Stereo Luchs‘ Titeltrack seines neuesten musikalischen Projektes, «Off Season», ist eine Ansammlung an Dingen, die der Friesenberger besonders gut kann: Atmosphäre und Metaphorik.

«Off Season» könnte einer der stärksten Songs sein in Stereo Luchs‘ Diskographie. Der Zürcher verbindet einzelne Lines in verschiedenen Verses durch inhaltliche Bezüge, ist in Inhalt und Delivery ein wenig kitschig, ohne störend zu sein und das Instrumental könnte die komplexe Atmosphäre kaum besser einfangen. Der Song verzichtet bewusst auf textliche Komplexität, schafft es aber gleichzeitig, inhaltlich eine ganze Szene zu vermitteln. Stereo Luchs erklärt ganze Gefühle und Erinnerungen in knappen Sätzen durch das Malen eines sprachlichen Bildes. «Off Season» zeigt, dass Text nicht komplex sein muss, um extrem viel auszusagen. Der Track ist eine lange, liebeserfüllte Erinnerung an ein Gefühl auf einer Reise durch den Süden im Früh- oder Spätsommer. Ein Gemisch aus Erholung, Harmonie und Zweisamkeit zieht sich durch den Track und Stereo Luchs gelingt es auch, man muss fast sagen gewohnt gut, dieses sprachliche Bild von Emotionen musikalisch so umzusetzen, dass es auch zugänglich ist, auch wenn man nichts mit der Szene zu tun hat.

[Verse]

Hundert Rösser, Modus Sport
Abe uf de Karte i ihrem schwarze Golf, bis d’Strass am Wasser stoppt
Himmel milchig, Sunne druckt
Felder ziehnd verbi, Fenster halbe off, Benson & Hedges-Pack isch voll

Zigis und Soda, San Pellegrino
Sie stürt im Overall, ihri Nägel Rot, ihre Gürtel Moschino
Ich DJ, mir trucked, trucked, trucked, Jerry Garcia
Verbi a Fabrike, zerschlagni Schibe, früehner besseri Ziite

Min Sitz hine, Füess dobe, gits besseri Ziite?
Ihre Blick füre, mir rolled, ewigi Piste
Ohni Wort uf de Schnellstrass
A/C uf 20 Grad, A/C uf 20 Grad

[Hook:]

Off Season
Off Season
A/C uf 20 Grad

[Verse]

Boxestopp ime Motel, Abstiigi
Plastikstüehl ufem Vorplatz, ich mach Barkeeper
Alti Stories im Schatte, ihres Lache no s’gliche
Nacher Spielsalon, Dorfdisco, Schlagsiite Mer liebed s grosse Ganze gnau wie s chline Halbe und alli Variante (2x)

Schnitt, d’Hitz weckt eus unter de wisse Liintüecher
Brummschädel, mis Hirn schreit nach riesigem Iisbütel
Surrende Frigo mit nüt drin, chum fahremer wiiter
Känne das Gsicht, Kafi mues ane, fahremer wiiter

Ibu 400 zum Doppio, es git besseri Ziite
Ihre Blick füre, mir rolled, ewigi Piste
Ohni Wort uf de Schnellstrass
A/C uf 20 Grad, A/C uf 20 Grad

[Hook:] 

Off Season
Off Season

[Outro]

AC uf 20 Grad
AC uf 20 Grad
Wie früehner wirds nie meh
Aber alles guet
Wie früehner wirds nie meh
Aber alles guet

 

 


Abe uf de Karte i ihrem schwarze Golf, bis d’Strass am Wasser stoppt:

Das Ziel der Reise wird von Stereo Luchs bereits in der zweiten Zeile enthüllt – der Punkt, an dem es nicht mehr weiter in Richtung Ferne geht. Es ist letztendlich egal, wo dieses Ziel genau ist, es soll einfach eines sein, am Meer. Stereo Luchs spielt mit einer Thematik, die im ganzen Song eine entscheidende Rolle spielt, ein nicht konkretes Ziel, eine gewisse Sorglosigkeit, die auch hier wieder diese harmonische Atmosphäre bewirkt, die der Track auslöst. Die Strasse, die am Wasser stoppt, ist kein Statussymbol, Stereo Luchs flext nicht mit Ferien in St. Tropez, stattdessen geht es um Spontanität und Einfachheit.

Himmel milchig, Sunne druckt, Felder ziehnd verbi, Fenster halbe off, Benson & Hedges-Pack isch voll:

Stereo Luchs: Der Song ist für mich fast mehr ein Film, sehr visuell. Er besteht fast nur aus Bildern und Szenen und ist recht dicht geschrieben. Die Line erklärt sich denke ich selber, dieser etwas drückende Wetter-Mood, aber alles ok, solange man fährt, Getränke und Kippen hat.

Ich DJ, mir trucked, trucked, trucked, Jerry Garcia:

Stereo Luchs: Ich Beifahrer, am iPhone, mache den DJ und spiele «Truckin’» von Grateful Dead. Der Song wiederum ist eine der ultimativen Road-Trip Hymnen.

Verbi a Fabrike, zerschlagni Schibe, früehner besseri Ziite:
Min Sitz hine, Füess dobe, gits besseri Ziite?

Stereo Luchs: Hier, anstelle des üblichen Bildes des schönen Südens, die andere Realität – Verlassene Landstriche, Häuser, die zu verkaufen sind, leerstehende Fabriken.
Die zweite Line als Kontrast dazu: Gleichzeitig können zwei Menschen gerade die beste Zeit haben, egal wie die Umstände sind.

Ihre Blick füre, mir rolled, ewigi Piste:

Auch hier kreiert Stereo Luchs wieder diese Atmosphäre der Harmonie und des Unkonkreten. Eine unendliche Piste funktioniert ähnlich wie die Strasse, die am Wasser endet. Es ist keine Form von Destination oder Richtung zu erkennen – eine unendliche Strasse leitet einen Stereo Luchs ohne konkretes Ziel, jedoch mit der Sicherheit, dass man ein Ziel erreichen wird.

Off Season:

Stereo Luchs: Es ist Off Season. Vielleicht geht in der Hochsaison für zwei, drei Monate ein bisschen was, aber für den Rest des Jahres nichts. Die spezielle Stimmung, wenn du an einem Ort bist, der vielleicht vor drei, vier Wochen noch überrannt war, nun aber ausgestorben ist. Verschlossene Läden, streunende Hunde, leerer Strand. Der mood schön, aber die Stimmung hat auch etwas melancholisches, einsames.

Boxestopp ime Motel, Abstiigi:

Gutes Wortspiel, heisst es nicht auch Energie tanken?

Alti Stories im Schatte, ihres Lache no s‘gliche:

Stereo Luchs: Memories, Dinge die sich nie ändern, ab denen man sich freut. Wie der spezifische Sound des Lachens einer Person.

Ibu 400 zum Doppio, es git besseri Ziite:

Hier bezieht sich Stereo Luchs auf eine Line, die exakt an der gleichen Stelle (!), jedoch im ersten Verse liegt: «Min Sitz hine, Füess dobe, gits besseri Ziite?» Die zwei Stellen sind die Highs, respektive die Lows des Roadtrips. Sorgloses Füssehochlagern und Fahrtwind vs. Ibuprofen und Koffein gegen den Kater des Vorabends.

Sie und ich – wie früehner wird’s nie meh. Aber alles guet, alles guet:

Stereo Luchs: Es ist wie es ist. Alles gut…