Die Fratelli-B sind zurück mit neuem Sound und einer Message für alle vorurteilserfüllten Schicksale mit grauem Alltag und Angst vor Neuem. Mit einem radiotauglichen neuen Track «Per Du» katapultiert sich das Baarer Gebrüderpaar aufs Neue in die Playlists der Schweizer Hip-Hop-Heads. Aber wer soll jetzt mit wem per Du sein?
[Verse 1]

Ich wache uf – gliichi Ziit wie immer,
Bin ufem Wäg richtig Arbeitsplatz.
Gliiche Zug, gliichi Lüt wie immer,
Bevorzug gliich, es freis Abteil z’ha.
Bevori de Bahnhof verlah,
Holi jede Tag es Kafi für chli Arbeitsmoral,
Zünde d’Marlboro ah und nimm en letschte Zug wie immer;
Dänn klappt de Laptop uf.
Ab denn isch fertig mit easy, will während s’Telefon schället,
Tippi scho Formle und Zahle i mini Excel-Tabelle
Und fraged d Arbetskollege, öb ichs neue Restaurant känne,
Am Egge gäbs en neue Thai, sägi nä-äh – so wie immer.

[Pre-Hook]

Will was neu isch, isch fremd. Und was fremd isch, macht Angst. Und die Angst füehrt zu nix, nei sie füehrt zu nix.
Und darum dänki mitem Verstand und legg mis Läbe ned id Hand vo es bitzeli Angst, wills sich sicher ned lohnt. Ha kei Angst vor chli Angst, ich ha Wichtiges vor – ich ha es Date mit mim Läbe.

[Hook]

Chum mir mached doch per Du (x4)

[Verse 2]

Wäred doch gar ned so anderst, wäred ähnlich, aber stönd eus mängisch sälber im Weg;
Sind üs ned Wälte entfernt, mir händ üs bloss nie verstande, nur will mir üs nie känneglernt händ.
Mir händ die gliche Platte diheime im Platteregal, ziehnd i de Nacht bi spat umd Hüser und verschlafed de Tag.
Lueged die gliche Blockbuster, nur in anderer Sprach, wäred üs ähnlich aber fraged ned nah.
Und drum lahs üs doch per Du mache, ufwache, nid i Schublade dänke, will üs kei Hutfarbe usmached, üs ned vonenand tränned, das womer vonenand känned, isch was mer weiss, wenn mer sich nonig kännt, las eus per Du mache, chum setzemer dem Ganze es Änd.

[Pre-Hook]

Will was kännsch, isch vertraut. Nur was kännsch, isch ned fremd. Und du vertrausch nur, was kännsch. Alles ander macht Angst.
Und darum dänki mitem Verstand und legg mis Läbe ned id Hand vo es bitzeli Angst, wills sich sicher ned lohnt. Ha kei Angst vor chli Angst, ich ha Wichtiges vor – ich ha es Date mit mim Läbe.

[Hook/Outro]

Chum mir mached doch per Du (x4)


Ich wache uf – gliichi Ziit wie immer, bin ufem Wäg richtig Arbeitsplatz. Gliiche Zug, gliichi Lüt wie immer, bevorzug gliich, es freis Abteil z’ha

Jeden Tag aufs Neue um Viertel vor sieben aus dem Bett quälen, der Wecker gehört an die Wand geschmettert. Die Dusche weckt den Körper, während der Kopf weiter im Energiesparmodus bleibt. Auf dem Weg in Richtung Nine-to-Five Job immer die gleichen verschlafenen Gesichter, doch nie mit jemandem geredet, um das Pendeln erträglicher zu machen. Warum sozialisieren, wenn man doch allein sein kann? Stattdessen lieber hoffen, dass niemand die vier Worte ausspricht: «Isch da no frei?»

Jede Tag es Kafi für chli Arbeitsmoral, zünde d’Marlboro ah und nimm en letschte Zug wie immer. Dänn klappt de Laptop uf

Die Sucht als kleiner Lichtblick im grauen Arbeitsalltag. Malen nach Zahlen und Pausenbrot sind roten Zahlen und Lungenbrot gewichen, die Vormittags-Exkursion zur Büro-Kaffeemaschine ist das Highlight des Tages geworden. Mit zarten sechzehn Jahren immer nur im Ausgang geraucht, ein Laster, das heute wenigstens stündliche Pausen rechtfertigt.

Und fraged d Arbetskollege, öb ichs neue Restaurant känne, am Egge gäbs en neue Thai, sägi nä-äh – so wie immer

Warum Neues kennenlernen, wenn sich doch das Alte bewährt hat? Mikrowellen-Fertiggerichte, Hacktätschli mit Herdöpfelstock machen weniger Angst als Essen aus Ländern, deren Hauptstadt man nicht kennt.

Will was neu isch, isch fremd. Und was fremd isch, macht Angst. Und die Angst füehrt zu nix, nei sie füehrt zu nix:

Vielleicht wäre es nicht so verkehrt, die Hacktätschli mit Herdöpfelstock für einmal im Kühlregal stehen zu lassen und etwas zu probieren – schliesslich rät doch genau das heutige Horoskop der Zeitung aus dem Kasten am Bahnhof genau das.

Ha kei Angst vor chli Angst, ich ha Wichtiges vor – ich ha es Date mit mim Läbe

Vielleicht ist das der wahre Wert des Daseins: Es ist nötig, mit den eigenen auferlegten Perspektiven zu brechen und über den eigenen Horizont blicken, das eigene Leben in fancy Restaurants ausführen und dabei nicht Chäs-Rösti bestellen.

Mir händ üs bloss nie verstande, nur will mir üs nie känneglernt händ

Zwei Schicksale, die sich gegenseitig nur schräg mustern, Vorurteile vor dem Anderen haben und niemals von sich aus mit dem anderen reden würden, sitzen sich wortlos gegenüber.

Mir händ die gliche Platte diheime im Platteregal

Niemand wagt es, auch nur zu versuchen, über das Klischee und das Vorurteil hinwegzusehen, das Setting des grauen Alltags lässt es nicht zu, dass die gemeinsame Lieblingsplatte aufgelegt oder das gemeinsame Lieblingsbuch aus dem Rucksack hervorgekramt wird.

Ufwache, nid i Schublade dänke, will üs kei Hutfarbe usmached, üs ned vonenand tränned

Endlich traut sich jemand, das Vorurteil zu überwinden. Wahrscheinlich sei man gar nicht so verschieden, vielleicht wäre es gut, etwas zu sagen oder irgendwie zu handeln, doch wer macht den ersten Schritt?

Chum mir mached doch per Du

Die Stille wird gebrochen durch das Herausziehen des Lieblingsbuches oder das Abspielen des Lieblingsinterpreten und das Vorurteil und die Angst vor Neuem durch ein einfaches Hallo zerschmettert.