibes reinzubringen, nicht einfach «Lince» zu kopieren. Letzten Herbst war ich in Süditalien, da entstand «Off Season» als Konzept, als eine zusammenhängende Mood-Welt, in der alle Songs stattfinden. Dies hängt auch stark mit dem Vibe der Beats von O12 zusammen, mit denen ich die EP gestartet habe. Dann kamen noch die Riddims von Rapha («2Blaui») und Pronto («Millions») dazu, die perfekt gepasst haben.

Wie verlief die Produktionsphase für dich – war’s so entspannt, wie das Ergebnis klingt?

Im Endeffekt ja, sobald ich den richtigen Vibe dafür fand. Bei mir geht’s immer superlangsam solange ich noch auf der Suche bin, und dann aber recht schnell, wenn ich die Vision fürs Projekt einmal habe.

Welcher Song der EP ist dein persönlicher Favorit?

«Kei Schlaf», weil er anders ist als alles was ich bis jetzt gemacht habe. Wir haben schlussendlich dieses fast schon geflüsterte iPhone-Demo verwendet, das ich auf einer Terrasse in Italien ins Phone gesungen habe. Der Vibe war speziell, es musste irgendwie dieser Take sein.

Eine Quote aus «Kei Schlaf»: «Trink wänn du trinke wotsch, mach was du mache wotsch. Du weisch, du chasch frei sii bi mir. Und gang wenn du gah musch, ich weiss es isch spat – und eigentlich wartet no öper uf dich.»
Welche persönlichen Erfahrungen verarbeitest du darin?

Genau solche halt. Der Song dreht sich abgesehen von meiner persönlichen Ebene natürlich auch um den gegenwärtigen Love-Modus von uns allen, wie ich es so mitbekomme: Unverbindlich, jetzt, hier, heute, alles nice, aber oft auch etwas kompliziert.

Apropos Love-Modus: Wir freuen uns auf die heissen Monate, denn alle fünf Tracks klingen ziemlich nach Sommer und Liebe. Verliebt?

Haha. Ich finde, ich erzähle eigentlich schon viel in meinen Songs, das muss als Info reichen…

Auf dem Track «Balkon» redest du vom süssen Nichtstun: «Ich glaub ich bliib hüt ufem Balkon, ich glaub ich lueg hüt chli in Hof. Und yap, ich mues der zuestimme, wennd seisch: machemer d Fläsche uf». Wie häufig nimmst du dir solche Auszeiten?
Eigentlich mache ich sowas selten. Meistens, wenn ich denn mal chille, habe ich nach ein, zwei Stunden dann trotzdem Bock, etwas zu arbeiten und setze mich ins Studio oder so.

«Millions»: Eine erneute Kollaboration mit Pronto – und ebenfalls ein Lovesong! Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Pronto bringt Melodien, die richtig nice sind – nie kitschig, immer mit Soul, mit Vibes. Ich bin halt einfach Fan seit er am Start ist. Den Song hat Pronto produziert, ursprünglich war er mal für ein anderes Projekt geplant, passte dann aber perfekt auf die EP. Sicher nicht die letzte Kollabo von uns.

Gibt es noch weitere Schweizer Künstler, die auf deiner künftigen Feature-Liste auf keinen Fall fehlen dürfen?

Da habe ich schon meine Liste, lasse aber lieber die Musik sprechen, sobald sie ready ist.

Wie sieht dein Festivalsommer 2019 aus?

Komplett ruhig! Ich gönne mir nach den vielen Shows von 2018 ein bisschen Zeit für neue Projekte, habe schon wieder einige Ideen… Im Herbst/Winter wird’s dann ein paar ausgewählte Clubshows geben.

Was ist für deine musikalische Zukunft geplant?

Einfach möglichst befreit weitermachen und neue Songs releasen, aber auch mit dem Team an musikübergreifenden Projekten arbeiten. Wir veröffentlichen zur EP auch ein limitiertes Foto-Booklet, welches den Mood der EP in Printform abbildet und nochmals verstärken soll. Die visuelle Ebene ist uns wichtig, da werden wir auf jeden Fall dranbleiben.

Das Interview wurde von Julia Ehrensperger geführt.